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Was ist Vorhofflimmern?
Normalerweise führen koordinierte elektrische Signale im Herzen dazu, dass sich die Vorhöfe gleichmäßig zusammenziehen und Blut in die Herzkammern pumpen. Bei Vorhofflimmern sind diese Signale gestört. Die Folge: Die Vorhöfe beginnen, sich schnell und unkontrolliert zu bewegen – sie „flimmern“. Es entsteht eine Art „elektrisches Gewitter“ im Reizleitungssystem des Herzens. Zwar pumpen die Herzkammern weiterhin Blut in den Körper, allerdings deutlich weniger und unregelmäßiger.
Formen von Vorhofflimmern
Je nach Dauer und Häufigkeit kann die Erkrankung in vier Formen unterteilt werden:
- Paroxysmales (episodenhaftes) Vorhofflimmern: Die Störung tritt gelegentlich auf, kommt und geht ohne einen bestimmten Grund. In der Regel normalisiert sich der Herzrhythmus innerhalb von etwa 48 Stunden ohne Behandlung von selbst. Diese Form kann einmalig auftreten oder in Episoden wiederkehren.
- Persistierendes (anhaltendes) Vorhofflimmern: Das Vorhofflimmern dauert länger als sieben Tage an. Der Herzrhythmus lässt sich durch eine Behandlung wieder normalisieren.
- Lange persistierendes (langanhaltendes) Vorhofflimmern: Die Erkrankung besteht länger als ein Jahr.
- Permanentes (dauerhaftes) Vorhofflimmern: Die Erkrankung bleibt dauerhaft bestehen und wird als permanent akzeptiert.
Symptome bei Vorhofflimmern
Das häufigste Symptom bei Vorhofflimmern ist Herzrasen. Während bei Erwachsenen der Ruhepuls im Optimalfall zwischen 60 und 80 Schlägen pro Minute liegt, schlägt das Herz bei Vorhofflimmern in der Regel zwischen 100- und 160-mal, bei manchen Betroffenen sogar bis zu 200-mal.
Weitere mögliche Symptome sind Kurzatmigkeit, Müdigkeit, Angina Pectoris (Engegefühl in der Brust), Benommenheit und Schwindel. In manchen Fällen ist die Rhythmusstörung jedoch auch symptomlos und wird erst bei einer medizinischen Untersuchung entdeckt.
Ursachen von Vorhofflimmern
Vorhofflimmern kann aus verschiedenen Gründen entstehen. Zu den häufigsten Auslösern gehören Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit (KHK), Herzinfarkt und Herzschwäche. Auch Herzklappenerkrankungen, eine Schilddrüsenüberfunktion oder die Einnahme bestimmter Medikamente sind mögliche Ursachen. In manchen Fällen bleibt die Störungsquelle unklar.
Beeinflussbare und nicht beeinflussbare Risikofaktoren für Vorhofflimmern
Zu den nicht veränderbaren Risikofaktoren gehören:
- Alter – das Risiko steigt mit zunehmendem Alter.
- Geschlecht – Männer haben ein höheres Risiko als Frauen.
- Genetische Faktoren – das Risiko ist erhöht bei Personen, in deren Familie bereits Vorhofflimmern aufgetreten ist.
Zu den veränderbaren Risikofaktoren gehören:
- Bluthochdruck
- Diabetes mellitus
- Rauchen
- Starker oder häufiger Alkoholkonsum
- Übergewicht
- Schlafapnoe (nächtliche Atemaussetzer)
Folgen von Vorhofflimmern
Alle Formen des Vorhofflimmerns können langfristig zu verschiedenen Folgeerkrankungen führen, insbesondere zu:
Schlaganfall
Vorhofflimmern gehört zu den häufigsten Ursachen für Schlaganfall. Durch den unregelmäßigen, unkontrollierten Herzrhythmus wird die Fließgeschwindigkeit des Blutes verlangsamt und damit die Entstehung von Blutgerinnseln in den Vorhöfen des Herzens begünstigt. Wenn sich Gerinnsel lösen, in das Gehirn gelangen und dort ein Gefäß verstopfen, können sie einen Schlaganfall verursachen.
Herzinsuffizienz
Wenn die Vorhöfe nicht mehr effektiv pumpen, muss der Rest des Herzens einen größeren Aufwand betreiben, um den Körper mit Blut zu versorgen. Langfristig kann dies das Herz überlasten und seine Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Eine bereits vorhandene Herzinsuffizienz kann sich verschlimmern.
Um die Entstehung dieser Folgeerkrankungen zu verhindern und die Lebensqualität sowie Lebenserwartung der Betroffenen zu steigern, sollte das Vorhofflimmern schnell und effektiv behandelt werden.
Diagnose von Vorhofflimmern
Erkennen lässt sich Vorhofflimmern bei einem Elektrokardiogramm (EKG) durch typische Abweichungen vom normalen Sinusrhythmus (normale Herzschlagfolge):
EKG bei Vorhofflimmern
Gesunder Sinusrhythmus:
Ein gesundes Herz schlägt im Ruhezustand zwischen 60- und 80-mal pro Minute.
Herzschlag mit Vorhofflimmern:
Die elektrischen Impulse im Herzen werden nicht korrekt weitergeleitet. Die Vorhofwände ziehen sich nicht rhythmisch, sondern unkontrolliert zusammen. Auf dem EGK ist dieses „Gewitter“ von Impulsen gut zu erkennen.
Um den Ursachen des Vorhofflimmerns genau auf die Spur zu kommen, sind meist weitere Untersuchungen notwendig, beispielsweise eine Echokardiografie (Ultraschalluntersuchung des Herzens) oder eine elektrophysiologische Untersuchung (EPU). Dabei handelt es sich um eine besondere Form der Herzkatheteruntersuchung , bei der ein spezieller Elektrodenkatheter bis zum Herzen geschoben wird, um die Herzrhythmusstörung zu lokalisieren. Gegebenenfalls können im selben Schritt die Ursachen der Rhythmusstörung gezielt beseitigt werden, indem elektrische Kurzschlüsse im Vorhof beziehungsweise bestimmte „schuldige“ Areale verödet werden.
Behandlung von Vorhofflimmern
Die Behandlung verfolgt zwei Hauptziele: die Linderung der Beschwerden und die Vorbeugung von Schlaganfällen. Hierfür stehen verschiedene Optionen zur Verfügung.
Beschwerden lindern
- Medikamentöse Therapie: Es kann ausreichen, die Herzfrequenz mit Medikamenten (in der Regel mit einem Betablocker) zu kontrollieren und somit die Symptome zu lindern.
- Elektrokardioversion: Bei der sogenannten elektrischen Kardioversion wird versucht, den normalen Herzrhythmus mit einem elektrischen Impuls wiederherzustellen.
- Katheterablation: Wenn das Vorhofflimmern häufiger auftritt und mit Beschwerden verbunden ist, kann auch eine Katheterablation sinnvoll sein. Dabei werden gezielt Herzmuskelzellen in dem Bereich verödet, der das Herzrasen auslöst, um den normalen Rhythmus wiederherzustellen.
- Vorhofohrverschluss: Der Vorhofohrverschluss ist eine minimalinvasive Alternative zur Blutverdünnung, die in vielen Fällen bei Vorhofflimmern erforderlich ist. Insbesondere bei Patient*innen, die aufgrund von anderen Gesundheitsproblemen keine Blutverdünner einnehmen können oder bereits Blutungsereignisse darunter hatten, ist dies eine wichtige Option. Der Eingriff erfolgt in der Regel unter örtlicher Betäubung, gegebenenfalls aber auch in Vollnarkose.
Dabei wird eine spezielle Verschlussvorrichtung, der sogenannte Occluder, über einen Katheter in das linke Vorhofohr eingeführt und dort entfaltet, um das Vorhofohr zu verschließen. Auf diese Weise lässt sich verhindern, dass Blutgerinnsel in den Körperkreislauf gelangen und potenziell einen Schlaganfall verursachen.
Schlaganfällen vorbeugen
- Blutverdünner: In der Regel erhalten Betroffene Medikamente, sogenannte orale Antikoagulanzien, die die Blutgerinnung und somit das Schlaganfallrisiko reduzieren können.
- Lebensstiländerungen: Betroffene sollten gesunde Lebensgewohnheiten anstreben, um das Schlaganfallrisiko zu senken. Dazu zählen regelmäßige körperliche Aktivität, eine ausgewogene Ernährung sowie die Vermeidung von Risikofaktoren wie Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum.
Herzmedizin auf höchstem Niveau
Die Abteilung Kardiologie der Johannesstift Diakonie deckt das gesamte Spektrum der Herzmedizin ab. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der katheterbasierten Therapie von Herzrhythmusstörungen, darunter auch dem Vorhofflimmern.
Neben der kompetenten medizinisch-technischen Versorgung liegt unser Fokus auf fürsorglicher Zuwendung und individueller Betreuung. Wir nehmen uns die Zeit, auf die Bedürfnisse unserer Patient*innen einzugehen und legen großen Wert darauf, dass sich diese gut aufgehoben fühlen.
Unsere Spezialist*innen
Zur Abklärung und Therapie von Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern steht Ihnen in der Johannesstift Diakonie unser kompetentes Team von Herzspezialist*innen zur Verfügung.
Sprechstunde
Kardiologie-Sprechstunde in Zehlendorf
Evangelisches Krankenhaus Hubertus
Spanische Allee 10-14
14129 Berlin
Tel.: 030 81008-500
kardiologie.hubertus(at)jsd.de
Kardiologie-Sprechstunde in Spandau
Evangelisches Waldkrankenhaus in Spandau
Stadtrandstraße 555
13589 Berlin
Telefon 030 3702-1770
kardiologie.waldkrankenhaus(at)jsd.de
Kardiologie-Sprechstunde in Charlottenburg
Martin Luther Krankenhaus
Caspar-Theyß-Straße 27-31
14193 Berlin
Telefon 030 8955-3611
kardiologie.martin-luther(at)jsd.de
FAQs
Vorhofflimmern ist eine häufige Herzrhythmusstörung, bei der die Vorhöfe des Herzens unregelmäßig und oft sehr schnell schlagen. Bei Vorhofflimmern sind die koordinierten elektrischen Signale im Herzen gestört, was dazu führt, dass die Vorhöfe beginnen, sich schnell und unkontrolliert zu bewegen.
Das häufigste Symptom bei Vorhofflimmern ist Herzrasen. Weitere mögliche Symptome sind Kurzatmigkeit, Müdigkeit, Angina Pectoris (Engegefühl in der Brust), Benommenheit und Schwindel.
Vorhofflimmern kann aus verschiedenen Gründen entstehen. Zu den häufigsten Auslösern gehören Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit (KHK), Herzinfarkt und Herzschwäche. Auch Herzklappenerkrankungen, eine Schilddrüsenüberfunktion oder die Einnahme bestimmter Medikamente sind mögliche Ursachen.
Die Behandlung von Vorhofflimmern verfolgt zwei Hauptziele: die Linderung der Beschwerden und die Vorbeugung von Schlaganfällen. Hierfür stehen verschiedene Optionen zur Verfügung, darunter medikamentöse Therapie, Elektrokardioversion, Katheterablation und Vorhofohrverschluss.
Alle Formen des Vorhofflimmerns können langfristig zu verschiedenen Folgeerkrankungen führen, insbesondere zu Schlaganfall und Herzinsuffizienz. Um die Entstehung dieser Folgeerkrankungen zu verhindern und die Lebensqualität sowie Lebenserwartung der Betroffenen zu steigern, sollte das Vorhofflimmern schnell und effektiv behandelt werden.







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