Der Sommer bei "Kinder beflügeln", der Bildungskampagne des Evangelischen Johannesstifts und der Johannesstift Diakonie, war mit fünf großen Projekten definitiv turbulent. Wie intensiv, überraschend und prägend diese Erfahrungen für die Kinder sein können, macht exemplarisch ein Blick auf vier Tage Kinderwildnisuni deutlich.
Vier Tage voller Leben in der Kinderwildnisuni
Die jungen Teilnehmer*innen der Kinderwildnisuni (KWU) kamen aus Berlin und Brandenburg. Die bunte Mischung war Teil des Konzepts und Erfolges: Kinder von Mitarbeitenden der Johannesstift Diakonie trafen auf Schüler*innen aus kooperierenden Schulen in sozial herausfordernden Lagen und Kinder aus der stationären Jugendhilfe.
Die KWU führte sie gemeinsam hinaus ins Freie: Vier Tage lang ging es um Forschung, Bewegung und Begegnungen in der Natur und darum, neue Erfahrungen zu machen. Gemeinsam zelteten die Kinder in einem eigens eingerichteten Camp. Sie lernten Fährten zu lesen, Pflanzen zu erkennen, wie man mit einfachen Hilfsmitteln ein Feuer entzündet und bauten Hütten aus dem, was der Wald an Material hergibt. Abends unterhielten sie sich und sangen gemeinsam am Lagerfeuer. Bei all dem erlebten sie, wie viel sie aus eigener Kraft schaffen können und wurden von Tag zu Tag selbstbewusster.
„Ich habe meine Stimme noch nie laut gehört.“
So auch der zehnjährige Jonathan: In den ersten Tagen war er so schüchtern, dass er alles, was er der Runde mitteilen wollte, lediglich einem der Teamer zuflüsterte. Doch schon bald wurde er selbstbewusster und traute sich, vor den anderen zu sprechen. „Ich habe meine Stimme noch nie laut gehört", sagt er daraufhin staunend.
Ein Highlight der KWU ist der Besuch des Wildnispädagogen Paul Wernicke. Er selbst nennt sich „Voologe“ – wegen seiner Leidenschaft für die Vogelkunde und weil ihm kaum eine Vogelstimme verborgen bleibt. Man könnte ihn ebenso gut als Spurenleser bezeichnen: Wo andere nur eine Wiese oder Waldboden sehen, erkennt Wernicke, was sich dort kürzlich abgespielt hat und wo Wildschwein, Fuchs oder Dachs ihre Spuren hinterlassen haben.
Schleichen wie die Tiere
Wie bleibt man zum Beispiel im Wald unentdeckt? Das soll ausprobiert werden, beschließen Wernicke und die Kinder. Also schleichen sie durch den Spandauer Forst, immer in Sichtweite zum befestigten Fußweg. Wenn ein Fußgänger vorbeikommt, kauern sich alle nieder. „Alles was sich im Wald schnell und laut bewegt, bedeutet Gefahr“, flüstert Wernicke. Die Kinder versuchen deshalb, sich so geräuschlos wie möglich durch das Dickicht zu bewegen. Gar nicht so einfach, wenn trockene Äste unter den Schuhen knacken und Ameisen über die Waden krabbeln.
Es sind Abenteuer, die nachwirken. „Mir ist erst einmal wichtig, dass die Kinder hier Spaß haben und lachen“, sagt Paul Wernicke. „Die Naturverbundenheit kommt dann fast von selbst. Spiel und unmittelbares Erleben sind der Ausgangspunkt für Umweltbildung und Naturschutz. Bei den meisten entsteht daraus der Wunsch, die Natur zu schützen.“
Doch die Erfahrungen in der Natur wirken nicht nur auf den Umgang mit der Umwelt, sondern können den Kindern persönlich Halt und Orientierung geben, meint auch Stefan Groß-Leisner, Projektmanager von „Kinder beflügeln“:
„Auch wenn sich alles ändert, die Natur bleibt und bietet einen verlässlichen Anker für die Psyche. In Zeiten gefühlter Ohnmacht und verlorener Sicherheiten bringen wir mit der Kinderwildnisuni den Kindern Naturverbundenheit als wichtige persönliche Ressource nahe.“
Vielleicht liegt genau darin die besondere Kraft der Kinderwildnisuni: Natur zu erleben und dabei sich selbst ein Stück neu zu entdecken.
Einblicke in den Sommer bei "Kinder beflügeln" 2026
Über die Kampagne „Kinder beflügeln“
„Kinder beflügeln“ ist die Klammer für eine Vielzahl von Projekten, in denen Kinder aus Berlin und Brandenburg seit 2008 durch besondere Bildungserlebnisse gefördert werden. Die Kampagne erreicht Kinder im Grundschulalter an Berliner Brennpunktschulen, die aufgrund ihrer sozialen Situation Bildungschancen nicht nutzen können. „Kinder beflügeln“ ist die gemeinsame Bildungskampagne der Johannesstift Diakonie und der Stiftung Evangelisches Johannesstift.
Über die Johannesstift Diakonie Jugendhilfe
Die Johannesstift Diakonie Jugendhilfe gGmbH ist eine 100%ige Tochtergesellschaft der Johannesstift Diakonie gAG mit stationären, teilstationären und ambulanten Angeboten der Hilfen zur Erziehung, Jugendsuchthilfe, Betreuungsangeboten für Mütter und ihre Kinder, der Kindertagesbetreuung, schulbezogener Sozialarbeit an Grund- und Oberschulen sowie Erziehungs- und Familienberatung. Sie beschäftigt circa 500 Mitarbeitende in Berlin, Neubrandenburg, den Landkreisen Oberhavel und Havelland sowie Eisenach.
Über die Johannesstift Diakonie
Die Johannesstift Diakonie gAG ist das größte konfessionelle Gesundheits- und Sozialunternehmen in der Region Berlin und Nordostdeutschland. Über 11.740 Mitarbeitende leisten moderne Medizin, zugewandte Betreuung und Beratung im Einklang mit den christlich-diakonischen Werten des Unternehmens. Der Träger betreibt Einrichtungen in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Niedersachsen mit einem vielfältigen Angebot in den Bereichen:
- Krankenhäuser und ambulante Versorgungszentren
- Pflege- und Wohneinrichtungen sowie Hospize
- Wohnen und Teilhabeangebote für Menschen mit Behinderungen
- Kinder-, Jugend- und Familienhilfe
- Arbeit, Beschäftigung und Soziales
- Ausbildung in der Gesundheits- und Sozialberufen
- Dienstleistungen für Gesundheits- und Sozialeinrichtungen







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