Sie sind seit vielen Jahren in der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie im Evangelischen Waldkrankenhaus Spandau tätig. Wie hat sich Ihr Bereich in dieser Zeit entwickelt?
Ich bin seit 2014 in Berlin und habe damals die Klinik übernommen und konsequent weiterentwickelt. Die Entwicklung ist beeindruckend: Während wir anfangs etwa 1.200 Hüft- und Knieprothesen pro Jahr implantiert haben, konnten wir diese Zahl in 10 Jahren im Jahr 2025 auf über 3.000 steigern. Das war ein entscheidender Meilenstein und zeigt, wie stark sich die Endoprothetik am Waldkrankenhaus entwickelt hat.
Wie ist es gelungen, diese Steigerung zu erreichen?
Ein entscheidender Erfolgsfaktor war die Einführung des sogenannten Fast-Track-Konzepts, das auf eine schnelle Genesung abzielt. Gemeinsam mit dem Geschäftsführer Carsten Schaulinski haben wir sehr früh das große Potenzial dieses Ansatzes erkannt und waren damit vor zehn Jahren Vorreiter in Berlin. Das Konzept basiert auf konsequentem Change Management im Team: Das heißt, alle Berufsgruppen – Pflegepersonal, Physiotherapeut*innen, OP-Personal und Sozialdienst – arbeiten mit den Ärzt*innen eng zusammen, um standardisierte Behandlungspfade für Hüft- und Knieprothesen zu entwickeln und umzusetzen. Dadurch sprechen alle dieselbe „Sprache“ und die Abläufe greifen optimal ineinander. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit ist bis heute der Kern unseres Erfolgs.
Welche weiteren Maßnahmen haben zur Entwicklung beigetragen?
Wir haben dann gesehen, dass die OP-Zahlen stark angestiegen sind und haben parallel dazu unsere OP-Prozesse analysiert und optimiert. Durch ein gezieltes Effizienzprogramm konnten wir die Auslastung deutlich steigern – beispielsweise von vier auf fünf Hüftprothesen pro OP-Saal und Tag. So konnten wir Qualität und Effizienz zugleich verbessern.
Sie setzen stark auf neue Technologien. Welche Rolle spielt Innovation in Ihrer Abteilung?
Eine sehr große. Wir hatten das Glück, dass unser Geschäftsführer und auch der Vorstand der Johannesstift Diakonie frühzeitig erkannt haben, wie wichtig Investitionen in innovative Technologien sind. Wir waren im März 2020 die erste Klinik in Berlin, die einen OP-Roboter für die Knieendoprothetik einführte – ein mutiger Schritt, insbesondere da dies genau zu Beginn der COVID-Pandemie geschah. Trotz schwieriger Bedingungen konnten wir das System erfolgreich etablieren.
Nach der Pandemie ist die Nachfrage deutlich gestiegen – allein 2022 konnten wir über 400 zusätzliche Prothesenimplantationen verzeichnen. Wir haben dann in einen zweiten Roboter investiert. Inzwischen arbeiten wir mit zwei Robotersystemen parallel in zwei OP-Sälen und einem Dritten in der Evangelischen Elisabeth Klinik.
Wie hat sich das robotische Operieren weiterentwickelt?
Wir haben unser robotisches Programm kontinuierlich ausgebaut. Mittlerweile bieten wir nicht nur robotische Knieendoprothetik an, sondern haben 2026 auch die robotische Hüftprothetik sowie die Versorgung von Teilgelenken am Knie integriert. Damit decken wir ein sehr breites Spektrum ab und gehören technologisch zu den führenden Kliniken in der Region.
Wie ist die Klinik strukturell aufgestellt?
Wir haben unser Angebot auch organisatorisch erweitert. Ein wichtiger Schritt war der Aufbau eines zweiten Standorts, der sich ebenfalls stark entwickelt hat. Aktuell arbeiten wir daran, ein Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung an zwei Standorten zu etablieren – hier bei uns im Evangelischen Waldkrankenhaus Spandau sowie in der Evangelischen Elisabeth Klinik. Ziel ist es, innerhalb der Johannesstift Diakonie eine Versorgung auf höchstem Niveau sicherzustellen – sowohl medizinisch als auch technologisch.
Welche Rolle spielt Ihr Team bei diesem Erfolg?
Eine entscheidende. Unser Team ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Wir betreiben heute das größte zertifizierte Endoprothetikzentrum Berlins sowie das größte zertifizierte Zentrum für Alterstraumatologie. Darüber hinaus verfügen wir über mehrere zertifizierte Einheiten innerhalb der Orthopädie. Diese Spezialisierung ermöglicht es uns, eine sehr hohe Versorgungsqualität anzubieten.
Wie sehen Sie die Zukunft der Endoprothetik?
Die Zukunft liegt ganz klar in der weiteren Standardisierung, Digitalisierung und im Einsatz von künstlicher Intelligenz. Ein zentrales Thema für uns ist aktuell die vollständige Digitalisierung unserer Behandlungspfade – von der Aufnahme bis zur Nachsorge. Gerade bei planbaren Eingriffen wie der Endoprothetik ist das ein enormer Hebel für Qualität und Effizienz. Zudem steht die Zertifizierung unseres erweiterten Zentrums an, die wir im Sommer anstreben. Innovation braucht Investitionen, daher ist die Unterstützung des Vorstands der Johannesstift Diakonie weiterhin sehr wichtig.
Was unterscheidet Ihre Klinik von anderen Einrichtungen?
Es ist die Kombination aus Haltung und Handeln. Wir warten nicht ab, sondern gestalten aktiv. Als Chefarzt sehe ich es als meine Aufgabe, nicht nur Probleme zu benennen, sondern Lösungen zu entwickeln und umzusetzen. Innovation entsteht durch Menschen, die sie vorantreiben – und genau das haben wir in den letzten zwölf Jahren getan.
Über das Evangelische Waldkrankenhaus Spandau
Das Evangelische Waldkrankenhaus Spandau, ein Unternehmen der Johannesstift Diakonie, ist Akademisches Lehrkrankenhaus der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Das 1947 gegründete Notfallkrankenhaus umfasst neun Fachabteilungen, vierzehn medizinische Zentren und 518 Betten. Jährlich versorgen wir rund 22.000 Patient*innen stationär und weitere 70.000 Patient*innen ambulant.
Die Behandlungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Altersmedizin, Brustkrebs / Brustrekonstruktion, Chronische Wunden, Gefäßerkrankungen, Gelenke und künstlicher Gelenkersatz, Herz, Kinder- und Jugendmedizin, Kinderchirurgie und –urologie, Krebs, Magen / Darm, Rücken, Schwangerschaft und Geburt sowie Sport und Unfälle.
Das Evangelische Waldkrankenhaus Spandau betreibt drei Fachschulen: die Reha-Akademie Berlin für Physiotherapeut*innen, die Schule für Ergotherapie sowie gemeinsam mit dem Martin-Luther-Krankenhaus die Gesundheitsfachschule Berlin. Diese fungieren auch als Ausbildungsstätte des Krankenhauses.
Über die Johannesstift Diakonie
Die Johannesstift Diakonie gAG ist das größte konfessionelle Gesundheits- und Sozialunternehmen in der Region Berlin und Nordostdeutschland. Über 11.400 Mitarbeitende leisten moderne Medizin, zugewandte Betreuung und Beratung im Einklang mit den christlich-diakonischen Werten des Unternehmens. Der Träger betreibt Einrichtungen in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Niedersachsen mit einem vielfältigen Angebot in den Bereichen:
- Krankenhäuser und ambulante Versorgungszentren
- Pflege- und Wohneinrichtungen sowie Hospize
- Behindertenhilfe
- Kinder-, Jugend- und Familienhilfe
- Arbeit, Beschäftigung und Soziales
- Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie Ergotherapie
- Dienstleistungen für Gesundheits- und Sozialeinrichtungen



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