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Neue Kulturpilotenstaffel startet mit Theaterstück “Kuckucksnest”

Kulturpiloten ist ein Projekt der Bildungskampagne Kinder beflügeln, bei dem Viertklässlern auf vielen Ausflügen innerhalb Berlins Kunst, Kultur und Wissenschaft näher gebracht werden. 2026 findet das Projekt zum 17. Mal statt. Lesen Sie hier den Artikel zum Auftakt aus Sicht des 15-jährigen Noah.

Schauspieler auf der Theaterbühne

Meine erste Reportage: mit Notizblock ins „Kuckucksnest”

Ich heiße Noah, bin 15 Jahre alt und mache gerade mein Schülerpraktikum bei der PR-Agentur wirkhaus – und heute ist mein erster richtiger Auftrag. Ehrlich gesagt: Ich habe noch nie als „Redakteur“ irgendwo gestanden, Notizen gemacht und so getan, als wüsste ich genau, worauf es ankommt. Aber genau das versuche ich jetzt beim Auftakt der Kulturpiloten, einem Projekt der Kampagne „Kinder beflügeln“ vom Evangelischen Johannesstift. Schauplatz: das GRIPS Podewil. Zahlreiche Viertklässlerinnen aus Berliner Grundschulen, allesamt zukünftige Kulturpiloten*innen, sind eingeladen. Auf dem Programm steht das Stück „Kuckucksnest“ – und ich bin mittendrin, ein bisschen nervös, ein bisschen neugierig, und mit dem Gefühl, dass gleich etwas passiert, das man wirklich erzählen will.

Das Theaterstück „Kuckucksnest“, geschrieben von Nina van Tongeren, richtet sich an Kinder und Jugendliche ab etwa 10 Jahren. Es erzählt die Geschichte der Schwestern Saffa (12) und Nim (9), deren Mutter psychisch erkrankt ist. Die Erkrankung zeigt sich sehr unterschiedlich. An manchen Tagen ist die Mutter antriebslos und kaum erreichbar, an anderen Tagen verhält sie sich unkontrolliert und auffällig.

Zwei Schwestern mit viel Verantwortung

Die beiden Schwestern gehen ganz anders mit der Situation um. Während Saffa versucht, die Krankheit ihrer Mutter herunterzuspielen, spricht Nim offen über das, was wirklich passiert. Trotz dieser Unterschiede fühlen sich beide Kinder überfordert, allein gelassen und zu früh mit Verantwortung belastet.

Besonders eindrucksvoll finde ich, dass sich die Figuren immer wieder direkt an das Publikum wenden. Sie teilen ihre Sorgen, Ängste und ihre Liebe zur Mutter, aber auch ihr Gefühl von fehlender Sicherheit. Das Stück thematisiert offen psychische Erkrankungen innerhalb von Familien und bricht bewusst bestehende Tabus. Ich finde es sehr beeindruckend, wie ehrlich und gleichzeitig kindgerecht dieses schwere Thema dargestellt wird mit ernsten Szenen sowie lustigen Zwischeneinschüben, um die Stimmung zu lockern. Während der Aufführung merke ich, wie aufmerksam und berührt die Kinder im Publikum sind.

Mit einer Mischung aus Ernst und Humor zeigt „Kuckucksnest“, dass es wichtig für betroffene Kinder ist, über solche Themen zu sprechen. Oder wie die Autorin Nina van Tongeren es formuliert: „Meiner Meinung nach ist es besonders wichtig, dass Kinder aus solchen Situationen lernen, dass sie nicht allein sind“.

Nach dem Theaterstück dürfen sich alle am leckeren Buffet stärken. Und im Anschluss treffen kleine auf große Kulturpilot*innen. Denn jede Staffel hat natürlich erwachsene pädagogische Betreuer*innen, mit denen die Kinder in der nächsten Zeit auf kulturelle Entdeckungsreise durch Berlin gehen.

Schauspieler auf der Theaterbühne
Foto: Noah Dames
Schauspieler auf der Theaterbühne
Foto: Noah Dames
Verantwortliche der Kampagne Kinder Beflügeln auf der Bühne
Foto: Noah Dames
Buffet beim Auftakt der 17. Staffel Kinder beflügeln
Foto: Noah Dames

Das Projekt Kulturpiloten

Seit dem Jahr 2009, jetzt schon zum 17. Mal, ermöglicht das Projekt Kulturpiloten Kindern aus vierten Klassen einen Zugang zu Kultur, Kunst und Wissenschaft in Berlin. Jährlich nehmen rund 100 Kinder aus allen Berliner Bezirken teil. Am Ende dieser Staffel wird die Kampagne „Kinder beflügeln“ 1.530 Kulturpilot*innen ausgebildet haben. Viele von ihnen hatten zuvor kaum die Möglichkeit, ihren eigenen Kiez zu verlassen oder kulturelle Angebote wahrzunehmen.

In kleinen Gruppen, den sogenannten Staffeln, erkunden die Kinder gemeinsam mit ihren erwachsenen Kulturpilot*innen (Schauspieler*innen, Musiker*innen, Künstler*innen, Ingenieur*innen oder Wissenschaftler*innen) die Berliner Kulturlandschaft. Dazu gehören Theater, Opernhäuser, Museen, Ausstellungen, Planetarien und Bibliotheken. Die Kinder sind dabei nicht nur Zuschauer*innen, sondern werden aktiv eingebunden: Sie planen Ausflüge mit, stellen vor Ort Fragen und berichten anschließend in ihren Klassen von ihren Erlebnissen.

Die Rolle der griechischen Musen

Jede Staffel steht symbolisch für eine der neun griechischen Musen: Klio, Melpomene, Terpsichore, Thalia, Euterpe, Erato, Urania, Polyhymnia oder Kalliope. In der griechischen Mythologie gelten sie als Schutzgöttinnen der Künste und Wissenschaften. Je nach Muse legt jede Gruppe einen inhaltlichen Schwerpunkt fest und besucht dazu passende kulturelle Einrichtungen wie z.B. Planetarien. Darüber hinaus gibt es in jedem Jahr einen thematischen Schwerpunkt. Diesmal: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Stereotypen und Demokratie – in diesen bewegten Zeiten wichtige Themen.

Ziel des Projekts ist es, Interessen zu wecken, Talente zu fördern und den Kindern kulturelle Bildung als festen Bestandteil ihres Lebens näherzubringen. Durch diese Erfahrungen sollen sie Selbstvertrauen entwickeln und ihre Chancen zur aktiven Teilhabe an der Gesellschaft verbessern. Nach meinem Eindruck schafft das Projekt dafür eine sehr gute Grundlage und vermittelt den Kindern echte Wertschätzung. Bereichsleiterin Claudia Lukat betont in diesem Zusammenhang: “Die Schüler*innen können sich bei uns ausprobieren – ganz befreit von Schulalltag und Notendruck. Wir werden sicher auch in diesem Jahr erleben, wie die Kinder Neues entdecken und über sich hinauswachsen."

Fotos & Text: Noah Dames

Über die Kampagne „Kinder beflügeln“

„Kinder beflügeln“ ist die Klammer für eine Vielzahl von Projekten, in denen Kinder aus Berlin und Brandenburg seit 2008 durch besondere Bildungserlebnisse gefördert werden. Die Kampagne erreicht Kinder im Grundschulalter an Berliner Brennpunktschulen, die aufgrund ihrer sozialen Situation Bildungschancen nicht nutzen können. „Kinder beflügeln“ ist die gemeinsame Bildungskampagne der Johannesstift Diakonie und der Stiftung Evangelisches Johannesstift.

Über die Johannesstift Diakonie Jugendhilfe

Die Johannesstift Diakonie Jugendhilfe gGmbH ist eine 100%ige Tochtergesellschaft der Johannesstift Diakonie gAG mit stationären, teilstationären und ambulanten Angeboten der Hilfen zur Erziehung, Jugendsuchthilfe, Betreuungsangeboten für Mütter und ihre Kinder, der Kindertagesbetreuung, schulbezogener Sozialarbeit an Grund- und Oberschulen sowie Erziehungs- und Familienberatung. Sie beschäftigt circa 500 Mitarbeitende in Berlin, Neubrandenburg, den Landkreisen Oberhavel und Havelland sowie Eisenach.

Über die Johannesstift Diakonie

Die Johannesstift Diakonie gAG ist das größte konfessionelle Gesundheits- und Sozialunternehmen in der Region Berlin und Nordostdeutschland. Über 11.400 Mitarbeitende leisten moderne Medizin, zugewandte Betreuung und Beratung im Einklang mit den christlich-diakonischen Werten des Unternehmens. Der Träger betreibt Einrichtungen in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Niedersachsen mit einem vielfältigen Angebot in den Bereichen:

  • Krankenhäuser und ambulante Versorgungszentren
  • Pflege- und Wohneinrichtungen sowie Hospize
  • Behindertenhilfe
  • Kinder-, Jugend- und Familienhilfe
  • Arbeit, Beschäftigung und Soziales
  • Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie Ergotherapie
  • Dienstleistungen für Gesundheits- und Sozialeinrichtungen