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Magenverkleinerung bei Adipositas, 50 Kilo weniger und wieder beweglich

Wie verändert ein Magenbypass das Leben mit Adipositas? Fotografin Nicole Urbschat berichtet, warum sie sich für eine Magenverkleinerung entschied, rund 50 Kilo abnahm und wieder beweglicher wurde. Sie spricht über Lipödem, OP-Vorbereitung, Ernährung danach, Unverträglichkeiten und mögliche Komplikationen.

Shownotes

Magen verkleinern, 50 Kilo verlieren, Problem gelöst? So einfach ist es nicht. Ein Magenbypass kann bei Adipositas ein wichtiger medizinischer Schritt sein – aber die OP verändert Essen, Trinken und den Alltag dauerhaft.

In dieser Folge von „Warum ich? Der andere Gesundheitspodcast“ erzählt die Berliner Porträtfotografin Nicole Urbschat von ihrem Weg mit Adipositas und Magenbypass. Nach vielen Diäten, Schmerzen und eingeschränkter Beweglichkeit entschied sie sich für eine Magenverkleinerung und nahm sie rund 50 Kilogramm ab. Ihr Ziel war nicht ein Schönheitsideal, sondern wieder beweglicher zu sein und ihren Beruf weiter ausüben zu können.

Mehr Informationen zum Adipositaszentrum der Klinik für MIC in Berlin-Zehlendorf:
Link zum Adipositaszenturm der Klinik für MIC

Zusammenfassung der Podcast-Folge:

Nicole berichtet von sechs Monaten Vorbereitung auf die Adipositas-OP mit Ernährungsberatung und psychologischer Begleitung. Auch die Krankenkasse spielte auf ihrem Weg eine Rolle: Nach Nicoles Erfahrung unterstützte die Klinik für MIC in Berlin sie hervorragend bei den notwendigen Anträgen.

Nicole hat einen Y-Bypass und erzählt, wie sich Portionen, Trinken, Kauen und die Verträglichkeit bestimmter Lebensmittel verändert haben. Sie spricht auch darüber, warum alte Essgewohnheiten zurückkehren können und eine Magenverkleinerung allein das eigene Verhalten nicht verändert.
Vor der Operation hatte Nicole auch eine Abnehmspritze ausprobiert, die sie wegen starker Übelkeit wieder absetzte. Zu ihrer Geschichte gehören außerdem ein Lipödem, frühere Liposuktionen, überschüssige Haut und eine spätere Gallenkomplikation.

Diese Fragen beantwortet die Folge:

  • Warum hat Nicole sich bei Adipositas für einen Magenbypass entschieden?
  • Wie lief die Vorbereitung auf die Magenverkleinerung ab?
  • Welche Rolle spielten Ernährungsberatung und Krankenkasse?
  • Wie verändert sich Essen und Trinken nach einem Magenbypass?
  • Warum war die Abnehmspritze keine passende Alternative?
  • Kann man nach einer Magenverkleinerung wieder zunehmen?
  • Welche Schwierigkeiten und Komplikationen hat Nicole erlebt?
  • Was rät Nicole Menschen, die über einen Magenbypass nachdenken?

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Transkript

Nicole Urbschat (00:00)
Er kann unseren Magen operieren, aber er kann nicht unser Gehirn operieren. Ich anfangs sehr oft gefragt, Gott, Frau Urbschat, sind Sie krank? ich habe nicht mal ein halbes Jahr gebraucht oder so, bis ich mein Wunschgewicht hatte. Ich kam da nicht mehr hoch und lag wie ein Maikäfer da. Mir war nur übel, ich habe für mich festgestellt, diese Abnehmensspritze bekommt mir nicht. Das ist eine Entscheidung, die lange reifen muss bei den Menschen. Man muss sich da wirklich hundertprozentig sicher sein.

Martina (00:32)
Es gibt so Themen, die sind tricky. Glatteisthemen nenne ich sie gerne und ich weiß genau, dass wir heute so ein Glatteisthema besprechen werden. Es geht nämlich im weitesten Sinne um Körpergewicht, Abnehmen und so weiter. Und damit herzlich willkommen zu Warum ich? Der andere Gesundheitspodcast. Und ich fange gleich an mit einer Zahl, die ist relativ aktuell vom Robert Koch Institut. 19,7 Prozent aller Menschen, die in Deutschland leben, adipös, das heißt also relativ heftig übergewichtig und 60 Prozent aller Menschen fühlen sich nicht so richtig happy in ihrer Haut. Gewicht ist ein wahnsinniges Thema. Wir möchten hier aber niemanden bashen. Es geht nicht darum, was wir schön finden, was wir nicht schön finden. Es geht nicht um eigene Ideale und Schönheitsideale. Es geht wirklich um Gesundheit und ganz individuelle Lebensentscheidungen. Und deshalb begrüße ich auch recht herzlich Nicole Urbschat. Ich freue mich total, dass du für uns Zeit hast. Vielen Dank Nicole.

Nicole Urbschat (01:32)
Herzlichen Dank für die Einladung. Ich finde es auch ganz wichtig über dieses Thema zu sprechen, weil ich selber jahrelang damit gestruckelt habe mit meinem Übergewicht. Ich war ja im Prinzip immer ein sehr, sehr schlanker Jugendlicher, sehr schlanker Teenager und dann machte es Peng, als ich schwanger war und ich wurde plötzlich dick.

Martina (01:54)
Du bist jemand, der sofort ins Thema einsteigt. bist viel schneller als ich.

Nicole Urbschat (01:58)
Hahaha!

Martina (01:59)
Ich sag mal so, du hast deinen eigenen Weg gefunden, dein Gewicht zu regulieren. Welche, darüber reden wir später noch. Du hast gut und gerne 50 Kilo abgenommen. Das ist eine Menge. Und du bist ja auch eine kleine Frau. Also ich bin auch eine kleine…

Nicole Urbschat (02:11)
Hm.

Martina (02:12)
… Frau, deshalb kann ich das sagen. Wie oft hörst du den Satz, Mensch hast du abgenommen? Nervt dich das? Ist das ein Kompliment? Ist das etwas, was du schön findest oder was dich auch für die Mühen belohnt?

Nicole Urbschat (02:25)
Das war mir eigentlich nie wichtig, was andere über mich denken, sagen oder tun. Also die Außenwelt hat mich nie interessiert. Ich werde ganz oft gefragt, Frau Urbschat, sind Sie krank geworden? Also es denkt nie jemand, ob ich bewusst abgenommen habe, sondern ich werde ganz ganz oft, gerade In der Anfangszeit, weil es halt relativ unwahrscheinlich schnell ging nach der Magenverkleinerung, werde ich sehr, wurde ich anfangs sehr oft gefragt, Gott, Frau Urbschat, sind Sie krank? Die Leute kriegten sofort einen Schreck, weil ich glaube, ich habe nicht mal ein halbes Jahr gebraucht oder so, bis ich mein Wunschgewicht hatte. Und das ging radikal, zack, zack, jeden Tag gefühlt zwei Kilo weniger.

Martina (03:13)
Wow

Nicole Urbschat (03:13)
Und das war schon erschütternd, weil ich auch Angst vor der OP hatte. bin ja als Portraitfotografin, achte ich sehr auf Gesichter und dieses jetzt plötzlich eingefallene Wangen zu haben und ein hängendes Kinn. Das war etwas, was mich lange vor der Operation zurückgehalten hat, weil ich halt nicht alt aussehen wollte.

Martina (03:43)
Nicole, das ist jetzt was ganz Wichtiges, was du gesagt hast. Es geht nämlich nicht Attraktivität im eigentlichen Sinne, sondern es geht Gesundheit. bevor wir darüber reden, hast du dich, der Podcast heißt ja, warum ich der andere Gesundheitspodcast, hast du dich eigentlich jemals gefragt, warum aus der kleinen Zeit, Nicole, irgendwann eine Frau geworden ist, die eben deutlich mehr Körpermasse hatte? War das für dich irgendwann dieser Punkt erreicht, wo du gesagt hast. Also was stimmt denn da nicht oder was läuft mit mir anders oder ich erkenne mich nicht mehr? Also warum passiert mir das?

Nicole Urbschat (04:22)
Ja, also ich hab mich gefühlt, da gab es mal so einen Film, wo so eine dicke Frau sich fühlte wie eine ganz Schlanke. Ich weiß gar nicht mehr wie der...

Martina (04:31)
Den kenn ich auch.

Nicole Urbschat (04:32)
Ja, und so fühlte ich mich. Ich fühlte mich nie dick. Ich fühl mich jetzt auch nicht schlank, obwohl ich jetzt schlank bin. Also ich habe kein Verhältnis zu meinen Außenformen, von meinem Körpergefühl her.

Martina (04:45)
Mhm.

Nicole Urbschat (04:45)
Also ich kann nicht sagen… Ich habe jetzt Kleidergröße 38, 40. Vorher hatte ich Kleidergröße 56. Ich fühle mich in meinem Körper nicht anders vom Gefühl her. Ich merke, dass ich beweglicher bin, dass ich wieder in die Knie komme, dass ich beim Fotografieren mich hinlegen kann, wieder aufstehen kann. Das konnte ich alles nicht mehr, als ich so dick war. Und für mich war im Prinzip die Motivation abzunehmen, um wieder Beweglichkeit zu bekommen, weil ich auf Ich in Rente gehen, bevor ich tot umfalle. Ich möchte arbeiten, weil ich meinen Beruf liebe. Ich finde immer dieses Thema, man ist jetzt auf die 70 zu oder so. Man muss jetzt in Rente gehen, finde ich ganz erbärmlich und furchtbar. Ich möchte so lange arbeiten, solange Kunden meine Bilder lieben. Solange ich Menschen mit meiner Arbeit glücklich machen kann. Dazu gehört, dass ich fit bin. Und die Liebe zu meinen Kunden war für mich der Grund, meinen Magen verkleinern zu lassen und noch andere Dinge machen zu lassen, um dann weiter berufstätig sein zu können.

Martina (06:01)
Wann ist denn die Idee aufgekommen, die Hilfe einer OP in Anspruch zu nehmen oder mithilfe einer OP tatsächlich deinem Leben eine ganz neue Dynamik zu geben? Weil das ist ja anders als jetzt zum Beispiel die Abnehmspritze. Darüber können wir auch noch mal reden, ob du darüber überhaupt nachgedacht hast, weil das ist ja seit... Okay, du hast es versucht.

Nicole Urbschat (06:17)
Ja, habe ich auch versucht. Ja, also ich habe also ist ich erzähle meinen Werdegang. Vielleicht ist das ganz wichtig. Also ich bin ja nicht einfach nur adipös. Ich habe ein Lipödem. Stadium 3 Jens Spahn als Gesundheitsminister hat das Gott sei Dank geschafft, das als Krankheit anzuerkennen und das heißt, über das Lipödem verlor ich irgendwann, ausgelöst in der Schwangerschaft und noch anderer Dinge. Und Hormonumstellung hat sich das Lipödem entwickelt. Dadurch habe ich das Gefühl für den Körper verloren, weil der Körper immer dicker und dicker wurde durch die Ansammlung von Fett in den Beinbereichen. Und dann hatte ich als eine der ersten nach der Gesetzesänderung von der Krankenkasse bezahlte Liposuktion. Die dann auch schon mal die ersten 20 Kilo, also insgesamt drei Liposuktionen hatte ich, die ersten 20 Kilo weggenommen hat. Dann kam Corona. Fettabsaugung,…

Martina (07:20)
Das heißt, Liposuktion ist eine Fettabsaugung.

Nicole Urbschat (07:24)
… genau. Dann kam Corona und in der Corona-Zeit, weil man sich weniger bewegt hat, wie auch immer, habe ich dann aber wieder 10 Kilo zugenommen, was natürlich nach diesen ganzen Schmerzen der Liposuktionen und so sehr bitter war und in der Zeit hatte mein Mann sich schon den Magen verkleinern lassen, der unter Adipositas leidet. Und ich habe das ja immer mehr auf das Lipödem geschoben bei mir, dieses Gewicht. Und dann, nachdem ich sah, wie gut der abnimmt und ich habe mit meinem Gewicht gestruckelt, ich dachte ja, naja, mit der Liposuktion ist das getan, habe ich mich dann auch zur Magenverkleinerung entschieden und habe dann halt radikal abgenommen und fing dann auch an, nachdem ich dann praktisch diese Kombination aus den Absaugungen und der Magenverkleinerung, fing ich dann wieder an, ein Gefühl für mich als Mensch zu entwickeln und nicht nur als dickes Wabbelwesen.

Martina (08:29)
komm!

Nicole Urbschat (08:30)
Und dann fing es auch an, Spaß zu machen, wenn ich Sport machte und so.

Martina (08:34)
Ich wollte gerade sagen, also gerade Menschen, die ich sag mal so ein bisschen außerhalb der gesellschaftlich empfundene Normen, ich versuche das vorsichtig zu formulieren, sich bewegen, die werden ja oftmals auch konfrontiert mit so Argumenten wie mach doch Sport, mach doch Diät, warum isst du denn so viel und jeder Mensch der ein bisschen Übergewicht hat, der weiß auch wenn er irgendwo steht und eine Tüte Pommes ist, dann wird er auch angestarrt, was ja auch Gesellschaft…

Nicole Urbschat (08:58)
Mmh.

Martina (08:59)
… nicht also wirklich eigentlich verachtenswert ist, aber die Gesellschaft ist nun mal so. Wie gehst du denn mit oder wie bist du mit solchen Argumenten umgegangen? War das wirklich eine Frage von Ernährung? Hast du dann irgendwie versucht, die Ernährung umzustellen? Oder ist irgendwann so ein Punkt gewesen, wo nichts mehr hilft?

Nicole Urbschat (09:17)
Ich habe alle Diäten gemacht, es auf dieser Welt gibt. könnte eine Ernährungsberaterin sein und werden. Ernährung war bei uns immer ein Thema schlechthin. Meine Stieftochter ist davon so beeindruckt, dass wir unser Leben lang über Ernährung gestruckelt haben. Die war auch so kräftig. Die hat sogar ein Kochbuch geschrieben. Über das, was so gekocht wurde. Es ist, ja, wie soll ich sagen, Ernährung zunehmen war immer wichtig. Das, was die Menschen gesagt haben über uns, das ist bei mir immer abgeprallt. habe ich nie als negativ empfunden. Glücklicherweise, da mein Mann da selber Gewichtsprobleme hat. War mir eine Stütze, also wir beiden Dicken sind durch die Weltgeschichte gekugelt und solange wir jung genug waren, hat uns das auch überhaupt nicht gestört. Und jetzt, wo wir dann…

Martina (10:17)
Mhm.

Nicole Urbschat (10:18)
… halt ein bisschen reifer wurden, ging das halt auf die Knie, auf die Knochen, auf die Gelenke, die Schmerzen wurden stärker, wenn man sich bewegt hat und wie gesagt, das Problem, ich als Fotografin muss halt häufiger mal in die Knie oder mich auf den Boden legen, um eine bessere Perspektive zu bekommen. Ich kam da nicht mehr hoch und lag wie ein Maikäfer da. Und dann wird es halt lächerlich in diesem Beruf, wenn du einfach dich nicht mehr so bewegen kannst. Und ich bin halt auch nicht jemand, der dann sagt, ach nein, dann lass ich die jungen Kollegen fotografieren und ich berate nur noch. Meine Schwester arbeitet so in der Art, dass das… Ist, bin ich nicht. Ich bin einfach zu sehr Vollblutkünstlerin und ich möchte halt am Menschen arbeiten. Und das war für mich wichtig, dass ich im Prinzip wieder die Beweglichkeit zurück bekomme.

Martina (11:08)
Dann kam die Entscheidung zu sagen, ich suche mir eine Klinik. Du warst hier in der MIC…

Nicole Urbschat (11:14)
Mmh.

Martina (11:15)
… in Zehlendorf. Die ist spezialisiert auf minimalinvasive Chirurgie und dann bist du da hingegangen. Mit welchen Vorstellungen warst du genug informiert? Wusstest du, was auf dich zukommt? Wie war die Operation? Wie war die Vorbereitung? War das ein Moment der Freude oder hattest du auch so bisschen so Ängste?

Nicole Urbschat (11:37)
Nö, bin prinzipiell kein Angstmensch. Wenn ich was mache und mich für was entscheide, dann mache ich das auch und dann gucke ich auch nicht zurück. In der MIC-Klinik wird man sehr, sehr gut auf diese Eingriffe vorbereitet, weil vor dem Eingriff wird man ein halbes Jahr psychologisch als auch ernährungstherapeutisch begleitet. Das heißt, man macht eine Ernährungsumstellung und eine Ernährungsberatung.

Martina (12:02)
Das passiert schon in der Klinik oder das passiert mithilfe der Klinik.

Nicole Urbschat (12:04)
Das passiert in der Klinik. Also in der Klinik und die machen auch die ganzen Anträge mit der Krankenkasse und organisieren das Ganze drum herum. Da muss man sich um nichts kümmern. Das macht alles das Ernährungsberatungsteam in der MIC Klinik, dass man im Prinzip sich auf seine Gesundheit konzentrieren kann und das ganze administrative organisieren die. Und dort lernt man halt auch andere Betroffene kennen. Und ich habe auch in meinem Kundenkreis oft Menschen fotografiert, die im Prinzip eine Magenverkleinerung hinter sich hatten und dann zum Fotoshooting kommen und ihr Leben 2.0 genießen. Also ich habe im Vorfeld und drum herum nur positive Erfahrungen gehabt. Das einzige, wovor ich echt Muffensausen hatte, weil ich wurde also zum Zeitpunkt der Operation immer so um die 40 geschätzt, obwohl ich schon über 50 war. Und das einzige, bevor ich Angst hatte, dass ich halt wie viele schlanke Frauen so ein bisschen faltig werde. Und

Martina (13:09)
Na, du siehst auf jeden Fall nicht faltig aus.

Nicole Urbschat (13:11)
du bist süß, danke. Aber die Falten sind schon nach der OP deutlich rausgekommen. Aber nun ist, wenn man so viele Milliarden von Falten, wie ich in meinem Leben als Portraitfotografin reduziert habe, da guckt man vielleicht doppelt so viel drauf als normale Menschen. Aber ich muss sagen, dass positive nach dieser Operation sich körperlich, bewegungstechnisch, schmerztechnisch, also alleine so diese Überlegung, wenn ich abends aus dem Studio kam und zwölf Stunden im Studio gestanden habe, konnte ich mir abends die Füße fast abschrauben, weil die so wehgetan haben. Die Knie taten weh, die Hüfte tat weh. Also jeder Knochen war eine Qual. Und solange ich gearbeitet habe und voller Adrenalin war, weil mein Kopf in meiner Kunst war, war alles in Ordnung. Aber kaum war die Haustür hinter mir zu. Ich habe noch Abendessen gemacht. Zack war ich tot. Und das ist jetzt anders. Jetzt kann ich auch, wenn ich nach Hause komme, noch Bäume ausreißen.

Martina (14:14)
Mmh.

Nicole Urbschat (14:14)
Also die Energie ist eine wesentlich höhere.

Martina (14:17)
Also du hast es für die Gesundheit getan. Lass mal bitte noch mal ganz kurz. Eine Operation ist halt immer auch ein Risiko mit allem, was dazugehört. Was war mit der Abnehmenspritze? Also ich kenne viele Geschichten, dass die Leute gesagt haben, ich nehme die Abnehmenspritze und ich bin plötzlich richtig schlank und alles super und wieso das nicht?

Nicole Urbschat (14:38)
Also ich habe die erste Abnehmenspritze, ich glaube das war Ozempik, die auf den Markt kam, genommen und da ging es mir so wie in meiner Schwangerschaft. Mir war nur übel, ich habe die genommen und dann konnte ich eine Stunde später, habe ich mich übergeben, weil mir so schlecht war. Also ich fühlte mich wie in den ersten drei Monaten meiner Schwangerschaft und ich fühlte mich überhaupt nicht wohl und überhaupt nicht gut. Die aber auch nur zwei oder drei Monate genommen. Also ich weiß es nicht, wie es gewesen wäre, wenn ich diese Abnehmensspritze länger genommen hätte. Aber ich habe für mich festgestellt, diese Abnehmensspritze bekommt mir nicht. Ich fühle mich damit mit nicht wohl und ich bin sowieso kein Mensch für halbe Sachen. Wenn ich etwas tue, dann tue ich es richtig und zwar hundertprozentig.

Martina (15:29)
Ihr hört übrigens gerade den Podcast Warum ich? Der andere Gesundheitspodcast. Und bei uns geht es heute im weitesten Sinne, Adipositas Chirurgie. Das ist eine Möglichkeit, für Menschen mit starkem Übergewicht dauerhaft abzunehmen, wenn sie es dann richtig machen. Und heute reden wir mit Nicole Urbschat. Wir kennen uns schon viele, viele Jahrzehnte. Nicole ist eine sehr, sehr erfolgreiche und berühmte Fotografin in Berlin, macht tolle Projekte über deine Projekte. eins davon wollen wir auch gleich nochmal reden. Entschieden dir den Magen verkleinern zu lassen. Du hast gesagt, gefühlt jeden Tag zwei Kilo runter. Das klingt alles so positiv. War alles immer nur positiv oder gab es auch so Situationen, wo es dir schlecht ging, wo du nicht wusstest, was du essen solltest? Weil du musst dich auch anders ernähren. Also so eine Magenverkleinerung bedeutet ja, man geht jetzt nicht mehr einmal am Tag oder zweimal am Tag irgendwo hin und isst einen Döner oder eine Pizza, sondern die Ernährung wird ja komplett umgestellt, weil der Magen eben kleiner ist.

Nicole Urbschat (16:28)
Also ich hoffe mein Arzt hört jetzt nicht zu, weil normalerweise bist du ja nachdem du so einen Eingriff hast, glaube ich krank geschrieben. Ich weiß es gar nicht. Ich habe mich gar nicht krank schreiben lassen. Also mein Mann hat mich aus

Martina (16:39)
Du bist ja auch selbstständig.

Nicole Urbschat (16:40)
dem Krankenhaus abgeholt. Ich weiß noch, es war an einem Donnerstag. Nachmittags hatte ich schon mein erstes Fotoshooting. Mir war im Krankenhaus eingebläut worden. Ich darf sechs Wochen nichts schleppen. Also alle Kulissen, die ich brauchte zum Fotografieren, haben dann mein Mann und meine Kollegin für mich geschleppt in den sechs Wochen. Ansonsten habe ich drei Stunden nach der Entlassung aus dem Krankenhaus schon wieder gearbeitet und im Studio gestanden und ich habe sofort gearbeitet. Ich habe mir überhaupt keine Gedanken gemacht über irgendwelche Nebenwirkungen oder Nachwirkungen. Natürlich habe ich mich an die Ernährungsvorgaben gehalten, dass man also in der Anfangsphase Brei und Suppen und sowas isst. Das ist normal. Das macht man auch, wenn man einen Magen-Darm-Virus gerade hinter sich hat. Also so ähnlich habe ich das genommen. dann hat man halt ausprobiert, was man verträgt und was man nicht verträgt. Also ich vertrage zum Beispiel Weißmehl so gut wie gar nicht mehr. Also die morgendliche Schrippe ist bei mir gestrichen. Stattdessen nehme ich morgens jetzt immer irgendwas mit Eiweiß zu mir und esse noch eine Banane dazu. Habe ich aber nicht als schlimm empfunden, dass ich jetzt keine Brötchen mehr essen kann oder mir Brötchen nicht mehr so gut bekommen. Mein Mann zum Beispiel,

Martina (17:58)
Sag mal Nicole, ganz kurz, wenn du sagst, du kannst das nicht essen, heißt das, dir wird schlecht oder... okay.

Nicole Urbschat (18:03)
Der Magen brennt. Der Magen brennt, wenn ich Brötchen esse. Aber witzigerweise nur Weißmehlbrötchen. die Berliner Schrippe, die bekommt mir nicht mehr. Einen Laugenbrötchen kann ich essen.

Martina (18:13)
Aber woran mag das liegen? du deinen Arzt mal gefragt?

Nicole Urbschat (18:18)
Keine Ahnung. Ich weiß es nicht. ob das was mit der Magensäure zu tun hat, ich weiß es nicht. Keine Ahnung. Mein…

Martina (18:25)
Verstehe.

Nicole Urbschat (18:26)
… Mann hat zum Beispiel Probleme mit Schweinefleisch. Das verträgt der nicht nach der Operation. Also der kann, ist fast nur noch vegetarisch. Der kriegt da Magenprobleme. Der hat, aber jeder hat auch eine andere Operationsform. Also ich habe einen Y-Bypass und mein Mann hat einen Omega Loop. Also das…

Martina (18:45)
Okay.

Nicole Urbschat (18:46)
… ist… Die Ärzte entscheiden, wenn sie im Magen sind oder am Magen sind, Operationsmethode sie anwenden. Das hat etwas mit individuellen Lage des Magens zu tun. Also man weiß das vorher nicht, was man für einen Magen bekommt.

Martina (19:00)
In unserer nächsten Folge werden wir mit einem Arzt sprechen, der genau das jeden Tag macht und total begeistert ist und seinen Beruf über allem Maßen liebt. Der blüht auf mit Adipositas Chirurgie. Also du hast gerade erzählt, du kommst aus dem Krankenhaus und statt dich auf die Couch zu legen, fängst du sofort an zu arbeiten. Was waren denn so die größten Veränderungen, außer dass du keine Schrippe mehr essen konntest? Gab es noch so andere Sachen, wo du gedacht hast, ich erkenne meinen Körper kaum wieder?

Nicole Urbschat (19:29)
Ich musste mich halt zwingen genug zu trinken, weil man soll am Tag mindestens zwei Liter trinken und du musst halt aufpassen, wenn du gegessen hast, kannst du nicht nachher trinken. Also du musst erst trinken und dann essen. Also so die Reihenfolge. Aber ich muss sagen, für mich war das nicht schlimm, weil wir waren ja sechs Monate, also mein Mann und ich jeweils. Sechs Monate in dieser Betreuung vorher in der MIC-Klinik und haben dort gelernt, was passieren kann. Also wir waren auf jede Eventualität, die der Magen eventuell macht, durch diese tolle Betreuung dort in der Ernährungsberatung vorbereitet. Und deswegen fand ich das auch nicht komisch. Und wir hatten auch, ich glaube, vier Wochen nach der OP nochmal ein Gespräch, wo dann alles nochmal durchgekaut wurde, was hat sich verändert? Was ist anders? Also zum Beispiel wussten wir nach der Operation, wenn man irgendwas Festes isst, und das man, bevor man das runterschluckt, das 30 mal kauen muss.

Martina (20:33)
Ach je, machst du das heute noch? 30 mal kauen?

Nicole Urbschat (20:36)
Nö. Also inzwischen, es war halt in der Anfangsphase wichtig. Ich bin halt immer schon ein sehr schneller Esser gewesen und ich muss mich nach wie vor bremsen. Man ist halt unwahrscheinlich schnell satt. Das ist halt das Schöne. Man braucht nicht mehr so viel Zeit fürs Essen. Und dadurch, ja, also ich zwinge mich jetzt schon, also wenigstens zehnmal zu kauen. Also es ist ja. Das ist so ein Schwachpunkt von mir, dieses schnelle Essen und wenig Kauen.

Martina (21:09)
Dann sitzt ihr euch gegenüber, dein Mann und du, am Abendbrottisch und kaut euch gegenseitig zehnmal was vor. Ja, so stelle ich mir das vor.

Nicole Urbschat (21:15)
Ja, wir achten drauf, dass wir langsam essen und dass wir gut kauen, weil die Verdauung beginnt im Mund. Auch das haben wir gelernt. Also wir haben…

Martina (21:26)
Jaja.

Nicole Urbschat (21:26)
… unwahrscheinlich viele tolle Tipps bekommen aus dieser Ernährungsberatung. Und deswegen war ich auch so begeistert, wie wir da begleitet wurden. was ich noch zusätzlich gemacht habe, was in der Klinik nicht angeboten wurde. Ich habe also einen sehr guten Arzt, der mich betreut und begleitet, der mir vorher noch Vitamininfusionen gegeben hat mit hochdosiertem Vitamin C und D, damit ich besser durch die Operation komme und mich fitter fühle. Das habe ich also einen Tag vor der OP gemacht und am Abend nach der OP habe ich mir noch mal so eine Infusion abgeholt. Vielleicht bin ich deswegen schneller geheilt, aber

Martina (22:07)
Mehr!

Nicole Urbschat (22:08)
Ich hatte das Gefühl, ich muss auch von mir aus etwas tun, damit ich schneller fit werde.

Martina (22:13)
Ja, das ist sicherlich auch eine sehr kluge Entscheidung gewesen, auch gerade bei vielen Diäten rutscht man leicht nicht nur in einen Kaloriendefizit, sondern eben auch in ein Versorgungsdefizit, wenn man nicht aufpasst. Du hast 50 Kilo abgenommen. Wie viel hat dein Mann abgenommen?

Nicole Urbschat (22:28)
60 ursprünglich, aber der hat schon wieder so ein paar Kilo zugenommen, aber er kämpft weiter.

Martina (22:35)
"battlet" ihr euch manchmal, dass man sich gemeinsam wiegt im Bad und dann hehehe?

Nicole Urbschat (22:38)
Ja. Nee, so nicht. Das ist jetzt im Sommer zum Beispiel, weil normales Essen rutscht ja nicht mehr so. was unser Arzt damals bei der Operation gesagt hat, das fand ich auch einen sehr guten Spruch. Er hat gesagt, Er kann unseren Magen operieren, aber er kann nicht unser Gehirn operieren. Und es gibt halt Menschen, das Essen ist ja eine Sucht auch. Und Es gibt halt Menschen, die einfach eine Zuckersucht haben. Und so haben wir uns jetzt im Sommer zum Beispiel, als es so heiß war, erlebt, dass wir nicht ein Eis gegessen haben wie normale Menschen, sondern drei oder vier Eis gegessen haben und in unserer alten Verhaltensweise, des schnellen Kohlenhydraten zu sich nehmen verfallen sind und dann gesagt haben, Moment mal. Pro Eis 300 Kalorien. Wir nehmen hier gerade mal 1,5 Mahlzeiten zu uns und haben uns dann wieder an unsere Ernährungsberatung erinnert und gesagt Pause, nee jetzt nicht. Und ich habe über den Sommer jetzt in diesem Jahr 3 Kilo zugenommen und das lag nicht am Essen, das lag am Eis. Gott sei Dank ist die heiße Zeit jetzt vorbei. Ja, genau.

Martina (23:50)
Na ja, Eis ist ja auch irgendwie Essen. Also es ist ja doch auch Nahrung. Aber ja, es ist natürlich richtig, dass man die Magenverkleinerung, welche Operation auch immer, schenkt einem ja, ist der Weg dahin. Aber man kann natürlich, wenn man von morgens bis abends Sahne trinkt oder eben nur noch Zucker isst.

Nicole Urbschat (24:09)
Mmmh, Sahne mit Zucker ist ja Eis.

Martina (24:13)
Ja genau, kann man wieder relativ viel zerstören von dem, was man ja schon erreicht…

Nicole Urbschat (24:19)
Genau.

Martina (24:19)
… hat. Bist du denn stolz auf dich?

Nicole Urbschat (24:24)
Ich habe ja nicht viel gemacht, außer mich auf den OP-Tisch zu legen. Ja, ich sage ich mal so, ich fühle mich wohl und ich bin froh, dass ich mich getraut habe, dass ich den Mut zusammengenommen habe, die Augen zuzudrücken und durch diese Nummer durchzugehen. Stolz wäre ich, wenn ich jetzt ohne Operation das geschafft hätte, so wie unsere Tochter mit Sport und mit Ernährungsumstellung und selbstbewusst durchzugehen und den Kopf zu verändern. Bei mir ist der Kopf verändert, weil wenn ich zu viel esse, wird mir schlecht. Und dann merke ich, der Magen ist an seinem Dehnungsvermögen und dadurch habe ich halt diese mechanische Bremse mehr zu essen.

Martina (25:10)
Hattest du eigentlich jemals nach der Operation irgendwie Schmerzen? War das mit irgendwelchen...

Nicole Urbschat (25:14)
Nein, das einzige, was ich hatte, das hat was mit der Entgiftung zu tun des Körpers. Ich hatte einen Gallengangsverschluss. Und das war eine sehr unangenehme Sache. Der Körper entgiftet stark und dadurch bilden sich vermehrt Gallensteine. Und weil man ja oftmals vergisst zu trinken, was mir passiert ist, also zu wenig Flüssigkeit, verklumpen die im Gallengang. Und dann genau Prost und dann setzen die Dinger sich im Gallengang fest und ich musste eine ziemlich komplizierte Gallenoperation machen lassen, weil durch die Magenverkleinerung lag der Magen anders und die kamen nicht über eine mikroinversive Operation in meine Galle, so ohne weiteres. Das ist eine Nebenwirkung der Magenverkleinerung, wenn man sich dann nicht ganz an die Ernährungsberatung hält.

Martina (26:09)
Also man sieht, wie wichtig es ist, dass man nicht nur diesen einen Schritt geht, OP, sondern auch sein Leben quasi umstellt.

Nicole Urbschat (26:13)
Ja, man muss das umstellen, das ist ganz wichtig. man muss wirklich bei jedem Getränk und bei jedem Essen, was man zu sich nimmt, die grauen Zellen mit anschalten. Essen ohne Verstand macht einen krank in jeder Hinsicht, ob du operiert bist oder nicht.

Martina (26:34)
Das heißt also diese Magenverkleinerung, für die du dich entschieden hast, die begleitet dich durch dein Leben. Also es ist jetzt nicht ein selbstverständlicher Prozess, dass man sagt, okay, ich vergesse nicht, ich denke nicht mehr dran, ich habe mich für eine Operation entschieden. Ich sage mal zum Beispiel, für einen Körperlift oder für ein Lüfting oder für…

Nicole Urbschat (26:50)
Ja.

Martina (26:50)
… eine andere Operation, die man dann vielleicht irgendwann abhakt und vergisst. So ist es nicht.

Nicole Urbschat (26:56)
So ist es nicht, wobei das Körperlifting auch noch vielleicht vor mir liegt, weil die Haut ziemlich hängt. Nein, also man…

Martina (27:04)
Darüber reden wir auch gleich nochmal.

Nicole Urbschat (27:08)
… muss schon permanent, wenn man isst, dran denken, was, wie, warum esse ich. Und bei mir ist es halt so, ich achte sehr auf gesunde Ernährung. Wir haben halt in dieser Ernährungsberatung auch ganz intensiv gelernt, die Ernährungspyramide und zwar, dass man zuerst Eiweiß isst, dann Gemüse und ganz zum Schluss die Kohlenhydrate. Also da achte ich sehr drauf, dass man…

Martina (27:36)
Mhm.

Nicole Urbschat (27:36)
…also wirklich zuerst das Fleisch isst, weil das Eiweiß ist das Wichtigste, die Muskeln zu erhalten und das Gemüse für die Vitamine und Vitalstoffe und dann kommen erst die Kohlenhydrate als Beilagen. Also das ist etwas, was die uns eingebläut haben von vorne bis hinten und das ist auch wichtig. Nee, nee, ist ja,…

Martina (27:54)
Also so eine klassische Trennkost. Ist das nicht irgendwie so Trennkostmäßig?

Nicole Urbschat (27:58)
… du sollst ja alle drei Bereiche essen. Also aber…

Martina (28:00)
Hm? Aber nacheinander.

Nicole Urbschat (28:02)
… du sollst zuerst das Fleisch und das Eiweiß essen für die Sättigung, weil du kriegst ja nicht viel in den Magen rein und Eiweiß ist das Wichtigste für den Erhalt des Gehirns und der Muskeln. Dann kommt das Gemüse wegen der Vitamine und zum Schluss die Ballaststoffe, also Kartoffeln sollte man nach Möglichkeit möglichst wenig Reis und möglichst wenig Nudeln, sondern Kartoffeln, weil Kartoffeln mehr Mikronährstoffe haben oder die meisten von den Ballaststoffen.

Martina (28:34)
Wir zeichnen den Podcast gerade auf, ist ungefähr 14 Uhr. Was hast du heute schon…

Nicole Urbschat (28:37)
Hm.

Martina (28:38)
… alles gegessen?

Nicole Urbschat (28:40)
Ups, ich habe heute einen Schinken-Käse-Croissant gegessen und eine Tasse Kaffee getrunken.

Martina (28:47)
Ist das ausreichend oder ist das richtig? Ist das gut?

Nicole Urbschat (28:52)
Ne, hab ich, heute ist mein freier Tag und heute hab ich mal gesündigt. Und eben hab ich noch ein paar Speckmäuse gegessen. Also gar nicht gesund. Aber normalerweise…

Martina (29:01)
Nee, aber...

Nicole Urbschat (29:03)
… esse ich morgens einen Eiweißshake und mittags esse ich irgendeine Kleinigkeit, einen Salat oder so und abends machen wir eine Fleischmahlzeit.

Martina (29:14)
Mhm. Du sitzt, also für alle die, uns hören und nicht sehen können, du sitzt in deinem Fotostudio, das ist in Kleinmachnow. Du machst sehr viele, sehr schöne Projekte und du hast auch gesagt, das neue Körpergefühl, was du hast, das hilft dir natürlich auch dabei, diese Projekte umzusetzen. Ein großes Projekt, daran arbeitest du gerade, dass dann ist es relativ spektakuläre Geschichte. Vielleicht willst uns kurz mal erzählen, was du da machst.

Nicole Urbschat (29:44)
Ja, wir haben dieses Jahr das Attentat am Breitscheidplatz, das zehnte unrühmliche Jubiläum. Und ich dachte, wir Menschen, wir Künstler, wir müssen den Menschen helfen, das was Positives zu empfinden und vor allen Dingen den Tätern sagen, was wollen wir eigentlich? Eine Tat verschreckt die Menschen, aber sie bewirkt nichts Gutes. Und ich habe jetzt über 200 Menschen, fast 300 Menschen fotografiert, die alle mit einer persönlichen, ihrer persönlichen Friedensbotschaft in einem Bild dargestellt werden. Und diese Friedensbotschaften werden vom 18. zum 19. Dezember am Breitscheidplatz zu sehen sein. Und da wird es am 18. Dezember auch eine ganz tolle Veranstaltung geben in dem Cabaret Stachelschweine. Und dort wird man im Prinzip meine Bilder sehen, aber auch am Breitscheidplatz selber, die projiziert werden.

Martina (30:52)
Das ist ein sehr schönes Projekt, ist ein sehr engagiertes Projekt und du hattest am Anfang die Idee, die Menschen nackt zu fotografieren mit einem roten Band. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht viele Menschen gibt, die sich gerne nackt fotografieren lassen, also vielleicht ab so einem gewissen Alter. Wie gefällt dir denn dein neuer Körper, wenn du dich ausziehst?

Nicole Urbschat (31:15)
Ja, also ich wollte die Menschen nackt haben, weil ich die Botschaft pur haben wollte. Wir sind nackt auf diese Welt gekommen und letztendlich gehen wir auch wieder nackt. Und ich finde einfach, nackt ist nicht gleich Sexismus. Aber leider musste ich feststellen, dass ich das nicht oder dass nicht viele Menschen das so sehen. Also ich hätte jedenfalls für die nackte Fotografie nicht so viele Prominente bekommen und so viele Menschen, die daran teilgenommen haben. Aber ich habe einige bekommen und ich habe dann irgendwann gesagt, ihr könnt euch fotografieren lassen, wie ihr wollt. Zu meinem eigenen Körpergefühl ist es so, ja, ich bin viel schlanker geworden, aber auch ich würde mich heute ungern nackt den Menschen zeigen, weil ich sie nicht erschrecken möchte. Mir selber ist es relativ egal, aber ich habe halt durch mein Lipödem und die Absaugung und den Gewichtsverlust habe ich zum Beispiel sehr hängende Fleischlappen, vor allen Dingen an den Beinen. Also mir tun immer, ich gehe relativ viel schwimmen, wobei ich in ein kleines Schwimmbad gehe, hier in Kleinmachnow. Und ich sehe dann immer, wenn ich ins Schwimmbad gehe, ich versuche immer zu gucken, ob da gerade keine Kinder sind, weil die erschreckten Kinderaugen, wenn die meine Beine sehen, finde ich immer für die Kinder so schlimm. wie gesagt, ich lebe seit vielen Jahren mit diesen Beinen. Aber das ist vielleicht auch der einzige Grund, warum ich darüber nachdenke, meine Beine operieren zu lassen, weil das einfach so Hautlappen, die in Wellen von den Beinen runterhängen, einfach für Außenstehende nicht so schön aussehen.

Martina (33:03)
Sind die Hautlappen aber dennoch dein neues schlankeres Ich wert?

Nicole Urbschat (33:11)
Ja, auf jeden Fall, weil wie gesagt, meistens bin ich ja angezogen und da sieht es ja keiner. Und ich kann mich auch einigermaßen anziehen oder ich ziehe Stützstrümpfe oder so was an, dann sieht es auch kein Mensch. Aber die Schönheit, also ich bin jetzt 60 Jahre alt, also ich muss keinen Schönheitspreis mehr gewinnen. Also von daher mich selber stört es nicht. Mein Mann liebt mich mit Hautlappen oder ohne Hautlappen. Ich will auch keinen neuen Partner kennenlernen. Wir sind lange genug zusammen. weiß ich, wenn jetzt irgendwas passieren würde oder so, mich nochmal einem anderen Mann präsentieren würde, würde ich vielleicht drüber nachdenken, aber eigentlich auch nicht. Also ich fühle mich wohl, wie ich bin. Aber wie gesagt, im Schwimmbad tun mir manchmal die Kinder leid, die mich sehen müssen. Das ist eigentlich alles.

Martina (34:09)
Das finde ich ist aber… Mensch, ich weiß gar nicht, was ich darauf sagen soll, weil eigentlich finde ich deinen Weg grundsätzlich mutig und natürlich kann man… kann man dennoch lernen, seinen Körper zu lieben. Und es geht ja nicht nur darum, schlank zu sein, sondern vor allen Dingen auch gesund zu sein. Denn du hast ja dadurch, dass du dich für diesen Weg entschieden hast, eine deutliche, ich sage mal, Steigerung deiner Lebensqualität erfahren. Du bist wieder beweglicher. Ich denke mal, es wird auch weniger Diabetesrisiko geben. Du kannst viele Dinge machen, die du andernfalls nicht hättest machen können. Wie gesagt, wir reden hier nicht über Körperbashing. Es geht nicht darum, dass wir jetzt sagen, alle Leute müssen schlank sein. Das ist überhaupt nicht der Weg. Das ist nicht unser Thema. Unser Thema ist, dass eine relativ kleine Frau im Laufe eines Lebens ziemlich viel zugenommen hat und sich dann entschieden hat, für ihre eigene Lebensqualität eben durch eine Magenverkleinerung abzunehmen.

Nicole Urbschat (35:11)
Richtig. das ist ja bei mir auch nicht nur einfach. Ich war ja nicht einfach nur dick, weil ich unkontrolliert war, sondern ein Lymph-Lipödem ist eine Stoffwechselstörung, ausgelöst durch Hormone. Und natürlich kam dann irgendwann zu dem Lymph-Lipödem noch eine Adipositas dazu, weil man sein Gefühl für den Körper verliert. Aber letztendlich, ich sehe viele Frauen, ich brauche eine Frau nur angucken und sehe an ihrer Körperform, ob sie ein Lipödem hat oder nicht. Ich bin unwahrscheinlich dankbar der Politik und jeder hasst Jens Spahn. Für mich wird er immer der Held sein, weil er endlich diese Krankheit als Krankheit anerkannt hat, was viele andere Gesundheitsminister vor ihm nicht getan haben. Und da gibt es halt auch ganz, ganz viele Frauen, die jetzt in dieser Lipödem Gruppe sind, in den Lipödem- Stiftungen sind. Wir haben immer gesagt, schon Jahre vorher, wenn das Lipödem eine Männerkrankheit wäre, gäbe es garantiert eine blaue Pille dagegen. Und jetzt endlich wurde jetzt endlich wurde mal etwas entwickelt und es wurden Studien erstellt, dass man das als Krankheit anerkennt und dass das das ist eine Krankheit. Das ist nicht irgendwie Wohlstand oder so. hätten wir Frauen Diabetes, würde man das auch als Krankheit anerkennen, wobei viele von uns Diabetikerinnen werden. Ich stand auch kurz davor. Ich war kurz davor. Meine Blutwerte waren furchtbar. Mein Bluthochdruck war furchtbar. Also ich habe Medikamente genommen. Ich nehme nicht ein einziges Medikament mehr. Alles ist weg. Also ich bin dermaßen gesundet. Das ist unglaublich und ich bin der Medizin, die wir hier in Deutschland haben, gerade heute, wo heute Gesundheitsreform war, unwahrscheinlich dankbar, dass einem so geholfen wird.

Martina (37:17)
Dazu muss man sagen, die Krankheit als solche, war ja anerkannt, aber das Neue ist halt, dass die Krankenkasse dann auch problemlos die Kosten übernommen hat. Denn anders als bei einer Magenverkleinerung, also bei einer Magenverkleinerung musst du ja einen relativ langen Weg gehen. Also du gehst ja nicht zu einem

Nicole Urbschat (37:33)
Ja.

Martina (37:33)
Arzt und sagst, ich möchte gern meinen Magen verkleinern lassen, sondern du hast es ja vorhin schon gesagt, du wirst erstmal medizinisch eine ganze Weile begleitet, bevor die Krankenkasse

Nicole Urbschat (37:41)
Mmh.

Martina (37:42)
dir das Okay gibt. Das kann ja Jahre dauern. Also ich kenne Patienten, da hat es Jahre gedauert und…

Nicole Urbschat (37:47)
Genau, und die Studien sind neu. Dass überhaupt über diese Krankheit Studien erhoben wurden, das war auch neu. Das ist also etwas, wo man jetzt einfach mal in die Forschung geht, warum ist das so, was führt zu einem Lip-Lymph-Ödem, was führt zu einer Adipositas und da passiert unwahrscheinlich viel in Deutschland.

Martina (38:10)
Aber wenn du dich jetzt angezogen im Spiegel anschaust, gefällt dir das, was du da siehst?

Nicole Urbschat (38:16)
Ja, und das Einkaufen macht so viel Spaß. es ist einfach schön heute in ein normales Geschäft zu gehen, in den Kleiderständer zu greifen und eine Kleidergröße zu finden, die der Norm entspricht. Früher konnte ich immer nur zu Ulla Popkin gehen, Kleidung zu finden, oder habe mir alles Mögliche anfertigen lassen. Und jetzt gehe ich mal eben irgendwo zu Zara oder sonst irgendwas, wo jeder normale Mensch hingehen kann. Und ich greife ins Regal, ziehe ein Sakko an, ja, und es passt. Es ist also sensationell.

Martina (38:55)
Nicole, danke, dass du deine Erfahrung mit uns geteilt hast. Wenn jetzt jemand überlegt, diesen Weg für sich zu gehen, gibt es so ein paar Tipps, wo du sagst, denk darüber nach, es gibt nichts geschenkt. Auch das müsst ihr beachten. Für wen ist das eine Alternative? Diese Magenverkleinerung in welcher Art auch immer.

Nicole Urbschat (39:21)
Das ist eine Entscheidung, die lange reifen muss bei den Menschen. Man muss sich da wirklich hundertprozentig sicher sein. Und ich würde auf jeden Fall jedem empfehlen, ob er sich für die Operation entscheidet oder nicht, eine Ernährungsberatung zu machen. Wie gesagt, ich war begeistert von der Ernährungsberatung in der MIC-Klinik. Die kann ich nur wärmstens empfehlen. Die haben uns da wirklich an die Hand genommen und zwar sehr, sehr gut. wenn man gut beraten ist und weiß, was auf einen zukommt, dann überrascht einen nachher nach der Operation auch nichts mehr.

Martina (39:54)
Dann bedanke ich mich recht herzlich bei dir. Also ich weiß, es liegt sehr viel Arbeit vor dir, weil jetzt bist du in der Endphase deines sehr großen Projektes, über das werden wir wahrscheinlich noch sehr sehr viel hören. Ich freue mich total, dass du dir trotzdem die Zeit genommen hast, uns darüber zu

Nicole Urbschat (40:09)
Gerne.

Martina (40:09)
reden. Das ist ja auch mutig und dass du damit so offen umgehst, finde ich auch erstaunlich, weil gerade solche Geschichten sind ja oftmals so, dass die Leute nicht drüber reden. Also man macht irgendwas und man redet nicht drüber, kennst du wahrscheinlich auch.

Nicole Urbschat (40:25)
Ja, also ich bin sowieso ein offener Mensch. Also ich finde immer, wenn man etwas nicht erzählt, dann verstrickt man sich in Lügen und ich bin halt krankhaft ehrlich. Warum soll ich darüber nicht erzählen? Also Menschen, die mich kennen und Bilder von mir sehen von vor drei, vier Jahren, wo ich halt gefühlt noch das doppelte wiege von heute. Die wundern sich. Und wenn mich einer fragt, was ist denn mit ihnen passiert , dann sage ich: Magenverkleinerung gut ist. Also dann hat man nicht viel Erklärung und schön und man weiß Bescheid.

Martina (41:00)
Ich danke dir wirklich sehr, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast. Und für mich ist wichtig zu sagen, hinter jeder Zahl auf der Waage steckt ein Mensch mit einer ganz eigenen Geschichte. Wir wollen hier niemanden diskriminieren oder verunglimpfen. Es geht immer eine eigene, individuelle Entscheidung. Und das ist ein Weg, den man gehen kann. Man wird dabei unterstützt, wenn diese Aussagen, so Sport und Ernährung einfach nicht mehr reichen. Man muss seinen Körper nicht ablehnen. Man sollte seinen Körper nicht ablehnen, etwas verändern zu wollen und man muss sich auch nicht verändern, seinen Körper anzunehmen. Es geht einfach darum, dass man gesund ist und sich wohlfühlt. Stimmt's?

Dann sage ich danke, ich bedanke mich auch bei euch fürs Zuhören. Ich kann nur an dieser Stelle sagen, liked, folgt, empfiehlt uns weiter. Wir freuen uns sehr, wenn ihr unseren Podcast mögt, "Warum ich, der andere Gesundheit Podcast". Und heute war es die Geschichte von Nicole Urbschat, die uns erzählt hat.

dass sie 50 Kilo verloren hat durch die Verkleinerung ihres Magens. Und beim nächsten Mal sprechen wir mit einem Arzt, der nichts anderes macht, als Mägen zu operieren. Er findet das richtig, richtig gut. Und da freue ich mich auch schon sehr drauf. Da werden wir nämlich erfahren, was das eigentlich ist, wie das funktioniert und was so ein Mediziner sieht, wenn er minimalinvasiv dann so einen Magen verkleinert. Damit sage ich Danke und Tschüss.

Nicole Urbschat (42:32)
Tschüss!