Berlin war in den zurückliegenden Wochen im Glatteis-Chaos und speziell die Bürgersteige wurden zu gefährlichen Eisbahnen. Für die vier Notaufnahmen der Johannesstift Diakonie bedeutete das eine bis zu sechsmal höhere Auslastung als an „normalen“ Wintertagen; mit langen Wartezeiten, ausgereizten OP-Kapazitäten und Feldbetten auf den Gängen für verletzte Patient*innen.
„Es ist vor allem ein strukturelles Problem, vor dem Berlin steht. Wenn weiterhin nichts passiert und der Senat seinen Verpflichtungen zur Finanzierung von notwendigen Investitionen z. B. für den Ausbau unserer Rettungsstellen nicht nachkommt, wird diese Art von Krise bald der Normalzustand in den Berliner Rettungsstellen sein: Mit Rettungswagen-Schlangen vor den Kliniken, übervollen Notaufnahmen, Patient*innen in provisorischen Betten auf überfüllten Fluren, langen Wartezeiten und ausgereizten OP-Kapazitäten“, sagt Klinikdirektor Dr. med. Paavo Beth. Er leitet als Chefarzt die drei Notaufnahmen an der Evangelischen Elisabeth Klinik, dem Evangelischen Waldkrankenhaus Spandau und dem Martin Luther Krankenhaus.
Neun Rettungswagen gleichzeitig vor den Notaufnahmen
An den vier „schlimmsten“ Tagen von Ende Dezember bis Anfang Februar versorgen Ärzt*innen und Pflegekräfte gemeinsam rund 500 Glatteisfälle in den vier Berliner Notaufnahmen der Johannesstift Diakonie – wozu neben Dr. Beths Kliniken auch noch das Evangelische Krankenhaus Hubertus gehört. Viele Patient*innen mussten aufgrund der Schwere der Verletzungen stationär aufgenommen und später operiert werden. Teilweise standen bis zu neun Rettungswagen gleichzeitig vor den Auffahrten zur Notaufnahme am Martin Luther Krankenhaus.
„Personell hatten wir die Situation immer im Griff. Viele Kolleg*innen sind aus dem Frei gekommen, haben professionell Hand in Hand gearbeitet, alle konnten sich reibungslos aufeinander verlassen. Wir haben gezeigt, dass wir fit sind und auch im Krisenmodus unseren Patient*innen helfen können. Dafür bedanken wir uns bei allen Mitarbeitenden! Nur gegen den Mangel an Platz oder OP-Kapazitäten können wir natürlich nichts machen.“
Dr. med. Paavo Beth, ChefarztIm Klartext: Berliner Rettungsstellen sind nicht auf Krisen ausgelegt
„Die Kapazitäten der Berliner Rettungsstellen sind auf Normalzeiten ausgelegt, nicht auf Krisen oder Massenanfälle von Verletzten. Zudem ist im Land Berlin eine Reform des Rettungsdienstes geplant, die die Notaufnahmen durch Streichung von Verlegungsmöglichkeiten weiter belasten wird. Gerade vor diesem Hintergrund werden wir in Krisen- oder Katastrophenfällen zukünftig immer das gleiche Bild sehen“, sagt Andreas Mörsberger, Sprecher des Vorstandes der Johannesstift Diakonie.
Johannesstift Diakonie fordert vom Senat Ausbau der Notfallmedizin
„Deshalb fordern wir von der Politik und vom Berliner Senat sich von der abwegigen Idee, Notaufnahmen zu schließen, zu verabschieden und stattdessen in eine auch bei hoher Auslastung menschenwürdige Größe und Ausstattung zu investieren. Die Umsetzung bundesweiter Qualitätsvorgaben (zum Beispiel ein CT in jeder Notaufnahme) muss auch in Berlin finanziert werden. Der digitale Datenaustausch zwischen Rettungsmittel und Notaufnahme darf nicht nur für einzelne Notaufnahmen eingerichtet werden sondern sollte Berlin-weit zum Standard werden. Mit Unterstützung des Landes können für diese Investitionen Bundesmittel genutzt werden, so dass der Berliner Haushalt nicht übermäßig belastet werden muss. Wir wünschen uns hier mehr Miteinander zwischen Land und allen Krankenhausträgern im Interesse der Bürgerinnen und Bürger.“
Über die Johannesstift Diakonie
Die Johannesstift Diakonie gAG ist das größte konfessionelle Gesundheits- und Sozialunternehmen in der Region Berlin und Nordostdeutschland. Über 11.400 Mitarbeitende leisten moderne Medizin, zugewandte Betreuung und Beratung im Einklang mit den christlich-diakonischen Werten des Unternehmens. Der Träger betreibt Einrichtungen in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Niedersachsen mit einem vielfältigen Angebot in den Bereichen:
- Krankenhäuser und ambulante Versorgungszentren
- Pflege- und Wohneinrichtungen sowie Hospize
- Behindertenhilfe
- Kinder-, Jugend- und Familienhilfe
- Arbeit, Beschäftigung und Soziales
- Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie Ergotherapie
- Dienstleistungen für Gesundheits- und Sozialeinrichtungen



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