Die Johannesstift Diakonie (JSD) startet heute ihre berlinweite Kampagne „Jetzt reicht’s. Noch!“. Der freigemeinnützige Träger fordert damit faire und transparente Bedingungen für alle Berliner Krankenhäuser – unabhängig davon, wer sie betreibt. Im Mittelpunkt steht eine Petition an das Abgeordnetenhaus von Berlin. Sie soll Unterstützung für die Forderungen der JSD mobilisieren und die Bedeutung freigemeinnütziger Krankenhäuser für die Berliner Gesundheitsversorgung sichtbar machen. Dafür setzt die Johannesstift Diakonie auf die Unterstützung der Berliner*innen.
„Wir kämpfen nicht ums Überleben, sondern für die Zukunft“
Die Johannesstift Diakonie stellt klar: Ihre Krankenhäuser sind heute wirtschaftlich stabil. Es handelt sich nicht um eine aktuelle wirtschaftliche Krise. Die Einrichtungen erfüllen ihren Versorgungsauftrag und sind in acht Krankenhäusern in Berlin für die Menschen 24/7 da.
„Wir arbeiten heute noch kostendeckend – und genau deshalb melden wir uns jetzt zu Wort“, sagt Andreas Mörsberger, Vorstandssprecher der Johannesstift Diakonie. „Wir kämpfen nicht ums Überleben, wir kämpfen für die Zukunft. Die Entscheidungen, die rund um die Abgeordnetenhauswahl und die Krankenhausreform getroffen werden, prägen die Berliner Gesundheitsversorgung über viele Jahre. Wer gute Versorgung dauerhaft sichern will, muss jetzt faire Bedingungen für alle Krankenhäuser schaffen – unabhängig davon, wem sie gehören.“
Die Kampagne ist damit ein vorausschauender Schritt: Die JSD will politische Rahmenbedingungen mitgestalten, bevor sich bestehende Unterschiede bei Finanzierung und Krankenhausplanung dauerhaft auf die Versorgungsstruktur auswirken. Heute geht es der JSD gut. Damit das auch in Zukunft so bleibt, setzt sie sich jetzt öffentlich für faire Bedingungen für alle Krankenhäuser ein.
Gleiche Verantwortung, ungleiche Bedingungen
Alle Berliner Krankenhäuser tragen Verantwortung für die Versorgung der Bevölkerung. Sie arbeiten jedoch unter unterschiedlichen finanziellen Rahmenbedingungen.
Landeseigene Krankenhausbetriebe haben seit 2019 zusätzlich zur regulären Krankenhausfinanzierung mehr als eine Milliarde Euro an öffentlichen Mitteln für Verlustausgleiche und Eigenkapitalzuführungen erhalten. Freigemeinnützigen Krankenhäusern wie denen der Johannesstift Diakonie stehen vergleichbare Hilfen nicht zur Verfügung.
Gleichzeitig reicht die Investitionsförderung des Landes seit Jahren nicht aus, um notwendige Investitionen vollständig zu finanzieren. Die JSD trägt deshalb rund die Hälfte ihrer erforderlichen Investitionen aus eigenen Mitteln – derzeit etwa 12 Millionen Euro – jedes Jahr. Diese Mittel erwirtschaftet das Unternehmen heute aus eigener Kraft. Mit der Krankenhausreform kommen jedoch zusätzliche Anforderungen und Investitionen auf alle Häuser zu.
„Wir stellen die Krankenhausreform und ihre Ziele nicht infrage“, betont Mörsberger. „Behandlungen sollen dort stattfinden, wo die notwendige Erfahrung, Qualität und Ausstattung vorhanden sind. Was wir infrage stellen, sind die ungleichen finanziellen Bedingungen, unter denen Krankenhäuser diese Veränderungen bewältigen müssen. Wenn öffentliche Mittel einseitig verteilt werden, entsteht eine Schieflage, die langfristig die Versorgung der Menschen treffen kann.“
Vier Forderungen an die Politik
Mit der Kampagne verbindet die Johannesstift Diakonie vier konkrete Forderungen:
- Gleiche Regeln für alle Krankenhäuser: Öffentliche Unterstützung muss nach transparenten und einheitlichen Kriterien vergeben werden – unabhängig von der Trägerschaft.
- Entscheidungen nach Versorgungsbedarf: Qualität, medizinischer Bedarf und Leistungsfähigkeit müssen im Mittelpunkt der Krankenhausplanung stehen.
- Verlässliche Finanzierung von Investitionen: Krankenhäuser benötigen ausreichende Mittel für Gebäude, Medizintechnik, Modernisierung und die Umsetzung der Krankenhausreform.
- Eine Reform, die stärkt statt schwächt: Die Krankenhausreform darf nicht gerade die Häuser unter Druck setzen, die heute einen wesentlichen Teil der Versorgung sicherstellen.
Die zentrale Botschaft lautet: „Entscheidend darf nicht sein, wem ein Krankenhaus gehört. Entscheidend muss sein, was es für die Versorgung der Menschen leistet.“
Für eine vielfältige Krankenhauslandschaft
Berlin braucht leistungsfähige landeseigene Krankenhäuser und eine starke Universitätsmedizin – ebenso wie leistungsfähige freigemeinnützige Krankenhäuser. Eine verlässliche Gesundheitsversorgung beruht auf dem Zusammenwirken unterschiedlicher Träger.
Freigemeinnützige Krankenhäuser sind dabei kein ergänzender Bestandteil, sondern ein unverzichtbarer Teil der Daseinsvorsorge. Die JSD will deshalb exemplarisch auf die Bedeutung dieser Trägergruppe aufmerksam machen und erreichen, dass die gesamte Versorgungslandschaft in der politischen Diskussion berücksichtigt wird.
„Noch!“ ist ein Warnsignal
Der Claim „Jetzt reicht’s. Noch!“ ist bewusst zugespitzt. Das „Noch!“ ist weder eine Drohung noch die Ankündigung, Standorte oder Versorgungsangebote zu schließen. Es ist ein Warnsignal: Gute Krankenhausversorgung ist nicht selbstverständlich und braucht dauerhaft tragfähige Rahmenbedingungen.
Die Kampagnenbotschaft lautet: „Wir sind da, wo Sie uns brauchen. Für Sie. Für alle. Noch.“ Das Ziel der JSD ist, dass aus diesem „Noch“ ein „Auch in Zukunft“ wird.
Mit Petition und sichtbaren Kampagnenmotiven
Die Kampagne wird in Berlin über mehrere Kanäle sichtbar: auf Großflächen und weiteren Plakatflächen in der ganzen Stadt, über digitale Anzeigen und soziale Medien, auf den für uns fahrenden LKW sowie über Informationsmedien in den Einrichtungen.
Die vier Kampagnenmotive zeigen echte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der JSD – keine Models. Sie stehen stellvertretend für die vielen Menschen, die täglich die medizinische und pflegerische Versorgung in Berlin sichern.
Zentrum der Kampagne ist eine Landingpage mit Hintergrundinformationen, den politischen Forderungen und der Möglichkeit, die Petition an das Abgeordnetenhaus von Berlin direkt zu unterstützen. Die Unterschriften sollen den Forderungen nach fairen Bedingungen für alle Berliner Krankenhäuser zusätzliches politisches Gewicht verleihen.
Die Kampagne endet bewusst nicht mit der Wahl zum Abgeordnetenhaus am 20. September 2026. Die anschließende Bildung des neuen Senats sowie die weiteren Entscheidungen zur Krankenhausplanung, zur Zuordnung von Versorgungsaufträgen und zum Einsatz öffentlicher Mittel werden die Berliner Krankenhausversorgung ebenfalls maßgeblich prägen. Die JSD wird den politischen Dialog daher parallel zur öffentlichen Kampagne und über den Wahltermin hinaus fortsetzen.
Weitere Informationen und Petition: Jetzt reicht's. Noch!
Bildmaterial für die aktuelle Berichterstattung: zum Download
Über die Johannesstift Diakonie
Die Johannesstift Diakonie ist ein bedeutender Teil der Berliner Gesundheitsversorgung. Ihre Einrichtungen versorgen jährlich über 340.000 Patientinnen und Patienten, rund 300.000 davon in Berlin – rund um die Uhr, stationär wie ambulant. Die JSD ist mit acht Krankenhäusern und elf ambulanten Versorgungsangeboten in Berlin präsent. Weitere Krankenhäuser existieren in anderen Bundesländern.
- Mit insgesamt 11.740 Beschäftigten, darunter 6.760 Mitarbeitenden in den Berliner Krankenhäusern und Medizinischen Versorgungszentren, zählt die Johannesstift Diakonie zu den TOP 10 Arbeitgebern der Region.
- Jedes 10. Baby in Berlin wird bei uns geboren.
- Wir leisten 77.800 stationäre Behandlungen in Berlin.
- 80.900 Notfälle werden bei uns behandelt.
Als Komplexträger ist sie darüber hinaus in der Altenhilfe, der Jugendhilfe, in Angeboten für Menschen mit Behinderungen, als Dienstleister und in der Bildung aktiv. Eine Schwächung der Krankenhäuser würde daher mittelbar auch weitere Arbeits- und Versorgungsbereiche betreffen.

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