„Nur wer sich am Arbeitsplatz und in der Zivilgesellschaft wohl fühlt, kann den vollen persönlichen Einsatz für erkrankte Menschen bringen. Und den brauchen wir in Sachsen-Anhalt mit der aktuellen demographischen Entwicklung wirklich mehr denn je“, erklärt Prof. Dr. med. Peter Jehle, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Paul Gerhardt Stift.
Die Gesundheitsversorgung im Landkreis Wittenberg wäre dabei ohne die wesentliche Unterstützung von Ärzt*innen aus anderen Ländern nicht mehr zu gewährleisten – bestätigen sowohl Prof. Dr. Jehle alsauch sein Kollege Prof. Dr. med. Martin Stockmann, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie in Wittenberg: „In unserem Krankenhaus arbeiten Menschen aus 22 Nationen – ohne diese Kolleginnen und Kollegen im ärztlichen Bereich könnten wir die Gesundheitsversorgung im stationären Bereich überhaupt nicht aufrechterhalten“, so Prof. Dr. Jehle. „Und dies gilt auch im therapeutischen und pflegerischen Bereich – seit 2021 bilden wir junge Menschen aus El Salvador zu Pflegefachkräften aus“, betont Bettina Käding, stellvertretende Geschäftsführerin im Paul Gerhardt Stift.
Doch nicht nur die Arbeitsbedingungen spielten eine wichtige Rolle, um Ärzt*innen, Pflegefachkräfte und Therapeut*innen für Sachsen-Anhalt zu gewinnen und hier auch zu halten, sondern vor allem auch das Umfeld: „Es ist ganz einfach: Wenn sich unsere Kolleg*innen aus anderen Ländern, die bei uns arbeiten und leben, nicht wohl fühlen, bleiben sie auch nicht längerfristig“, so Prof. Dr. Jehle. Die Personalknappheit in den Gesundheitsheilberufen hätte eine Dimension angenommen, die das Recruiting weit über Deutschland hinaus unabdingbar erfordere. „Ärztinnen und Ärzte aus anderen Ländern sind für uns als Krankenhaus, aber auch im niedergelassenen Bereich, unverzichtbar – sie sichern nicht nur die medizinische Versorgung, sondern bringen auch wertvolle Erfahrungen mit. Umso wichtiger ist es, dass sie sich in unserem Bundesland willkommen, sicher und zu Hause fühlen können“, so die beiden Chefärzte aus dem Paul Gerhardt Stift.
„Wenn sich diese Kolleginnen und Kollegen bei uns nicht mehr wohl fühlen, wandern sie in andere Regionen und Länder ab“, bestätigt auch Dr. Michael Benzke, niedergelassener Kollege aus Wittenberg. Dann würden auch keine Investitionen in das Gesundheitssystem oder in Krankenhäuser helfen – denn ohne einen erheblichen Teil des Personals sei keine ausreichende Versorgung der Patient*innen mehr möglich und es würde zu massiven Einschnitten in der Versorgung kommen.
„Als Ärzteschaft in Sachsen-Anhalt wollen wir auch weiterhin einen wichtigen Beitrag leisten – sowohl zur Versorgung der Patientinnen und Patienten, aber auch für die Weiterentwicklung der Medizin. Das kann aber nur gelingen, wenn wir nicht in eine Versorgungskrise durch Personalmangel kommen“, so Prof. Dr. Stockmann.

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