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Angebote für Menschen mit Behinderung entstehen

Bereits ab den 1920er Jahren wurden im Evangelischen Johannesstift die bis heute dominierenden Arbeitsbereiche Alten-, Jugend- und Behindertenhilfe aufgebaut. Zunächst waren die Alten- und Behindertenhilfe als sogenannter „Pflegebereich“ zusammengefasst, erst später gab es eine Aufteilung. Die Angebote und Wohnmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen entwickelten sich in den folgenden Jahrzehnten immer weiter. Heute erbringt Johannesstift Diakonie Proclusio moderne Dienstleistungen in den Bereichen Wohnen, Teilhabe, Bildung, Arbeit und Beschäftigung für Menschen mit Behinderung in ganz Berlin und in Brandenburg.

Unsere Geschichte

Ab den 1930er Jahren spezialisierten sich die Angebote für Menschen mit Behinderung. 1927 wurde der Birkenhof als Therapieheim für Kinder und Jugendliche mit Rückgratverkrümmung eröffnet. Der „Quellenhof“ kam als Heim für vor allem Kinder und Jugendliche mit körperlichen Behinderungen 1931 hinzu, in dem bis heute Kinder und Jugendliche mit Behinderungen leben. Ebenfalls 1931 eröffnete das Fichtehaus für körperlich behinderte, erwerbsunfähige Erwachsene. 1983 entstand die Einrichtung „Havelland“ für erwachsene Menschen mit Körperbehinderung, sie war ebenso wie der Quellenhof Teil eines innovativen Projekts, in dem Menschen mit und ohne Behinderungen nah beieinander lebten. 1993 übernahm das Evangelische Johannesstift den Annagarten in Oranienburg. Auch der Annagarten blickt auf eine lange Geschichte zurück, von der kürzlich auch eine Ausstellung; erzählte: vom Hauswirtschaftlichen Fortbildungs-Heim für ehemalige weibliche Strafgefangene zwischen 1926 und 1933 über eine Unterkunft für Flüchtlinge, Frauen und Kinder nach 1945 bis zu einem Wohnort für Mädchen und junge Frauen, vorwiegend mit Behinderungen, seit den 1950er Jahren. Seit 1999 leben auch Männer im Annagarten. In der Wohneinrichtung Nebo leben seit 1999 Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen. Die Wohneinrichtung Navis für erwachsene Menschen mit Schädel-Hirn-Trauma in Langzeitrehabilitation startete aufgrund des hohen Bedarfs 2005. Für NAVIS mit ihrem spezialisierten Angebot erreichen uns heute Anfragen aus dem ganzen Bundesgebiet.

Im Evangelischen Johannesstift ging es seit jeher darum, die Teilhabechancen für Menschen mit Behinderung zu verbessern. So gab es seit den 50er und 60er Jahren in einem Werkraum Möglichkeiten, sich handwerklich und künstlerisch auszuprobieren, per Lift das Hallenbad zu nutzen, in modernen Gymnastikräumen sportlich aktiv zu sein und auf Urlaubs- und Erholungsreisen in andere Gegenden Deutschlands zu gehen. Ab den 1970er Jahren nutzten Kinder und Jugendliche Angebote des orthopädischen Reitens auf dem Gelände. Auch ein Bus mit Hebebühne für den besseren Transport kam per Spende ins Johannesstift. Zahlreiche Umbauten und Einbauten an den Gebäuden verbesserten nach und nach auch die bauliche Situation.

Vor allem in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ging es ab den 1970er Jahren verstärkt um Bildung und Inklusion. So begann 1973/1974 das Projekt der sogenannten „integrierten Erziehung“, in dem Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam Kindergartengruppen besuchten. Kontakt, Toleranz und Hilfsbereitschaft sollten so gefördert werden. 1974/1975 entstand in der Schule im Johannesstift eine sogenannte „Sammelklasse“ für Kinder und Jugendliche mit Mehrfachbehinderung, in der sie kommunikativ gestärkt wurden. Später wurde daraus ein ganzer Trakt, die „Sonderschule für körperbehinderte und verhaltensgestörte Kinder“. Auch ambulante Angebote gab es seit 1974/75: Die Kinder alleinstehender Mütter oder berufstätiger Eltern waren tagsüber in der Schule. Heute ist die August Hermann Francke Schule Teil unserer Behindertenhilfe. In dem Sonderpädagogischen Förderzentrum mit den Schwerpunkten geistige und körperlich-motorische Entwicklung lernen Kinder von 6 bis 18 Jahren aus vielen Nationen gemeinsam. Im inklusiven Bildungsprojekt der „Schule ohne Grenzen“ teilen sich die Schüler*innen den Schulalltag mit den Kindern und Jugendlichen der benachbarten Evangelischen Schule, einer Regelschule. Dafür wurde 2021 ein moderner barrierefreier Neubau eröffnet.

Die Geschehnisse im Evangelischen Johannesstift blieben vom Gedankengut der jeweiligen Zeit nicht unberührt. Zu nennen ist hier insbesondere der Nationalsozialismus. Das Johannesstift versuchte, bedrohte Menschen mit Behinderung in den eigenen Einrichtungen zu schützen und Verlegungen in Tötungsanstalten zu verhindern. Leider war das nicht uneingeschränkt möglich: Bekannt ist, dass fünf Menschen, die während des zweiten Weltkrieges in die Heil- und Pflegeanstalt Wittenau verlegt wurden, von dort aus in die als Tötungsanstalt berüchtigt gewordene Anstalt Obrawalde bei Meseritz überwiesen wurden, wo sie nach ihrer Ankunft höchstwahrscheinlich auf gewaltsame Art und Weise ums Leben kamen.

Das Evangelische Johannesstift und die Johannesstift Diakonie setzen sich kritisch mit diesem Thema auseinander und halten die Erinnerung an diese Menschen in einem jährlichen Gedenkgottesdienst am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus lebendig.

Von der Pflege ab 1926 entstanden bis heute viele Angebote in den Bereichen Leben, Freizeit und Arbeit. Zur Johannesstift Diakonie Proclusio gehören neben Wohnen & Teilhabe mit ihren vielen Wohn- und sozialen Teilhabemöglichkeiten auch Proclusio Services mit Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben und Die Macherei mit Angeboten im Bereich Bildung und Beschäftigung sowie die August Hermann Francke Schule.

Seit 2017 sind unsere Angebote für Menschen mit Behinderungen ein bedeutender Baustein im Gesundheits- und Sozialunternehmensverbund Johannesstift Diakonie. Als Teil eines diakonischen Unternehmens wirkt Wohnen & Teilhabe in christlicher Tradition. Der Gründer des Evangelischen Johannesstifts, Pastor Johann Hinrich Wichern, hat 1858 das Leben und Arbeiten dieser Einrichtung unter den folgenden Bibelvers gestellt:

„Lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit.“

Brief des Johannes, Kapitel 3, Vers 18

Quellenhof wird 1931 gegründet

Im „Quellenhof“ lebten Kinder und Jugendliche mit vor allem körperlichen Behinderungen. Bis heute bietet er Kindern und Jugendlichen mit multiplen Behinderungen bis zum 21. Lebensjahr ein Zuhause.

Foto: Historisches Archiv Evangelisches Johannesstift, Fotograf unbekannt, um 1932

Klapp’sche Methode bei Rückgratschädigungen

Von 1927 bis 1945 wurden Kinder und Jugendliche mit Rückgratschädigungen im Johannesstift mit der Methode des Mediziners Rudolf Klapp behandelt, bei der sie sich nur mit Händen und Füßen fortbewegten.

Foto: Fritz P. Krueger, Historisches Archiv Evangelisches Johannesstift, 1930er Jahre

Werkraum für Menschen mit Beeinträchtigungen

Töpfern, weben, malen, flechten, basteln - ein Werkraum in einem der Bodelschwinghhäuser im Johannesstift. Hier lebten pflegebedürftige Senior*innen und Menschen mit Beeinträchtigungen.

Foto: Historisches Archiv Evangelisches Johannesstift, Fotograf unbekannt, 1961

Teilhabe im Quellenhof

Lernen, Hausarbeit, Ausflüge und Sport gehörten zum Alltag im Quellenhof.

Foto: Fritz P. Krueger, Historisches Archiv Evangelisches Johannesstift

Therapien fächern sich immer weiter auf

Die Therapiemöglichkeiten für Menschen mit Behinderung im Johannesstift entwickelten sich immer weiter. Hier eine Aufnahme um 1971.

Foto: Vincent Böckstiegel, Historisches Archiv Evangelisches Johannesstift

Viel Natur und Bewegung

Das Gelände im Evangelischen Johannesstift bot seit jeher viel Raum für Natur, Bewegung und Kontakt. Hier eine Aufnahme von jungen Bewohnern des Quellenhofes aus dem Jahr 1974.

Foto: Vincent Böckstiegel, Historisches Archiv Evangelisches Johannesstift

Prestigeprojekt Simonshof

Anfang der 1980er entstand im Johannesstift eine Wohnanlage für Menschen mit und ohne Behinderungen nach skandinavischem Vorbild: Der Simonshof, das Ergebnis eines Architektenwettbewerbs, wurde 1983 eingeweiht.

Foto: Historisches Archiv Evangelisches Johannesstift, Fotograf unbekannt

Gemeinsam leben

Gemeinschaftsräume gehören im Bereich Wohnen & Teilhabe zu jeder Wohnung dazu. Hier zu sehen zwei Bewohner der Wohngruppe Havelland.

Foto: Historisches Archiv Evangelisches Johannesstift, Fotograf unbekannt

Zentrales Ziel: Teilhabe im Alltag

Auf dem Foto aus dem Jahr 2004 demonstriert eine Bewohnerin die unterfahrbare Ladeklappe der Geschirrspülmaschine, wichtiger Bestandteil der barrierearmen Einrichtung in unseren Wohnungen.

Foto: Alexander Krause, Historisches Archiv Evangelisches Johannesstift

Für Menschen mit Schädel-Hirn-Trauma

Navis, eine Einrichtung für Erwachsene mit Schädel-Hirn-Trauma in Langzeitrehabilitation, startete 2005. Der Bedarf der Förderung betroffener Menschen war sehr groß. Hier eine Aufnahme aus dem Gründungsjahr.

Foto: R. Müller, Historisches Archiv Evangelisches Johannesstift

Kontakt

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Wohnen & Teilhabe
Schönwalder Allee 26 // Haus 50
13587 Berlin

Fax

030 33606-619

Freie Plätze

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Häufige gestellte Fragen

Unsere Antworten auf häufig gestellte Fragen rund um den Bereich Wohnen & Teilhabe.