Aufgewachsen an der Ostseeküste, stand ihr Berufswunsch früh fest: Sie wollte mit Kindern arbeiten und ihnen helfen, ihre Potenziale zu erkennen und auszuschöpfen.
Dieser Anspruch prägt auch ihre Arbeit für die Bildungskampagne „Kinder beflügeln“ des Evangelischen Johannesstifts und der Johannesstift Diakonie. Als erwachsene Kulturpilotin der Staffel Melpomene erkundet sie mit Kindern die Kulturlandschaft Berlins – offen, situationsbedingt und immer mit dem Blick dafür, was jedes einzelne Kind gerade braucht.
Neue Erfahrungen, neue Perspektiven
Bernadette Kowolik möchte, dass Kinder Erfahrungen machen können, die ihnen der Alltag sonst nicht bietet. Die Kulturpiloten führen sie an Orte, Themen und Ausdrucksformen heran, die ihren Blick auf die Welt erweitern: Museen, Kunstwerke, kreative Projekttage, sportliche Herausforderungen und Begegnungen mit Menschen und Ideen, die neue Fragen aufwerfen.
Ganz besonders erinnert sich Bernadette Kowolik an einen Ausflug zum Bouldern. Einige Schüler*innen hatten großen Respekt vor der hohen Kletterwand. Doch dann passierte das, was die Kulturpiloten ausmacht: Die Kinder fingen an, sich gegenseitig zu unterstützen, anzufeuern und sich über die Erfolge der anderen zu freuen. Aus Unsicherheit wurde Mut, aus Zurückhaltung Bewegung, aus Einzelnen eine Gemeinschaft. „Hier sind einige der Kinder über sich hinausgewachsen“, erinnert sich Bernadette Kowolik.
Bildung entsteht im Erleben
Bei den Kulturpiloten geht es nicht um Wissensvermittlung, wie sie die Schüler*innen zumeist in der Schule erfahren. In dem Projekt entsteht Bildung im Erleben: Die Kinder entdecken in der Stadt Kunst, vergleichen ihre eigene Wahrnehmung mit der Sichtweise von Künstler*innen und werden selbst kreativ. Wenn sie zum Beispiel Batik-T-Shirts herstellen, entstehen mehr als nur bunte Kleidungsstücke. Es bleiben Erinnerungen an die gemeinsame Projektzeit und sie lernen, dass sie etwas Eigenes schaffen können.
“Die Kulturpiloten stärken nicht nur kreative Fähigkeiten”, findet Kowolik. “Sie fördern auch Teamarbeit, Kommunikation, Empathie und Selbstbewusstsein.” Die Schüler*innen erleben, dass ihre Gedanken zählen, dass sie etwas beitragen können und dass sie in einer nicht-ausschließenden Gruppe sein können. Gerade für Kinder aus sozial benachteiligten Lebenssituationen kann das entscheidend sein.” Und was passiert, wenn die Kinder keine Lust haben und nicht mitziehen? “Der Schlüssel ist, zu schauen, wo ihre Interessen liegen und die Kinder mit in die Planungen einzubeziehen”, erklärt Bernadette Kowolik. “Und wenn sich mal nicht alle einig werden können, dann stimmen wir ab.”
Was Kowolik jedes Kulturpiloten-Jahr aufs Neue erstaunt, ist, wie die Kinder im Laufe der Zeit zusammenwachsen. Denn anfangs ist es häufig so, dass einige Kinder sich nicht gut verstehen. “Wir geben ihnen die Möglichkeit, sich an Lernorten außerhalb der Schule auf eine andere Art und Weise kennenzulernen und Gemeinsamkeiten zu finden”, berichtet sie. “Und bei unseren Abschluss-Ausflügen im Freibad Neukölln erlebe ich dann immer eine super funktionierende, glückliche Kindergruppe.”
Pädagogin, Autorin, Möglichmacherin
Die Freude an der Arbeit mit Kindern zieht sich durch Kowoliks Leben. 2005 ging sie für ein ehrenamtliches Praktikum nach Uganda und erfüllte sich damit einen Traum: die Arbeit für ein Kinderheim. Eine Erfahrung, die sie geerdet hat, wie sie erklärt: “Ich schaue mehr auf das, was ich habe, als auf das, was ich nicht habe. Diese Dankbarkeit für kleine Dinge oder Momente, versuche ich den Kindern mitzugeben.”
Auch als Autorin widmet Kowolik sich Kindern und pädagogischen Themen: Neben einem Kinderbuch veröffentlichte sie mehrere pädagogische Fachbücher. Dem nicht genug: Neben ihrer pädagogischen Arbeit und dem Schreiben organisiert Kowolik auch Kindergeburtstage. “Als geborener Fischkopf schlägt mein Herz besonders für Piraten- und Unterwasserpartys”, sagt sie. “Doch im Grunde bin ich für jeden Spaß zu haben.”
Mit pädagogischer Erfahrung, Abenteuerlust und echter Zugewandtheit möchte Bernadette Kowolik kleine Kulturpilot*innen nicht nur begleiten, sondern ihnen Mut machen. Ihnen Räume öffnen, in denen sie staunen, gestalten, lachen und wachsen können – und in denen die Welt ein Stück größer wird.

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