Shownotes
„Du musst keine Angst haben. Du musst dich nicht mehr verkleiden.“
Das würde Micha heute seinem siebenjährigen Ich sagen. Denn schon als Kind spürte er: Da passt etwas nicht zusammen. Micha wurde als Mädchen geboren. Heute lebt er als Mann. In dieser Folge von „Warum ich? – Der andere Gesundheitspodcast“ erzählt er offen von seinem Weg als trans* Mann, von seiner Transition, von Hormonen, Operationen, Rückschlägen und dem Gefühl, endlich bei sich selbst anzukommen.
Mehr Informationen zur Transgender-Chirurgie und zu geschlechtsangleichenden Operationen an der Evangelischen Elisabeth Klinik:
Link zur Transgender-Chirurgie der Evangelischen Elisabeth Klinik
Zusammenfassung der Podcast-Folge:
Micha spricht über Situationen aus seiner Kindheit, in denen Kleidung für ihn wie Verkleidung war. Er erzählt vom langen inneren Ringen, vom Outing, von der Suche nach therapeutischer Begleitung und von dem Moment, in dem für ihn klar war: Ich bin ein trans* Mann und ich kann nicht weiter ein Doppelleben führen.
In der Folge geht es auch um die medizinischen Schritte seiner Transition: Testosteron, Mastektomie, Hysterektomie und geschlechtsangleichende Operationen. Micha beschreibt ehrlich, dass dieser Weg kein Spaziergang war. Er spricht über Schmerzen, Infektionen, Ängste und Rückschläge, aber auch über die Menschen, die ihm Kraft gegeben haben: seine Mutter, Freund*innen, andere Patient*innen und das Team der Evangelischen Elisabeth Klinik in Berlin.
Diese Fragen beantwortet die Folge:
- Was bedeutet es, als trans Mann zu leben?
- Wie läuft eine Transition von Frau zu Mann ab?
- Wie fühlt sich Testosteron bei einer Transition an?
- Was bedeutet Mastektomie für einen trans Mann?
- Wie erlebt ein trans Mann geschlechtsangleichende Operationen?
- Wie fühlt es sich an, endlich man selbst zu sein?
Eine Folge über Transidentität, Transition, geschlechtsangleichende Operationen und den Mut, das eigene Leben authentisch zu leben.
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Transkript
Micha (00:00)
Ich drehe durch oder ich sehe die Radieschen von unten, weil ich das nicht kann und möchte so nicht mehr leben.
Martina (00:06)
Wenn du heute deinem siebenjährigen Ich begegnen würdest, was würdest du sagen?
Micha (00:10)
Du musst keine Angst haben, du musst dich nicht mehr verkleiden.
Martina (00:13)
Warum ich? Wie oft hast du dir jemals diese Frage gestellt?
Micha (00:19)
Ja, die Frage habe ich mir sicherlich öfters gestellt,
Martina (00:22)
die Sprache rund Transgeschlechtlichkeit, die ist wirklich echt dünnes Eis. Hilf mir, wenn ich einen Fehler mache. Ich möchte
Micha (00:27)
Ja,
Martina (00:29)
mit dir zusammen lernen.
Willkommen bei Warum ich? Der andere Gesundheitspodcast. Wir verbinden hier medizinische Präzision mit menschlicher Zerbrechlichkeit, mit Schicksalen, aber auch mit Stärke. Mein Name ist Martina Conradt und ich freue mich total, dass ihr mich auf diesem Gespräch begleitet. Zu Gast ist ein Mann, dessen Identität nicht im Kreißsaal begann, sondern mit der Entscheidung, endlich er selbst zu sein. Ein Körper, der sich falsch anfühlt und der Mut, das zu ändern.
Mein heutiger Gast ist transident und hat den Weg der geschlechtsangleichenden Operation hinter sich. Heute sprechen wir ganz offen über diese nicht immer leichte Reise und dafür bin ich wirklich sehr, sehr dankbar. Herzlich willkommen Micha!
Micha (01:17)
Hallo Martina!
Martina (01:17)
Unser Podcast heißt ja, Warum ich? Wie oft hast du dir jemals diese Frage gestellt?
Micha (01:28)
Ja, die Frage habe ich mir sicherlich öfters gestellt, irgendwie gibt es darauf glaube ich keine wirkliche Antwort.
Martina (01:37)
Hau einfach raus, sag was du denkst. meine, irgendwann
muss man doch dann denken, ja, wieso ist das bei mir anders als bei anderen?
Micha (01:45)
Ich habe, also ich sag jetzt mal, was ich im Scherz immer gesagt habe, obwohl es ja nicht lustig war, habe ich immer gesagt, es hat an der Tür geklingelt Ich weiß es nicht.
Martina (01:54)
Ja, das ist richtig.
Micha (01:56)
Ich kann es nicht beantworten. Man kann es einfach nicht beantworten.
Martina (02:00)
Hast du denn hier mit deinem Schicksal so gehadert?
Micha (02:03)
Ja, das kommt sogar immer noch vor. Jetzt nicht so, dass es mich so sehr belasten würde. Also es kommt schon immer wieder mal vor, ich denke, es wäre leichter und es auch schön, auf dem natürlichen Wege erleben zu dürfen. jetzt auch. Im Nachhinein. ich meine, es ist schon schön, was die Medizin und so weiter alles kann, das ist richtig. Aber wie es sich natürlich anfühlen würde. Also in Anführungsstrichen. Normalerweise.
Martina (02:43)
Dass ich jetzt auf deinen Stirnacken gucke, auch einen Grund und nicht in dein hübsches Gesicht. Weil du sagst, du schenkst uns zwar deine Stimme, aber mit deinem Gesicht möchtest du lieber ein bisschen anonym bleiben. Warum?
Micha (02:54)
Ja, das hat, ich sag mal so, es gibt nicht nur liebe, nette Menschen. gibt sehr viele Menschen, das nicht akzeptieren, die Hass verbreiten. Das hab ich selber im Internet erlebt. also, also toi toi toi. Toi toi toi. Also echten Leben jetzt noch nicht. Jetzt was heißt gar selber nicht.
Martina (03:23)
Gott sei Dank.
Micha (03:24)
Gott sei Dank nicht. Aber ich habe schon Angst da, wo ich herkomme. ist schon so eine Ecke, wo es gefährlich werden könnte für mich.
Martina (03:38)
Verstehe, hast du denn Freunde oder Freundinnen, die in ähnlichen Situationen schon mal irgendwas Vergleichbares erlebt haben? Anfeidung oder tatsächlich Gewalt?
Micha (03:50)
Nee, jetzt auch nicht. Glück nicht, nee. Aber
Martina (03:53)
Gut, das freut mich zu hören.
Micha (03:59)
man hört und liest den genug. Von daher möchte ich es gar nicht drauf ankommen lassen.
Martina (04:08)
Nee, auf keinen Fall. Lebst du deshalb vielleicht auch so bisschen zurückgezogener oder bist du sehr verhalten mit dem, was du fremden Menschen erzählst?
Micha (04:20)
Ich bin vorsichtig. Viel vorsichtiger geworden mit der Zeit. Abgesehen davon, dass das eigentlich jetzt ja auch kein Thema mehr sein sollte. Man sieht es mir ja zum Glück nicht an. gibt ja ... oder nicht mehr an, sag ich mal. Wie soll ich ... Ja, ich wüsste jetzt ... Bei manchen … Aber das ist wahrscheinlich eher die umgekehrte Geschichte, dass man das dann eher noch sieht.
Martina (04:51)
Du meinst, Männer sich zu Frauen umoperieren lassen, dann sieht man das eher als umgekehrt? Ich hab jetzt schon wieder einen Fehler gemacht.
Micha (05:01)
Wenn Sie...
Martina (05:04)
Ich muss mich wirklich entschuldigen, weil die Sprache rund Transgeschlechtlichkeit, die ist wirklich echt dünnes Eis. Hilf mir, wenn ich einen Fehler mache. Ich möchte…
Micha (05:11)
Ja.
Martina (05:12)
…mit dir zusammen lernen. Sag mir, wie ich es richtig formulieren soll.
Micha (05:14)
Das heißt „Angleichung”.
Martina (05:18)
„Angleichung". Also ich entschuldige mich in aller Form und mein Ziel ist nicht die Perfektion, sondern wirklich ehrliches Interesse und ich möchte natürlich auch lernen. Also ist es für dich eine Angleichung, die doch dazu geführt hat, dass man es dir nicht ansieht?
Micha (05:35)
Ja, ganz einfach aus dem Grund auch, weil ich eigentlich denke ich mal von klein auf schon immer wie so ein Junge, ich wurde sehr, also eigentlich immer für einen Jungen halt, also eigentlich nie für ein Mädchen, also weiß nicht. Für meine Eltern war ich halt der zweite Junge im Dorf und ja. Und das hat sich, bevor ich gesagt habe, ich gehe jetzt im Weg, hat sich das so hin quasi auch gesteigert, dass ich der Damen-Toilette am liebsten verwiesen wurde. quasi, jetzt nicht bösartig, aber die Männer-Toilette ist da drüben oder du bist aber ein kleiner Mann. ja, das war wirklich schon, ja. Und wenn… Ich sag jetzt auch mal bei meinem Urologen zum Beispiel, die Schwester hat auch gesagt, ich hab das ja gar nie gewusst, du bist doch so ein hübscher junger Mann. Also kriegt man dann auch solche Reaktionen und das krieg ich auch sehr oft immer wieder zu hören von Leuten, die halt, die sind ja meine Arbeitsgreber. Ja, ist es dann, da hab ich das auch erst. So ein bisschen für mich behalten. Dann war ich wieder zu einer Operation. Dann kam dann der Erzähl noch mal. Da hatte er irgendwo, es ist halt ... Es ist eine Kleinstadt. quasi. Ja. Und da kam aber auch genau diese Reaktion. Wie? Das sieht man ja. Das würde man nie denken. Und deswegen, also ... Toi, toi.
Martina (07:23)
Gab es denn als du Kind warst, so Situationen, wo Mama gesagt hat, zieh mal ein Kleid an und du gesagt hast, Gottes Willen, nein, mach ich
Micha (07:30)
Gott, das... Ja, sehr oft. Die hat mir oft da irgendwie Röcke oder Kleidchen hingelegt, die ich dann anziehen sollte. ich hab dann... Da gab es immer Theater. Und ich hatte dann immer im Schulranzen Hose dabei. Und die Kurve rum, hab ich mir umgezogen. Das war für mich auch so Jugend, weil solche Geschichten, immer verkleiden. Das war für mich verkleiden. musste mich verkleiden. Das ist furchtbar. richtig schlimm.
Martina (08:08)
Kannst du dich vielleicht so an den Moment erinnern, als dir bewusst wurde, dass du einfach nicht das Mädchen bist, als dass du geboren wurdest? Körperlich.
Micha (08:19)
Also gemerkt habe ich das mit 5, 6, 7 Jahren, in dem Alter. Also gemerkt quasi, dass da irgendwas nicht stimmt. ich ja dann, wo das dann so in Richtung Pubertät ging, habe ich ja, ich sag mal, man kriegt als Mädchen die Tage. Das war ganz schlimm für mich. Weil ich jedes Mal sterbens krank Ich hab mich immer gefühlt und benommen wie ein Junge. Wir haben Mutter, Vater, Kind gespielt. war immer der Vater, also immer das Männliche und hatte eine Socke in der Hose. ja. hab das... Aber ich wusste ja, ich konnte das ja nicht definieren. Ich konnte ja das nicht benennen. quasi.
Martina (09:08)
Um einen Sprung zu machen. Wie haben denn deine Eltern reagiert, als du irgendwann gesagt hast, so jetzt stehe ich dazu. Also ich habe ja deine Mama mal kennenlernen dürfen und ich glaube, sie liebt dich unbedingungslos und zwar egal was, du bist der Mensch, den sie liebt. Aber wie hat dein Umfeld so reagiert, als du dann irgendwann mehr und mehr festgestellt hast, ich muss vielleicht was ändern.
Micha (09:31)
Ja, also erst mal muss ich ja dazu sagen, dass die Vorstufe war ja angeblich , in Anführungsstrichen, lesbisch. Also ich hatte ja dann mit Frauen zusammen und war ja angeblich lesbisch. Aber für mich konnte dieses Wort, Begriff, für mich überhaupt nie, damit konnte ich mich nicht identifizieren. Ich hab das gehasst. Und...
Martina (09:55)
Das heißt also, du hast dich immer zu Mädchen und Frauen hingezogen geführt.
Micha (09:59)
Richtig. Was ja jetzt in dem Sinne jetzt ja nie unbedingt das Zeichen sein muss. Aber quasi im Zusammenhang dann mit diesem, mit dieser Abneigung. ich für mich, ich war männlich. Also für mich, Mir hat das damals ja auch im Fitnessstudio damals in Kumpel auf Kopf zugesagt. Du bist ein Typ. Aber da waren ja auch noch andere Geschichten und dazwischen war ein Trauma dazwischen und da ich gesagt, das kann sein, weil in Zeit hatte ich ja alles schon quasi vom Herren Friseur bis zu meinen ganzen Klamotten angeglichen, bis auf oben musste ich halt dann die Brust abbinden quasi, aber ansonsten war ich ja schon… Aber jetzt hab ich den Preis.
Martina (10:43)
Aber das hast du damals schon gemacht, also die Brust abgebunden und solche Sachen hast du schon
Micha (10:47)
Richtig. Für mich gab es keine normalen BHs oder immer so Sportdinger. Dann habe ich immer trainiert. Ich habe versucht, das auch wegzutrainieren.
Martina (11:02)
Also du bist ein echter Pumper?
Micha (11:04)
Ja und jetzt zum Thema Outing. Da war ich ja Einführungsstrichen ja sowieso erst mal lesbisch. als ich das dann so, ja, ich hab dann nach der Traumatherapie dann irgendwie da drauf geguckt, ja, ist da noch irgendwas? Und ich hab auch das Buch vom Balian Buschbaum gelesen. Das war vorher aber schon, also ich ja, nein, ja, nein, könnte, mir nicht sicher. Und dann aber halt dann nochmal genauer in so eine Selbsthilfegruppe gegangen, auch in Frankfurt am Main. Ja, und dann war das klar, eigentlich für mich.
Martina (11:45)
In was für eine Selbsthilfegruppe bist du begangen? Also wie heißt die oder wie hieß die?
Micha (11:47)
Ähm... Trans-Rhein-Main.
Martina (11:52)
Okay. Aber da war dir dann offensichtlich ja schon deutlich klarer, dass du nicht lesbisch bist, sondern trans.
Micha (11:58)
Ja, da war das klar. Und dann habe ich mich halt da mit dem Thema beschäftigt. Für mich war klar, ich zähle das jetzt durch, aber ich kann nicht weiter so ein komisches Doppelleben führen. Das ist einfach nie meins, weil ich wollte mich auch im Spiegel erkennen. richtig.
Martina (12:21)
Ja, ja, was macht das denn mit jemandem? Also ist das so, dass du dann... Man muss ja erst mal recherchieren, denke ich mal. Wobei in dieser Transgruppe haben dir bestimmt Menschen schon Hinweise gegeben, was man machen kann, ne?
Micha (12:34)
Ja, was das mit einem macht. es ist auf eine Art eine Erleichterung zu wissen, ja, okay, dass es das gibt und dass ich das bin. Also dass ich halt ein Transmann bin. Aber auf eine andere Art und Weise hatte ich auch tierische Angst. Wie das gehen soll, was die Leute denken. Ja, also es ist schon eine ganz schöne Achterbahnfahrt.
Martina (13:10)
Das verstehe ich gut. Ich habe mal recherchiert, so ein paar Zahlen, man geht davon aus, nach einer Metastudie, dass zwischen 0,3 und 0,7 Prozent der deutschen Bevölkerung transident sind. Das sind 250 bis 500.000 Menschen. Also das liegt irgendwie in der Größe einer Stadt zwischen Braunschweig und Hannover. Und dann wollte ich ja auch mal wissen, woran das liegt. Und das Geschlecht im Kopf und das Geschlecht zwischen den Beinen entsteht ja im Mutterleib zu unterschiedlichen Zeiten. Und wenn sich das biologisch, meine ich, deckt, dann ist das eine biologische Variante der Natur. Und
Micha (13:46)
Okay.
Martina (13:47)
genau deshalb sind geschlechtsangleichende Maßnahmen für viele Betroffene ja keine Lifestyle-Entscheidung, sondern medizinisch notwendig. Das ist eine echte Fürsorge, Körper und Identität in Einklang zu bringen. Ich kann mir vorstellen, wenn man sich damit beschäftigt und sagt, Mensch, es gibt eine Möglichkeit, dass ich das innen nach außen trage durch Hormone, durch Medizin. Das muss doch in dem Moment eine echte Erleichterung sein.
Micha (14:15)
Das war es auf jeden Fall. wie gesagt, JETZT kommt es aber. Es ist ja kein Spaziergang. Es ist ja nicht so wie du sagst, lifestyle, du gehst jetzt in einen Laden und kaufst dir jetzt neuen Anzug und schlüpfst da rein und bist ein Mann. Also hast deinen Körper angeglichen. Zumindest ich musste ja schon Ich habe mich jetzt noch ganz ehrlich gesagt, es sich ja einiges geändert. Ich musste ja wirklich diese Therapie noch durchziehen und zum Gutachter. Ich glaube, es ist ein bisschen wesentlich leichter geworden.
Martina (15:05)
Ganz so einfach ist es immer noch nicht. Man muss ja tatsächlich immer noch die therapeutischen Geschichten hinter sich bringen. Und dann geht man, wie muss man das vorstellen? Du gehst zum Therapeuten und setz dich hin und sagst, ich glaube oder ich bin mir sicher, ich bin transident.
Micha (15:22)
Aber so einfach ist es ja auch nicht. Musst ja erstmal einen Therapeuten finden. Also wo
Martina (15:23)
Und dann sagt, nee. Ja.
Micha (15:27)
ging das los? Also ich hab mich dann zu Hause hingesetzt und mir so einen Fahrplan gemacht. Also ich bin so einer, der schreibt bleibt. Also Fahrplan für meinen Weg und da stand halt dran so. Outing, Therapie, Hormone, Mastektomie und...
Martina (15:46)
Mastektomie ist quasi die Entfernung der Brüste.
Micha (15:48)
Genau, Und dann eventuell, ja, äh, also, äh, Frauengeschichte, die Hysterektomie auf jeden Fall, alles, und dann irgendwann, richtig,
Martina (16:00)
Entfernung der Gebärmutter und der Eierstöcke.
Micha (16:04)
Und dann irgendwann, äh, eventuell, äh, Aufbau, so. So war mein Fahrplan. Ja.
Martina (16:13)
Naja, das nenne ich mal konsequent.
Micha (16:16)
Genau, angefangen hat es dann halt mit der Therapie.
Martina (16:20)
Lass mich ganz noch einmal zu dem Outing springen. Ich meine, jeder Mensch hat ja viele Schnittstellen im Leben. Haben denn,
Micha (16:27)
Stimmt.
Martina (16:28)
Auch wenn du sagst, du warst schon immer eher so ein maskuliner Mensch, haben dann alle gleichermaßen verständnisvoll reagiert oder hast du Freunde verloren?
Micha (16:43)
Äh... Es haben... Also, stimmt, Entschuldigung, hab da vorhin irgendwie... Hab ich ganz schön in den Bogen genommen, weil das wissen auch die Eltern. Also, die Mutter hat zum Beispiel... Ich hab ja damals noch im Westen gelebt und hab der das am Telefon gesagt und da hat die zu mir gesagt, na gut, dann hab ich halt noch einen Sohn. Sehr schön. So.
Martina (17:05)
Sehr schön. So würde ich deine Mutter auch einschätzen.
Micha (17:08)
Mit meinem Vater konnte ich leider nicht mehr darüber reden, weil er ist zwischen der Therapie und diesen Geschichten sehr krank geworden und dann leider verstorben. Also da konnte ich nicht mehr. Mit meinem Bruder habe ich jetzt auch gar Kontakt. Da habe ich gar nicht darüber gesprochen. Es kam sehr oft der Spruch, das haben wir doch schon immer gewusst. Okay.
Martina (17:38)
Wahrscheinlich hat dein Umfeld es früher gewusst als du.
Micha (17:42)
Ja. Ja, und trotzdem...
Martina (17:43)
Es ist ja manchmal so, dass man selber immer noch irgendwie hadert und manchmal ist das ja so, die...
Micha (17:50)
Entschuldigung, ich jetzt unterbrechen. Trotzdem sind schon einige Leute auf der Strecke geblieben. Ob das jetzt nur da dran lag oder an dem Ganzen. Ich hab ja auch, da bin ich ganz ehrlich, mit Depressionen zu tun gehabt schon immer. Auch während der Geschichte immer wieder solche Einschläge gehabt und das ist auch sehr oft mit Alkohol betäubt. Dann wird es für manche Menschen auch ganz schwierig, weil ich ja dann auch für die schwierig war, denke ich mal. Ich habe auch einige kommen gesehen, aber auch einige sehr viele gehen sehen. Die wichtigsten bleiben immer.
Martina (18:37)
Dann macht man Platz für Neues. Du sag mal, so Depressionen, das ist wahrscheinlich auch gar nicht so unüblich, wenn man in so einer zerrissenen, ist zerrissen das richtige Wort, so einer zerrissenen Lebenssituation ist.
Micha (18:52)
Hm. Ja, ich denke mal, Auslöser war damals ja schon auch das Trauma so mit, wenn ich im Nachhinein drauf gucke, schlummert diese ganze Geschichte auch hin. Das ist ein großes Thema. Auf jeden Fall.
Martina (19:14)
Geht es dir denn heute besser?
Micha (19:16)
Ja, ich würde sagen, mir geht es noch nicht so super prächtig, wie ich mir wünschen würde. Aber gerade in Anbetracht meiner Angleichung und Identität auf jeden Fall sehr, sehr, sehr, sehr viel besser.
Martina (19:37)
Gott sei Dank, das sind ja gute Nachrichten. sag mal, dann warst du, jetzt wieder zurückzukommen, jetzt hast du mit dem Psychologen, du hast einen Psychologen gefunden, hast eine Gesprächstherapie angefangen, dann geht es irgendwann ja los mit den Hormonen.
Micha (19:50)
Ja, das stimmt. Das war auch so Punkt. Ich wollte mir die am liebsten... Irgendwie hat mein Therapeut... Das ziemlich lange gedauert, bis er mir die Hormone verschrieben hat. Fast ein Jahr. Ich wollte mir die dann schon illegal besorgen. Gerade durch mein Training kann ich da auch jemanden mit so Laden… Also unter Pumpern ist ja bekannt, gibt es ja auch die so gewisse Substanzen noch zuführen und ich habe das aber dann gelassen. Ich habe gesagt, okay, also am Ende steht mir das im Wege, wenn die das irgendwie sehen und ich wollte den sicheren Weg gehen, aber ja.
Martina (20:40)
Was macht das mit einem Körper, wenn... Also jede Frau kennt natürlich, wenn die Hormone spinnen, das ist völlig klar, wenn das Östrogen spinnt und so weiter. Was macht das mit einem Menschen, wenn du jetzt beide Seiten kennst? Hormone, Testosteron. Mehr Mann
Micha (21:00)
Ja, das können wir.
Martina (21:03)
geht ja nicht. Männer, wenn sie älter werden, lassen immer ihren Testosteronspiegel messen, haben tierische Angst davor, dass der runter sinkt. Hormone kennt jeder Mensch. Frauen sowieso. Wenn Hormone spinnen, egal ob, wenn du menstruierst oder in die Wechseljahre kommst, dann geht der ganze Körper durcheinander. Wie ist es, wenn du Testosteron nimmst. Wie ist das? Was passiert mit dir? Wie verändert sich die Psyche, die Seele?
Micha (21:25)
Also, äh, darf ich mal kurz noch was erzählen? Also, hab ja meine…
Martina (21:32)
Na klar, alles!
Micha (21:33)
Hysterektomie hab ich ja gemacht. Also, das war, da waren ja mehrere Anläufe. Und, äh, ich bin ins Krankenhaus gekommen einen Tag vor, bevor, äh, also, hab ich meine OP noch machen können, bevor wegen Corona alles zu war. Und,
Martina (21:50)
Okay.
Micha (21:52)
äh, war dann ja, äh hier in der Heimat habe ich das machen lassen. Ich musste dann noch sechs Wochen operiert werden. Es hat noch sechs, sieben Wochen gedauert, bis ich mit Hormonen anfangen konnte. Ich bin dann in diese Wechseljahre gerauscht. Ich hatte dann erst mal nix dazwischen. Das war furchtbar. Das muss ich ganz ehrlich sagen. Das gibt es ja auch bei Männern, das weiß ich, aber das war nicht schön. Wo ich dann damit anfangen konnte, das verändert sich vielleicht schon. erstes wurde die Stimme, kam ich in den Stimmbruch. Das ging ziemlich fort nach ein paar Wochen. Mit dem Bartwuchs fing es auch relativ schnell an. Und ja, die Libido hat sich verändert natürlich. habe ich schon gemerkt. Also auf jeden Fall. Und ich habe halt auch gemerkt, zurück zu meinem Fahrplan. Also für mich war dann nicht mal diese OP unten eventuell, sondern für mich war Klipp und klar, Diese OP, entweder ganz oder gar nicht. Entweder ganz oder gar nicht. Ich auch auf die OP.
Martina (23:22)
Dazu kommen wir gleich. Aber ich möchte noch mal bei den Hormonen bleiben. ist es so, man, wenn man jetzt Testosteron überschwemmt ist, das Leben anders sieht? Angstfreier?
Micha (23:34)
Nein, bist ja, wir sind ja nicht überschwemmt. Wir sind ja quasi so eingestellt wie, äh, äh, die, äh, ich sag immer Biomänner oder Cis-Männer dazu.
Martina (23:47)
Ja, wir haben es.
Micha (23:48)
Also du bist ja jetzt nicht so, dass du irgendwo einen Überschuss hast. Also im normalen Bereich kriegt man das ja nur und, äh, äh, sich halt noch verändert. ja, ich bin auch mal schneller auf der Palme, aber auch schneller wieder runter.
Martina (24:06)
Hm?
Micha (24:12)
Das Weinen ist ein bisschen schwierig. Das…
Martina (24:16)
das Weinen?
Micha (24:17)
Weinen. Ja, ich kann nicht so... In der Trauer auch mal paar Tränen verdrücken, das finde ich auch schwieriger. Ich mache das irgendwie anders jetzt. Das…
Martina (24:30)
Du verarbeitest dann die Trauer anders.
Micha (24:32)
Ich würde dann schon gerne mal weinen, irgendwie soll man ja auch mal das rauslassen oder so, mal weinen oder so, aber das halt schwierig. Finde ich, wenn ich irgendwie...
Martina (24:43)
Das ist ja interessant. Obwohl du nicht so sozialisiert bist. dir hat man ja nicht als Kind mitgegeben, echte Männer weinen nicht. Das hat man dir ja nicht mitgegeben. Aber trotzdem fällt dir weinen schwer. Okay? Aber ich glaube nicht, dass man das wirklich sehr stark vermisst.
Micha (25:01)
Na, weiß ich nicht. Ich
Martina (25:02)
Tränen doch!
Micha (25:03)
hab mir auch schon mal sagen lassen, dass das befreiend sein kann. Also... Ne?
Martina (25:06)
Ja.
Micha (25:08)
Aber ich weiß nicht. Ja, aber das...
Martina (25:13)
Naja, Tränen, na klar. Du sag mal, die Transchirurgie, ist ja wirklich modular und du hast entschieden, also man muss ja nicht alles machen, man kann, quasi ist ja wie ein Baukastensystem, man kann
Micha (25:23)
Mhm.
Martina (25:23)
sich also wirklich entscheiden, ich mach nur die Mastektomie oder ich mach tatsächlich das komplette Programm. Es ist also nicht alles oder nichts, sondern so punktuell. Aber du hast eben schon gesagt, für dich war klar, du nimmst das komplette Programm.
Micha (25:38)
Ja, also auf jeden Fall nach einem Vierteljahr, auf Hormonen war mir Klar: komplettes Programm. Und so habe ich dann halt auch mit der Mastektomie angefangen quasi und habe zu der OP auch gleich den Spacer in den Armen gekriegt, also quasi für den Aufbau.
Martina (25:59)
Sag mal, ist es so, dass du die Mastektomie, also die Entfernung der Brüste, so als echte Befreiung empfunden hast? Ist es so, dass man so, endlich.
Micha (26:08)
Ja, vorher geht man ja... Ich habe ja immer dann hier oben, wie gesagt, das Abgebundenen und versucht, es auch weg zu trainieren und trotzdem geht man ja nie so aufrecht durchs Leben, wie wenn man da nichts mehr zu verstecken hat. Obwohl, wenn ich heute so... Es ist doch so ein Entwicklungsding, heute… Manche Männer sehe ich, wo ich denke, da habe ich früher einen Kopf gemacht. Aber das ist halt dieses schlechte Körpergefühl. Es gibt ja auch Männer mit Männerbrüsten. Das kann man nie vergleichen. Im
Martina (26:59)
Nee, kann man nicht vergleichen.
Micha (27:02)
Nachhinein sehe ich das so und denke, ja, aber trotzdem… Ich wollte das auch im Spiegel nie sehen. Schwimmbad ging zum Schluss nach meiner Entscheidung sowieso schon mal gar nicht mehr. Wenn dann an See und nur mit T-Shirt. Und davor, wenn ich irgendwo im Schwimmbad war und dann ja auch immer nur so mit Sportoberteil. Aber nur im Wasser und aus dem Wasser raus und dann auf der Decke oder irgendwo zum Rumlaufen immer mit T-Shirt. So, also immer sofort sicher abgedeckt.
Martina (27:38)
Hm. Hm. Dann hast du irgendwann dich entschieden, in Berlin operieren zu lassen, der Evangelischen Elisabeth Klinik. Das ist ja eines der größten Transzentren inzwischen in Deutschland. Ich glaube, es war eine Empfehlung.
Micha (27:55)
Ja, das war eine Empfehlung von einer bekannten Tansfrau hier aus der Gegend. Die hat sich da operieren lassen und ja, hab ich dann mein Vorgespräch gemacht, vom Dr. Bull. Ja, also erstmal...
Martina (28:14)
Den werden wir im zweiten Teil des Podcasts kennenlernen. Und wie…
Micha (28:18)
Genau.
Martina (28:18)
… hast du das erlebt? ja, wie erlebt man das? Man sitzt da als Patient und sagt so, Herr Doktor, ich hätte gerne folgendes Programm.
Micha (28:26)
Man ist ja ziemlich aufgeregt. Es ist ja sowieso…
Martina (28:28)
Mhm.
Micha (28:28)
… alles aufregend dann, man dann soweit ist, diese Schritte zu gehen. Ich musste ja auch erst das bei der Krankenkasse alles beantragen. Und dann hatte ich auch einen Heidenflück, dass ich das alles dann in einem Rutsch genehmigt bekommen habe. Wenn ich da manche erlebe, dann dürfen sie nur die OP machen und die OP. Ich geh da auch nicht ins Autohaus und kauf bloß ein Lenkrad. Also hatte ich Glück und ja, es war ein sehr schönes Gespräch mit dem Dr. Bull. Da hat er mich ja gleich direkt gefragt, ob ich auch einen Aufbau machen will. Ich hatte noch gar nicht das Ja so richtig ausgesprochen. Da hat er schon meinen Arm genommen und hat gesagt, ja und so. Das könnte man auch gleich dann mit vorbereiten. ja,
Martina (29:19)
den Arm weil...
Micha (29:21)
ich bin da auch quasi.
Martina (29:23)
den Spenderarm. Denn quasi
Micha (29:24)
für den Aufbau.
Martina (29:25)
aus der Haut im Arm wird dann quasi der Penis geformt. Okay? Hat man da ein Mitspracherecht, wie man sich das so, dass man sagt, ich hätte das gerne so und so oder ist das eine Frage der Anatomie oder der Möglichkeiten?
Micha (29:36)
Das ist schon eine Frage der Anatomie. Da kriege ich leider…
Martina (29:40)
Hm.
Micha (29:41)
…Wortfindungsstörungen. Ich habe aber aus Scherz immer gesagt, 20 cm, denken Sie mal dran. Also, schön. Das denken wirklich sehr viele, dass wir uns das aussuchen können. Die Länge und das alles aussuchen können. Das ist Unsinn. Das geht nicht. hängt schon sehr von der Genetik ab, was der Unterarm hergibt Das ist halt auch eine Frage. Bist du dünn, bist du dick? Was für Material die Ärzte dann zum Arbeiten haben.
Martina (30:20)
Wie viele Operationen liegen jetzt inzwischen insgesamt hinter dir?
Micha (30:24)
Äh... Berlin? 13?
Martina (30:28)
Ach du grüne Neune. In welchem Zeitraum?
Micha (30:29)
In Berlin drei? Von Januar 2022 bis März 2026 13. Und die eine, also die 14. war ja die Hysterektomie 2020 quasi. Das war aber nicht in Berlin. Die waren auf einer normalen Frauenstation quasi.
Martina (30:54)
Das machen die auch in der Elisabethklinik, die arbeiten da mit der Gynäkologie
Micha (30:56)
Genau.
Martina (30:57)
zusammen. Dieser Weg ist ja nicht ganz risikolos und auch du hattest Rückschläge.
Micha (31:05)
Ja, ich hatte auch Rückschläge. Ich habe zweimal eine Infektion gehabt bei der Penisprothese, also bei der Pumpe. Also nach der OP. Immer so ungefähr in einem Zeitraum von 10, 14 Tagen habe ich dann Fieber und Schüttelfrost gekriegt. ist alles angeschwollen. Also musste ich wieder nach Berlin und die Prothese musste wieder entfernt werden. Und hatte nach der zweiten dann auch längere Zeit dann ein ziemlich großes Loch in der Leiste, wo der linke Hoden, also quasi wo das Ventil von der Pumpe auch saß, musste ich fast täglich bei meinem Urologen zum Spülen. ich hatte da auch schon ganz schön Probleme, aber das war halt… Es ist auch Risiko. Infektionen können passieren, auftreten. können viele Faktoren damit reinspielen.
Martina (32:17)
wenn du so überlegst, es gab sicherlich auch Momente, sehr schmerzhaft waren, also einfach wehgetan haben.
Micha (32:26)
Willst es durch die OP's?
Martina (32:31)
Genau, durch die OPs. Jaja. Dass man irgendwann sagt, mein Gott, so was muss ja auch alles einheilen und man ist ja keine Maschine. Und das sind ja so Sachen, die jeder, der schon mal eine Operation gemacht hat, weiß, das dauert, bis das Gewebe zusammenwächst, bis die Nerven zusammenwachsen. Bei dir wurde ja dann auch mikrochirurgisch gearbeitet. Das geht ja dann auch wirklich darum, dass die Nerven wieder wachsen. Das ist ja kein Spaziergang.
Micha (32:53)
Das ist richtig. Also der Aufbau war schon an sich eine ziemliche Herausforderung, weil da musste ich ja auch fünf Tage da liegen. ja, das war im Juli im Hochsommer. Aber es war mir egal, ich wollte das unbedingt und das nimmt man dann halt auf den Kauf. ja, ist aber für solche Operationen, für die Wundheilung im Sommer. Eigentlich sollte man es vermeiden. ja, mein Gott. Es war schon anstrengend. Man hat ja dann in den Oberschenkel die Wunde, wo der Unterrahmen dann nach Hautlappen wieder, also quasi der Unterrahmen wieder bedeckt wird. Also man hat ja drei Baustellen dann quasi.
Martina (33:46)
Was hat dir so Kraft gegeben in solchen Momenten? Du bist ja jemand, komplett überzeugt ist von dem. Du bist ja diesen Weg ganz bewusst gegangen. Und ich gehe mal davon aus, dass du nie auch nur eine Sekunde gezweifelt hast. Aber dennoch gibt es ja schwache Momente. Du hast ja auch gesprochen von deinen Depressionen und du hast gesagt, ja das hat doch wehgetan. Was sind die Momente, oder die Augenblick oder die Menschen oder der Zusammenhalt, was dir Kraft gegeben hat in solchen Momenten?
Micha (34:10)
Auf jeden Fall meine Mutter, die stand immer hinter mir. Sie steht immer hinter mir, hundertprozentig. Auch wenn sie auch eine heiden Angst hatte, natürlich, ist ja klar. Jedes Mal ist immer so ein Eingriff und so eine lange Fahrt. Dann habe ich auch einige gute Freunde. Ich habe auch sehr gute Freunde kennengelernt in der Klinik. Wo der Kontakt weiterhin besteht, wo ich mich austauschen könnte. Die Kraft hat mir das dann auch gegeben, zu wissen, es gibt nur diesen einen Weg. Ich drehe durch oder ich sehe die Radieschen von unten, weil ich das nicht kann und möchte so nicht mehr leben. Das ist... Ja.
Martina (35:00)
Das ist eine klare Position.
Micha (35:02)
Also... Das... Ja, das war schon... Das war schon ein Zickzack. Auf, ab, auf, ab, auf, ab. Ja, und gerade als diese... Wo die... Wenn ich dran denke, bei der Infektion, wo ich dann über die… Notaufnahme da von der anderen Seite in den OP rein bin. quasi ich war ja noch wach im OP und hab gedacht, um Gottes Willen, und das erste, was ich gefragt hab, als ich aus der Narkose wieder wach war, ist er noch da.
Martina (35:37)
Also er ist...
Micha (35:37)
Vielen Dank.
Martina (35:38)
Ach, er hat auch einen Namen, ne?
Micha (35:40)
Ja, ein Berliner Bärchen. Ja, das war ein…
Martina (35:43)
wie süß! Das Berliner Bärchen. Okay.
Micha (35:45)
…Bärchen. Kann man belächeln, aber ich fand…
Martina (35:50)
Neue. Alles gut.
Micha (35:51)
…das irgendwie so passen.
Martina (35:54)
Und du warst sehr froh, dass er noch da war, dass er gehalten hat.
Micha (35:57)
Ja, also ich weiß nicht, ob ich das so sagen darf. Zur Geburtstunde habe ich ihm ein Bärchen getauft, aber er kam es doch schon zum Bären machen. Also ja, okay. Ich weiß nicht, ob es ihr schneiden muss. Keine Ahnung.
Martina (36:13)
Ach nein, ich freue mich doch für dich. Das ist doch Teil des Lebens, das gehört doch dazu. Ich meine sicherlich wirst du auch von einer erfüllenden Beziehung träumen. Du hast, vielleicht hast du sogar eine Beziehung. Du willst Sexualität und da ist es
Micha (36:28)
Vielen Dank.
Martina (36:28)
doch schön, wenn aus einem Bärchen ein Bär wird.
Micha (36:31)
Nein, leider hat sich das jetzt noch nicht ergeben. Aber ich denke mal, ich setze mich da jetzt auch nicht unter Druck. Man muss sich das mal so vorstellen, dass man selber in der Pubertät auch selbst mit sich erstmal, man muss ja selber erstmal wissen, was man schön findet oder auch nicht schön findet. Bevor man sich auf was anderes einlassen kann.
Martina (37:03)
So, was waren denn so die richtig schönen Momente? Also ich gehe mal davon aus, dass zum Beispiel man eine Herren-Toilette betreten kann und sich einfach ans Urinal stellen kann.
Micha (37:16)
Ich wusste, was jetzt kommt. ja, also…
Martina (37:18)
Ja.
Micha (37:19)
richtig. hat ja, das hatte nach meiner OP war im Juli, dann hatte ich so bisschen die undichte Stelle und hab dann noch ein paar Wochen mit rummachen müssen. Und das war jetzt noch nicht gleich die Herrentoilette. Das war erst mal irgendwo ein Baum im Wald. ja. Das war schon sehr schön. Also, äh... Und dann hat es dann noch mal, ich glaube bis Dezember oder so gedauert, waren wir da irgendwo mit Freunden unterwegs in einem Café und ich auf Toilette und ich muss sagen, ich hab da vorher immer, immer, immer in den Toiletten, ich hab mir die schon immer so eingeguckt. Ich bin ja jetzt auch nie so der größte und manchmal denke ich, ach, da hab ich so gedacht, die, nein, also, nee, die hängt zu hoch, ne? Äh, und, äh… Ja, und das war so der Moment. Also an einem Café habe ich das erste Mal am Pissoir da mein Geschäft mal entrichten können und bin da hochgekommen und habe gegrinst. Also, ja, das war schon gut. Und ich werde doch...
Martina (38:34)
Und das klappt heute immer noch genauso problemlos.
Micha (38:36)
Ja, halt manchmal, wie gesagt, wenn die Dinger zu hoch hängen, dann bin ich am schimpfen wie so ein Röhrspatz. Ich war ein Mann, ein Mann, Mann, kann doch nicht sein, warum? Es gibt auch kleine Leute, aber naja.
Martina (38:48)
Ich bin ja auch eine Kleine. weiß, manchmal hängen die Spiegel so hoch, dass du dir zwar die Hände waschen kannst, aber dann...
Micha (38:51)
Ja, richtig. Da siehst du dann noch nicht mal den Haaransatz am Ende. Aber zu dem Thema, das werde ich auch nicht vergessen, wo ich diese OP noch nicht hatte, war mit meiner Mutter unterwegs und ich wusste auch ganz genau, dann mussten wir irgendwo was suchen und ich bin wieder eingestiegen ins Auto und habe nur zu ihr gesagt, ich mache drei Kreuze, wenn ich das nicht mehr brauche. Und dann guckt die mich so an und sagt, das willst du auch machen? Da habe gesagt, natürlich. Also das war auch so. Ja, ja, doch, ist, ja, es ist befreiend, also irgendwie, das gehört einfach dazu.
Martina (39:30)
Ja, definitiv, das gehört dazu.
Martina (39:33)
Micha, die Transformation wäre ohne medizinische Betreuung gar nicht möglich gewesen. Wie hast du deine Ärzte erlebt? Also auf allen Bereichen. Du hast unheimlich viele Menschen getroffen, Ärzten, Frauen, Männer, die dir quasi diesen Weg ermöglicht haben.
Michael (39:53)
Also ich war ja zu allen OPs in der Elisabeth-Klinik, Dr. Bull, und Dr. Schulten. Ich kann es jetzt nicht alle aufzählen. Ich hab mich da immer gut aufgehoben, gefühlt, wohlgefühlt. Es war immer auch wie nach Hause kommen. Also es bisschen traurig jetzt auch. Ich hoffe mal, dass ich jetzt die letzte OP hatte, das kann man ja aufgrund von Ersatzteilen nie, wirklich sagen. Also wenn da mal was repariert werden muss. Aber das war immer wie nach Hause kommen und oft der Station da die Pfleger und Pflegerinnen. Das war immer super schön. ich war auch ein Patient, also am Anfang sicherlich noch schüchtern. Glaube dann vielleicht gar nicht, aber so mit jedem Mal mehr, auch immer mehr fokussiert und ich habe auch Fragen gestellt. Ich wurde auch immer respektvoll behandelt und auch die Fragen wurden auch immer, ja, also Dr. Scholten kam zum Beispiel, Der hat sich dann schon Zeit genommen und sich hingesetzt, weil er wusste, der hat wieder eine Liste hier mit Fragen und die wird er abarbeiten und also wirklich kann ich nur sagen, top. Und auch vom Ergebnis her, diese filigrane Arbeit, da bin ich sehr dankbar dafür, dass es so Ärzte gibt. Und auch diese Personal, auf der Transgender, Chirurgie in Berlin. Das wollte ich an dieser Stelle auch mal mit loswerden, weil das hat mir mein Leben ermöglicht. So durchs Leben zu gehen, wie ich mir das immer gewünscht habe.
Martina (41:54)
ein schöneres Kompliment gibt es ja gar nicht, ich hab dich mal besucht auf der Station und ich hatte den Eindruck auch mit den Menschen, mit denen du da die Zimmer und die Abteilung da geteilt hast, ihr hattet ja auch eine gute Zeit irgendwie trotz allem.
Michael (42:10)
Ja, das auf jeden Fall. wir haben, da gab es mal den einen oder anderen, aber im Großen und Ganzen haben wir uns, egal durch welche Altersschichten das ging, immer untereinander gut verstanden und auch gegenseitig geholfen und ausgetauscht und auch mit Respekt und auch sehr viel Spaß, also wirklich. Deswegen, ich sage ja, mit lachendes und weinendes Auge Berlin hat ja schon die letzten Jahre für mich quasi mit dazu gehört.
Martina (42:44)
Zwei Fragen habe ich noch so mehr oder weniger. Einmal, Wenn du heute deinem siebenjährigen Ich begegnen würdest, was würdest du sagen?
Micha (42:51)
Du musst keine Angst haben, du musst dich nicht mehr verkleiden.
Martina (42:54)
Session.
Micha (42:54)
Du musst dich nicht mehr verstecken, musst dich nicht mehr verkleiden, musst dich nicht mehr schlecht fühlen. Ja, also das... Ja. Und ich würde sagen, hast das schon gut im Gespür gehabt. Zum Nachhinein, das ist schon Wahnsinn. Aber ich konnte zentliche Worte fassen. Du konntest zentliche Worte fassen, wenn ich das zu meinem Ich sagen will.
Martina (43:28)
Damit ist wahrscheinlich ein Kind auch überfordert, aber ich finde, ist eine wahnsinnig schöne Botschaft an das Kind in dir, weil wenn du deinem Kind, also deinem inneren Ich quasi so schöne Worte mit auf den Weg geben kannst, das ist schon ergreifend. Also ich finde das toll. Was würdest du Menschen, oder was sagst du Menschen, die keine Ahnung haben und kein Verständnis?
Micha (43:50)
die keine Ahnung haben, die kein Verständnis haben. Ja, es kommt immer drauf an, wie sie mir entgegentreten oder... toll, toll. Wie gesagt, hab's bis jetzt noch nicht live erlebt, es hat sich noch keiner mehr gewagt, weil da hätte ich schon die passenden Sprüche schon drauf. Also... So diese... Ich sag jetzt mal zu diesem anonymen Hatern im Internet quasi oder so, da hab ich dann auch schon mal geschrieben, du hättest doch gar nicht. Den Mut und die ..... dazu, das durchzuziehen, Dü würdest ja nicht von ihr bis zur Tür kommen. Das denke ich mal. Das ist ja... Manche würde ich vielleicht auch gar nicht diskutieren, weil es sinnlos wäre, mit denen zu diskutieren. Also manche sind einfach... Man soll auch jeden Menschen so leben und lieben lassen, wie er möchte. Und bei sich selbst gucken. Also ich muss nicht jeden mögen und mich muss auch nicht jeder mögen. das ist ein bisschen Toleranz. Und wenn die nicht vorhanden ist, dann bitte scroll weiter oder geh weiter. Aber lass mich in Ruhe.
Martina (45:13)
Ein schöneres Schlusswort kann es gar nicht geben, Micha. Eine Frage trotzdem noch, wenn du so einen Wunsch frei hättest, also richtigen Wunsch für dich, für dein Leben. Wenn jetzt eine Fee käme und du sagst, klick, wünsch dir was.
Micha (45:27)
Ja, dann würde ich mir schon... eine Partnerin würde ich mir schon so eine Beziehung wünschen. So eine harmonische Beziehung, Also in allen Bereichen. muss über freundschaftlich, über sexuelles... Also es müssen halt einfach alles stimmen. Also die Freiheit in der Beziehung und ja. Aber das wäre ein Wunsch, das will ich mir jetzt wünschen. Jetzt doch. Als I-Tüpfelchen oben drauf und natürlich mein erstes Mal.
Martina (46:05)
Also das gibt es, das erwartet dich noch das erste Mal.
Micha (46:09)
Das erste Mal erwartet mich noch. Und die auch. Die.
Martina (46:12)
Na ja, es ist immer wieder schön, wenn man etwas im Leben das erste Mal Ich wünsche dir von Herzen, dass es genauso wird, wie du es dir wünscht. Ich kann gar nicht sagen, wie ich mich freue, dass wir beide heute gesprochen haben. Ich danke dir sehr für dein Vertrauen. Ich danke dir sehr für deinen Mut, für deine radikale Ehrlichkeit. Es war ein sehr bereicherndes Gespräch. Und in nächsten Folge von Warum ich wechseln wir dann die Perspektive. Wir sprechen nämlich dann mit Dr. Sascha Bull, dem stellvertretenden Chefarzt der Plastischen Chirurgie an der Evangelischen Elisabeth Klinik. Und wir werden ihn fragen, wie es ist, die Architektur der Identität mit den eigenen Händen zu verfolgen. Also ich sage vielen, vielen Dank. Wenn ihr…
Micha (46:58)
Ich sag auch, da muss ich hin.
Martina (46:59)
…mögt, liked, kommentiert und teilt diesen Podcast, folgt uns gerne auf dem Medium eures Vertrauens. Und ich freue mich sehr auf die nächste Folge von „Warum ich? Der andere Gesundheitspodcast”. Tschüss sagt eure Martina.
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