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Aktiv und selbstbestimmt durch die Geburt

Steigende Kaiserschnitt- und PDA-Raten stellen die Geburtshilfe vor die Frage, wie Frauen noch besser dabei unterstützt werden können, ihre Geburt aktiv und selbstbestimmt zu erleben.

Datum
EinrichtungEvangelisches Waldkrankenhaus Spandau, Geburtshilfe & Neonatologie

Labour Hopscotch Bewegungskonzept

Das Evangelische Waldkrankenhaus Spandau setzt hier bereits in der Schwangerschaft an: Als erste Klinik in Deutschland integriert das Geburtszentrum das evidenzbasierte Bewegungs- und Geburtskonzept Labour Hopscotch fest in sein Angebot.

Bewegung, Atmung, Geburtspositionen und die gezielte Nutzung der Schwerkraft können Frauen dabei unterstützen, aktiv durch die Geburt zu gehen. Mit Labour Hopscotch etabliert das Evangelische Waldkrankenhaus Spandau ein in Irland bereits eingesetztes, wissenschaftlich evaluiertes Konzept nun erstmals als festen Bestandteil des Angebots einer deutschen Klinik.

Labour Hopscotch wurde 2015 von der irischen Hebamme Sinead Thompson entwickelt. Anlass waren steigende Epidural- und Kaiserschnittraten in Irland sowie die Erkenntnis, dass Bewegung und die Position der Frau während der Geburt den Geburtsverlauf und die Position des Kindes beeinflussen können.

Das Programm bereitet Frauen bereits während der Schwangerschaft praktisch auf die Geburt vor. Schwangere lernen konkrete Bewegungs-, Atem- und Entspannungstechniken kennen, trainieren diese gemeinsam mit ihrer Begleitperson und können sie während der Geburt gezielt einsetzen.

„Wir möchten Frauen nicht nur Wissen über die Geburt vermitteln, sondern ihnen konkrete Möglichkeiten an die Hand geben, mit denen sie ihren Geburtsprozess aktiv mitgestalten können. Labour Hopscotch verbindet dabei die physiologischen Aspekte der Geburt mit praktischen Übungen und stärkt aus unserer Sicht die Selbstbestimmung der Frauen“

sagt Nina Axnick, Leitende Oberärztin der Geburtshilfe am Evangelischen Waldkrankenhaus Spandau.

Was Labour Hopscotch besonders macht

Im Unterschied zu einem klassischen Geburtsvorbereitungskurs liegt der Schwerpunkt bei Labour Hopscotch auf dem praktischen Erlernen und Trainieren. Die Teilnehmerinnen lernen die Bewegungen und Positionen nicht erst unter der Geburt kennen, sondern erproben und trainieren sie bereits in der Schwangerschaft gemeinsam mit ihrer Begleitperson. So werden aus theoretischem Wissen konkrete Handlungsmöglichkeiten für die Geburt.

Zum Programm gehören unter anderem Bewegung und Mobilisation, verschiedene Geburtspositionen, der Einsatz des Gymnastikballs, der Gebärhocker, Wasser als Möglichkeit der Schmerzlinderung sowie Atem- und Entspannungstechniken.

Die Übungen orientieren sich dabei an den unterschiedlichen Phasen der Geburt. Ziel ist es, Frauen dabei zu unterstützen, Bewegung und Schwerkraft gezielt zu nutzen, den natürlichen Geburtsverlauf zu unterstützen und mit Wehen und Schmerzen besser umzugehen. Gleichzeitig wird die Begleitperson aktiv in das Training einbezogen.

„Das Besondere ist, dass die Frauen die Übungen nicht erst kennenlernen, wenn sie in den Kreißsaal kommen. Sie haben sie bereits in der Schwangerschaft mit ihrer Geburtsbegleitung ausprobiert und trainiert. Dadurch können sie unter der Geburt auf etwas zurückgreifen, das ihnen vertraut ist – und wir können sie dabei individuell unterstützen“, erklärt Matea, Hebamme im Evangelischen Waldkrankenhaus Spandau und speziell für Labour Hopscotch weitergebildete Kursleiterin.

Von der Entwicklerin in Dublin geschult

Für die Einführung des Programms wurde das Geburtshilfeteam des Evangelischen Waldkrankenhauses Spandau direkt von einer der Entwicklerinnen geschult. Die Hebammen Matea und Lilly sowie Nina Axnick, Leitende Oberärztin der Geburtshilfe, reisten hierfür nach Dublin und wurden von Sinead Thompson persönlich in der Anwendung von Labour Hopscotch weitergebildet.

Damit wird das Konzept nicht isoliert als Kurs angeboten: Das gesamte Hebammenteam sowie die Ärzt*innen der Geburtshilfe sind mit den Grundprinzipien vertraut und können die Frauen und ihre Begleitperson auch während der Geburt bei der Umsetzung unterstützen.

Wissenschaftlich evaluiertes Konzept

Labour Hopscotch wurde seit seiner Einführung wissenschaftlich begleitet. Die bisherige Evaluation deutet darauf hin, dass Frauen, die das Konzept während der Geburt anwenden, ihre Geburt häufiger als selbstbestimmt erleben und seltener eine Periduralanästhesie in Anspruch nehmen. In einer Untersuchung berichteten 90 Prozent der Teilnehmerinnen, dass Labour Hopscotch ihnen geholfen habe, während der Geburt zuversichtlich zu bleiben.

Eine weitere Studie mit mehr als 800 Frauen zeigte, dass die Mehrheit der Teilnehmerinnen das Programm als leicht verständlich und stärkend empfand. Besonders Bewegung, Gymnastikball, Gebärhocker und Wasser wurden als unterstützend erlebt. (Quelle: Carroll u.a., „Labour Hopscotch: Women’s evaluation of using the steps during labor“, European Journal of Midwifery, September 2022.)

Zwei Kurseinheiten mit Zeit zum Trainieren

Der Labour Hopscotch Kurs richtet sich an Schwangere und die Person, die sie während der Geburt begleiten wird. Er besteht aus zwei aufeinander aufbauenden dreistündigen Kurseinheiten. Die erste Einheit wird idealerweise zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche, die zweite zwischen der 32. und 36. Schwangerschaftswoche besucht.

Zwischen den beiden Terminen liegt bewusst eine mehrwöchige Übungsphase. Die Teilnehmerinnen können die erlernten Techniken zu Hause wiederholen und festigen – damit aus dem Wissen über mögliche Geburtspositionen und Bewegungen eine praktische Handlungsmöglichkeit für die Geburt wird.

Informationen zum Kurs und den Kurszeiten entnehmen Sie bitte unserer Webseite.

Über das Evangelische Waldkrankenhaus Spandau

Das Evangelische Waldkrankenhaus Spandau, ein Unternehmen der Johannesstift Diakonie, ist Akademisches Lehrkrankenhaus der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Das 1947 gegründete Notfallkrankenhaus umfasst neun Fachabteilungen, vierzehn medizinische Zentren und 518 Betten. Jährlich versorgen wir rund 22.000 Patient*innen stationär und weitere 70.000 Patient*innen ambulant.

Die Behandlungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Altersmedizin, Brustkrebs / Brustrekonstruktion, Chronische Wunden, Gefäßerkrankungen, Gelenke und künstlicher Gelenkersatz, Herz, Kinder- und Jugendmedizin, Kinderchirurgie und –urologie, Krebs, Magen / Darm, Rücken, Schwangerschaft und Geburt sowie Sport und Unfälle.

Das Evangelische Waldkrankenhaus Spandau betreibt drei Fachschulen: die Reha-Akademie Berlin für Physiotherapeut*innen, die Schule für Ergotherapie sowie gemeinsam mit dem Martin-Luther-Krankenhaus die Gesundheitsfachschule Berlin. Diese fungieren auch als Ausbildungsstätte des Krankenhauses.

Über die Johannesstift Diakonie

Die Johannesstift Diakonie gAG ist das größte konfessionelle Gesundheits- und Sozialunternehmen in der Region Berlin und Nordostdeutschland. Über 11.740 Mitarbeitende leisten moderne Medizin, zugewandte Betreuung und Beratung im Einklang mit den christlich-diakonischen Werten des Unternehmens. Der Träger betreibt Einrichtungen in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Niedersachsen mit einem vielfältigen Angebot in den Bereichen:

  • Krankenhäuser und ambulante Versorgungszentren
  • Pflege- und Wohneinrichtungen sowie Hospize
  • Wohnen und Teilhabeangebote für Menschen mit Behinderungen
  • Kinder-, Jugend- und Familienhilfe
  • Arbeit, Beschäftigung und Soziales
  • Ausbildung in der Gesundheits- und Sozialberufen
  • Dienstleistungen für Gesundheits- und Sozialeinrichtungen