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Pflegeausbildung mit ADHS

Doran Mucha erhält während seiner Pflegeausbildung eine ADHS Diagnose. Sie verändert seinen Blick aufs Lernen und auf seinen weiteren beruflichen Weg.

Headerbild zum Karriereblog zum Thema „Ausbildung zur Pflegefachkraft mit ADHS Diagnose"

Das Wichtigste in Kürze

  • Doran Mucha begann seine Pflegeausbildung nach mehreren beruflichen Stationen und einem nachgeholten Schulabschluss.
  • Während der Ausbildung erhielt er eine ADHS Diagnose.
  • Verhaltenstherapie und Medikamente halfen ihm nach eigener Aussage, mehr Fokus zu entwickeln.
  • Ein praktischer Einsatz führte ihn in den Pflegebereich, in dem er später arbeiten wollte.
  • Nach der Pflegeausbildung begann Doran Mucha ein Bachelor of Nursing Studium.

Doran Mucha hatte lange erlebt, dass Lernen für ihn schwierig war. Schule und theoretischer Unterricht waren mit Erfahrungen verbunden, die ihn an seinen Fähigkeiten zweifeln ließen. Trotzdem entschied er sich als Erwachsener für eine anspruchsvolle Pflegeausbildung.

Während dieser Ausbildung erhielt er eine ADHS Diagnose. Für Doran war das ein entscheidender Moment. Plötzlich konnte er seine früheren Schwierigkeiten anders einordnen.

„Hey, ich kann doch gut lernen“, erkannte er.

Die Diagnose nahm ihm die Anforderungen der Ausbildung nicht ab. Sie half ihm jedoch zu verstehen, dass seine bisherigen Erfahrungen kein endgültiges Urteil über seine Fähigkeiten waren.

Warum begann Doran erst später eine Pflegeausbildung?

Eigentlich wollte er nur für ein Jahr nach Berlin kommen. Mit 28 Jahren verließ er die Niederlande und zog in die deutsche Hauptstadt. Aus dem geplanten Jahr wurden viele.

In Berlin arbeitete er vor allem in der Gastronomie und im queeren Nachtleben. Der Pflegeberuf war für ihn trotzdem nicht völlig neu. In den Niederlanden hatte er bereits ungefähr zehn Jahre in einem betreuten Wohnumfeld mit Menschen mit Beeinträchtigungen gearbeitet. Eine formale Pflegeausbildung hatte er zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht.

Der Wunsch, einen anerkannten Abschluss in der Pflege zu machen, war schon länger vorhanden. Doran Mucha schob ihn zunächst auf. Bevor er die Ausbildung beginnen konnte, musste er in Berlin außerdem einen Deutschkurs besuchen und den mittleren Schulabschluss nachholen.

Er startete anschließend die damalige Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege. Die Umstellung war groß. Statt Nachtleben und Gastronomie bestimmten nun frühes Aufstehen, theoretischer Unterricht, praktische Einsätze und die Verantwortung gegenüber Patient*innen seinen Alltag.

Besonders den Anfang empfand er als schwierig. Trotzdem behielt er sein Ziel im Blick.

Seine Geschichte zeigt, dass ein später Ausbildungsstart nicht bei null beginnt. Frühere Arbeits- und Lebenserfahrungen können auch dann wertvoll sein, wenn sie nicht aus einem geradlinigen Berufsweg stammen. 

Wie veränderte die ADHS Diagnose den Blick aufs Lernen?

Das theoretische Lernen gehörte für Doran zu den größten Herausforderungen der Pflegeausbildung. Diese Schwierigkeiten kannte er bereits aus seiner Schulzeit.

Während der Ausbildung kam die ADHS Diagnose hinzu. Doran beschreibt diesen Moment als eine Erklärung für vieles, was zuvor nicht funktioniert hatte. Für ihn wurde deutlich: Die Schwierigkeiten bedeuteten nicht, dass er grundsätzlich nicht lernen konnte.

Verhaltenstherapie und Medikamente halfen ihm nach eigener Aussage, mehr Fokus zu entwickeln. Welche Behandlung für eine Person mit ADHS geeignet ist, muss individuell und mit qualifizierten Fachpersonen geklärt werden.

Die AOK erklärt in ihrem Gesundheitsangebot zu ADHS bei Erwachsenen, dass Aufmerksamkeitsprobleme, Hyperaktivität und Impulsivität zu den möglichen Kernmerkmalen gehören. Bei Erwachsenen kann sich ADHS unter anderem auf die Konzentration, die Organisation von Aufgaben und die Strukturierung des beruflichen oder privaten Alltags auswirken. Wie stark einzelne Bereiche betroffen sind, unterscheidet sich von Person zu Person.

Eine fachliche Diagnose betrachtet deshalb nicht nur einzelne Symptome. Sie prüft auch, wie lange die Schwierigkeiten bestehen, in welchen Lebensbereichen sie auftreten und ob andere Ursachen infrage kommen.

Für Doran Mucha bedeutete die Diagnose vor allem einen neuen Blick auf die eigene Lernfähigkeit. Sein Satz „Ich kann doch gut lernen“ beschreibt eine persönliche Erkenntnis, die ihm half, seinen Weg fortzusetzen.

Der Moment, in dem es für Doran Mucha Klick machte

Doran erzählt in der Podcast Folge “Vom Berliner Nachtleben zum beliebtesten Pflegeprofi“ im „Warum nicht?! Karriere mal anders" Podcast warum die ADHS Diagnose während seiner Pflegeausbildung seinen Blick auf das Lernen veränderte.

Kann eine Pflegeausbildung mit ADHS gelingen?

Doran Muchas Geschichte zeigt, dass eine Pflegeausbildung mit ADHS gelingen kann. Sie zeigt aber auch, dass dieser Weg anspruchsvoll sein kann und passende Unterstützung eine wichtige Rolle spielt.

Menschen mit ADHS erleben nicht automatisch dieselben Schwierigkeiten. Manche haben vor allem Probleme mit längeren Konzentrationsphasen. Andere kämpfen mit der Organisation von Aufgaben, Zeitdruck oder wechselnden Anforderungen. Wieder andere finden eigene Strategien, mit denen sie Ausbildung und Arbeitsalltag gut bewältigen.

Doran Mucha half die Diagnose dabei, seinen Unterstützungsbedarf besser zu verstehen. Verhaltenstherapie und Medikamente waren Teil seines persönlichen Weges. 

Für die berufliche Orientierung können diese Fragen hilfreich sein:

  1. In welchen Situationen fällt mir das Lernen besonders schwer?
  2. Welche Umgebung hilft mir, mich zu konzentrieren?
  3. Welche Lernmethoden haben bei mir bisher funktioniert?
  4. Welche Unterstützung brauche ich bei Prüfungen oder im Unterricht?
  5. Welche praktischen Tätigkeiten passen zu meinen Interessen?
  6. Mit welchen Ansprechpersonen kann ich meinen Bedarf besprechen?

Bei der Berufswahl geht es nicht darum, den vermeintlich einfachsten Beruf für Menschen mit ADHS zu finden. Entscheidend ist, ob Aufgaben, Arbeitsbedingungen, Interessen und persönliche Fähigkeiten zusammenpassen.

Wie den passenden Bereich in der Pflege finden?

Die Pflegeausbildung bestand nicht nur aus Unterricht. In seinen praktischen Einsätzen lernte er verschiedene Krankenhäuser, Stationen und Tätigkeitsfelder kennen.

Einer dieser Einsätze führte ihn in die Transgender Chirurgie. Dort entdeckte er eine Verbindung, über die er zuvor nicht nachgedacht hatte. Er konnte seine Arbeit in der Pflege mit seiner Nähe zur queeren Community verbinden.

Doran entschied sich, sein Examen in diesem Bereich abzulegen. Anschließend arbeitete er als Pflegefachkraft in der Evangelischen Elisabeth Klinik.

Pflege bedeutet für ihn mehr als medizinische Versorgung oder das Verabreichen von Medikamenten. Er möchte die Person hinter einer Erkrankung kennenlernen, zuhören und Vertrauen aufbauen.

Gerade bei Patient*innen, die vor einem größeren Eingriff stehen, ist es ihm wichtig, Ängste ernst zu nehmen. Er möchte verständlich erklären, was passiert, und die Menschen durch den Pflegeprozess begleiten.

Seine Geschichte zeigt, wie wichtig ein Tätigkeitsfeld sein kann, in dem persönliche Haltung, Erfahrung und fachliche Aufgabe zusammenpassen.

Was bedeutet Arbeiten in der Pflege?

Doran Mucha begegnet in seinem Beruf Menschen, die Schmerzen, Unsicherheit oder große persönliche Veränderungen erleben. Für ihn entsteht gute Pflege deshalb nicht allein durch medizinisches Wissen. Ebenso wichtig ist es, zuzuhören, Fragen ernst zu nehmen und die Person hinter einer Erkrankung oder einem Eingriff wahrzunehmen.

Diese Haltung prägt seine tägliche Arbeit. Ein Patient, den Doran begleitet hatte, nominierte ihn deshalb für den Wettbewerb „Deutschlands beliebteste Pflegeprofis“. 2025 wurde Doran Mucha zum Landessieger Berlin gewählt.

Mehr über seine Nominierung und die Auszeichnung erfahren Sie im Beitrag „Pflegeprofi mit Herz und Haltung“:

Link zum Beitrag

Weitere Einblicke in seinen Pflegealltag und in Themen, die ihn beruflich beschäftigen, gibt Doran Mucha auf seinem Instagram Kanal „Der pflegende Holländer“:

Link zum Instagram Kanal „Der pflegende Holländer“

Dorans vollständiger Karriereweg

Vom Berliner Nachtleben über die Pflegeausbildung bis zum Bachelor of Nursing Studium: Im Podcast “Warum nicht?! Karriere mal anders" erzählt Doran Mucha von seinem beruflichen Neustart, seiner Arbeit als Pflegefachkraft und den Entscheidungen, die seinen Weg verändert haben.

Wo finden Auszubildende Beratung und Unterstützung?

Wenn ADHS das Lernen, Prüfungen oder die Organisation des Ausbildungsalltags erschwert, kann eine frühzeitige Beratung sinnvoll sein. Welche Hilfe infrage kommt, hängt vom persönlichen Bedarf und den jeweiligen Voraussetzungen ab.

Die Bundesagentur für Arbeit informiert über Unterstützungsangebote für Menschen, deren Behinderung oder gesundheitliche Einschränkung sich auf eine Berufsausbildung auswirkt. Abhängig vom Einzelfall können zum Beispiel eine angepasste Ausbildung, Hilfsmittel, begleitende Angebote oder ein Nachteilsausgleich geprüft werden.

Die Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit kann dabei helfen, mögliche Angebote und zuständige Ansprechpersonen zu finden. Bei Fragen und Problemen während einer betrieblichen Ausbildung nennt die Bundesagentur außerdem die Ausbildungsberatungen der zuständigen Kammern als mögliche Anlaufstellen.

Für die Pflegeausbildung gelten teilweise eigene Zuständigkeiten und Prüfungsregelungen. Deshalb sollte immer konkret geklärt werden, welche Stelle für die jeweilige Pflegeschule, den Ausbildungsträger und die Prüfung verantwortlich ist.

Eine weitere Anlaufstelle ist die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung, kurz EUTB. Nach Angaben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales berät die EUTB Menschen mit bestehenden oder absehbaren Behinderungen sowie Angehörige neutral, kostenlos und bundesweit. Sie bietet Orientierung zu Fragen der Rehabilitation und Teilhabe.

Eine ADHS Diagnose führt nicht automatisch zu einer bestimmten Leistung oder Anpassung. Entscheidend ist, wie sich die gesundheitliche Situation konkret auf die Ausbildung auswirkt.

Wer Beratung sucht, kann deshalb möglichst genau beschreiben:

  • Welche Situationen bereiten Schwierigkeiten?
  • Geht es um Konzentration, Zeitdruck, Prüfungen oder Organisation?
  • Welche Unterstützung wurde bereits ausprobiert?
  • Welche Anpassung könnte die konkrete Belastung ausgleichen?

Je genauer der Bedarf beschrieben wird, desto gezielter können Beratungsstellen prüfen, welche Unterstützung möglich ist.

Wie ging Dorans Bildungsweg nach der Ausbildung weiter?

Mit dem Examen war Doran Muchas Bildungsweg nicht beendet. Nach einigen Jahren als Pflegefachkraft begann er ein Bachelor of Nursing Studium.

Er wollte lernen, pflegerische Abläufe nicht nur auszuführen, sondern auch wissenschaftlich zu betrachten. Ihn interessierte, wie Erfahrungen aus der Praxis ausgewertet und in bessere Pflegestandards übertragen werden können.

Heute beschreibt er sich selbst als lösungsorientiert. Statt nur darüber zu sprechen, was in der Pflege schwierig ist, möchte er nach Möglichkeiten suchen, etwas zu verbessern.

Gleichzeitig möchte er weiterhin mit Patient*innen arbeiten. Wissenschaftliche Weiterentwicklung und direkte Pflege sind für ihn keine Gegensätze.

Was können Sie aus Doran Muchas Weg mitnehmen?

Ein beruflicher Neustart muss nicht an derselben Stelle beginnen wie bei anderen Menschen.

Doran Mucha musste zunächst eine neue Sprache lernen und seinen mittleren Schulabschluss nachholen. Danach gewöhnte er sich an einen völlig anderen Arbeitsalltag. Zusätzlich musste er einen Umgang mit Schwierigkeiten finden, die ihn bereits aus der Schulzeit begleiteten.

Die ADHS Diagnose löste nicht automatisch alle Probleme. Sie half ihm aber, eine grundlegende Annahme zu hinterfragen: die Vorstellung, nicht gut lernen zu können.

Für die eigene berufliche Orientierung können daraus vier Fragen entstehen:

  1. Welche früheren Erfahrungen beeinflussen bis heute mein Bild von meinen Fähigkeiten?
  2. Welche Erklärungen für meine Schwierigkeiten habe ich bisher noch nicht geprüft?
  3. Welche Unterstützung könnte mir helfen, anders zu lernen oder zu arbeiten?
  4. In welchem Tätigkeitsfeld passen meine Interessen, Werte und Fähigkeiten zusammen?

Ein Umweg ist nicht automatisch verlorene Zeit. Er kann Erfahrungen vermitteln, die später im passenden Beruf wichtig werden.

Ihr nächster Schritt: Die Pflegeausbildung kennenlernen

Sie überlegen, ob eine Ausbildung in der Pflege zu Ihnen passen könnte? Informieren Sie sich über Aufgaben, Voraussetzungen, Ablauf und Entwicklungsmöglichkeiten der Pflegeausbildung bei der Johannesstift Diakonie:

Jetzt mehr Ausbildungsmöglichkeiten für Pflegefachkräfte erfahren 

FAQ

ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit Hyperaktivitätsstörung. Mögliche Kernmerkmale sind Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Bei Erwachsenen kann sich ADHS unter anderem auf Konzentration, Organisation und die Strukturierung des Alltags auswirken. Die Ausprägung ist individuell.

Doran Muchas Geschichte zeigt, dass eine Pflegeausbildung mit ADHS gelingen kann. Welche Schwierigkeiten auftreten und welche Unterstützung hilfreich ist, unterscheidet sich von Person zu Person.

Nach eigener Aussage halfen ihm die ADHS Diagnose, Verhaltenstherapie und Medikamente dabei, frühere Lernschwierigkeiten neu einzuordnen und mehr Fokus zu entwickeln.

Die Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit informiert über mögliche Unterstützung während einer Ausbildung. Auch die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung EUTB bietet kostenlose Orientierung zu Fragen der Rehabilitation und Teilhabe.

Nein. Welche Anpassung oder Unterstützung infrage kommt, hängt von den individuellen Auswirkungen und den jeweiligen rechtlichen Voraussetzungen ab. Der persönliche Bedarf muss geprüft und gegenüber der zuständigen Stelle begründet werden.

Ja. Abhängig vom Studienangebot und den Zugangsvoraussetzungen können Pflegefachkräfte ein pflegebezogenes Studium aufnehmen. Doran entschied sich nach seiner Ausbildung für ein Bachelor of Nursing Studium. Weitere Möglichkeiten nach der Ausbildung.

Link zu Fort- und Weiterbildungen für Pflegefachkräfte 2026