“Du musst keine Angst haben. Du musst dich nicht mehr verstecken.“ Das würde Micha heute seinem siebenjährigen Ich sagen. Schon als Kind spürt er, dass sein Körper und seine Identität nicht zusammenpassen. Doch lange fehlen ihm die Worte, um dieses Gefühl zu beschreiben.
In der neuen Folge von „Warum ich? Der andere Gesundheitspodcast“ spricht Micha mit Moderatorin Martina Conradt offen über sein Leben als Trans* Mann. Er erzählt von seiner Kindheit, seinem Outing, der Suche nach therapeutischer Unterstützung, der Einnahme von Testosteron und den geschlechtsangleichenden Operationen, die hinter ihm liegen.
Wie fühlt es sich an, sich ständig verkleiden zu müssen?
Kleider und Röcke empfindet das Kind als Verkleidung. Besteht die Mutter auf Mädchenklamotten, zieht er sich dem Schulweg heimlich um. Beim Spielen übernimmt Micha stets die männliche Rolle. Vater, Mutter, Kinder? Keine Frage, wer der Vater ist. Trotzdem kann das Mädchen Micha lange nicht benennen, weshalb es sich anders fühlt.
Erst später findet Micha einen Begriff für das, was ihn seit der Kindheit begleitet: Er ist transident. Die Erkenntnis ist zunächst eine Erleichterung, gleichzeitig beginnt für ihn eine emotionale Achterbahnfahrt.
„Ich wollte mich auch im Spiegel erkennen“, sagt Micha über den Moment, in dem für ihn feststeht, dass er seinen Weg als Trans* Mann gehen muss.
In dem Gespräch berichtet er auch von der Angst vor Ablehnung, Hass und möglichen Anfeindungen. Sein Gesicht möchte er deshalb im Videopodcast nicht zeigen. Seine Stimme und seine Geschichte teilt er dennoch, um anderen Menschen Einblicke in einen Weg zu geben, über den noch immer viele Missverständnisse und Vorurteile bestehen.
Welche Schritte gehören zu einer Transition von Frau zu Mann?
Micha beschreibt seine Transition nicht als einzelne Entscheidung, sondern als langen Prozess. Er erstellt sich dafür einen persönlichen Fahrplan: Outing, Therapie, Hormone, Mastektomie, Hysterektomie und weitere geschlechtsangleichende Operationen.
Die Einnahme von Testosteron verändert unter anderem seine Stimme, seinen Bartwuchs und sein Körpergefühl. Als besonders befreiend erlebt er die Mastektomie, also die Entfernung der Brust. Zuvor versucht er, seine Brust abzubinden oder durch Training weniger sichtbar zu machen.
Micha macht zugleich deutlich, dass dieser Weg kein Spaziergang ist. Insgesamt liegen zahlreiche Operationen hinter ihm. Er spricht offen über Schmerzen, Infektionen, erneute Eingriffe und Momente, in denen ihm die körperliche Angleichung viel Kraft abverlangt. Insgesamt sind es bis heute 15 Operationen, denen er sich unterziehen muss. Und der Weg ist noch nicht beendet.
Dennoch stellt er seine Entscheidung niemals infrage. Heute geht es ihm mit Blick auf seine Identität und sein Körpergefühl sehr viel besser. “Andernfalls würde ich mir die Radieschen inzwischen wohl von unten angucken", lächelt er.
Weitere Informationen zu geschlechtsangleichenden Operationen und zur Transgender-Chirurgie an der Evangelischen Elisabeth Klinik:
Michas Weg als Trans* Mann
Was gibt Micha auf seinem Weg Kraft?
Eine besonders wichtige Unterstützung ist für Micha seine Mutter. Auf sein Outing reagiert sie mit den Worten: „Na gut, dann habe ich halt noch einen Sohn.“ Auch enge Freund*innen, andere Patient*innen und der Austausch innerhalb der Community begleiten ihn.
Kraft gibt ihm außerdem die medizinische Betreuung. Seine geschlechtsangleichenden Operationen lässt Micha in der Evangelischen Elisabeth Klinik in Berlin machen. Dort fühlt er sich durch die Ärzt*innen und Pflegefachkräfte respektvoll begleitet und mit seinen Fragen ernst genommen.
„Das hat mir es mit ermöglicht, das Leben zu führen, das ich mir immer gewünscht habe“, sagt Micha über die Arbeit des Teams der Transgender-Chirurgie.
Das Gespräch zeigt zugleich, wie wichtig ein respektvoller Umgang mit Sprache ist. Martina Conradt spricht offen darüber, dass Begriffe rund um Transgeschlechtlichkeit sensibel sind und bittet Micha, sie zu korrigieren, falls nötig. Der Podcast macht dadurch nicht nur Michas Geschichte sichtbar, sondern lädt auch dazu ein, zuzuhören und gemeinsam zu lernen.
Was würde Micha seinem jüngeren Ich sagen?
Am Ende des Gesprächs fragt Martina Conradt, was Micha heute seinem siebenjährigen Ich mit auf den Weg geben würde. Seine Antwort fasst einen wesentlichen Teil seiner Geschichte zusammen:
„Du musst keine Angst haben. Du musst dich nicht mehr verstecken, du musst dich nicht mehr verkleiden, du musst dich nicht mehr schlecht fühlen.“
MichaMenschen, die ihm ohne Verständnis oder Toleranz begegnen, möchte Micha vor allem eines sagen: Jeder Mensch sollte so leben und lieben dürfen, wie er (oder sie) möchte.
Die Folge handelt von Transidentität, Transition und geschlechtsangleichenden Operationen. Vor allem aber erzählt sie von dem Mut, trotz Ängsten, Rückschlägen und Widerständen den eigenen Weg zu finden und zu gehen.
Medizinische Perspektive folgt mit Dr. Sascha Bull
In der nächsten Folge wechselt „Warum ich?“ die Perspektive. Martina Conradt spricht mit Dr. Sascha Bull, stellvertretender Chefarzt der Plastischen Chirurgie an der Evangelischen Elisabeth Klinik.
Im Mittelpunkt stehen die medizinischen Möglichkeiten und Grenzen der Transgender-Chirurgie sowie die Frage, wie geschlechtsangleichende Operationen geplant und durchgeführt werden.
Über „Warum ich? Der andere Gesundheitspodcast“
„Warum ich? Der andere Gesundheitspodcast“ ist eine Podcast- und Videoreihe der Johannesstift Diakonie. Jedes Thema wird aus zwei Perspektiven erzählt: Betroffene berichten von ihren persönlichen Erfahrungen. Anschließend ordnen Fachpersonen aus Medizin, Therapie oder Pflege das Thema fachlich und menschlich ein.
Alle Folgen erscheinen als Audio-Podcast auf den gängigen Podcast-Plattformen und als Videopodcast auf YouTube.
Über die Johannesstift Diakonie
Die Johannesstift Diakonie gAG ist das größte konfessionelle Gesundheits- und Sozialunternehmen in der Region Berlin und Nordostdeutschland. Über 11.740 Mitarbeitende leisten moderne Medizin, zugewandte Betreuung und Beratung im Einklang mit den christlich-diakonischen Werten des Unternehmens. Der Träger betreibt Einrichtungen in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Niedersachsen mit einem vielfältigen Angebot in den Bereichen:
- Krankenhäuser und ambulante Versorgungszentren
- Pflege- und Wohneinrichtungen sowie Hospize
- Wohnen und Teilhabeangebote für Menschen mit Behinderungen
- Kinder-, Jugend- und Familienhilfe
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- Dienstleistungen für Gesundheits- und Sozialeinrichtungen

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