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Versorgungsketten für vulnerable Gruppe

Ellen Haußdörfer, Staatssekretärin für Gesundheit und Pflege des Landes Berlin, besuchte das Amalie Sieveking Haus und das Wichernkrankenhaus auf dem Gelände des Evangelischen Johannesstifts in Spandau.

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Staatssekretärin Ellen Haußdörfer informierte sich über die verschiedenen Hilfsprojekte der Johannesstift Diakonie – von Frühen Hilfen bis zur Versorgung Geflüchteter aus der Ukraine mit schweren Erkrankungen. Unter andere waren Andreas Mörsberger, Sprecher des Vorstandes und Prof. Dr. med. Lutz Fritsche, Vorstand Medizin, mit vor Ort.

Informationen aus erster Hand

Für Dr. Karin Barnard, Leiterin der Stabsstelle Präventions- und Palliativmedizin der Johannesstift Diakonie, sind solche Besuche entscheidend, um Projekte zu initiieren und voranzutreiben. „Wir stellen der Staatssekretärin heute unsere Versorgungsketten für vulnerable Gruppen vor. Es ist wichtig, dass Politik und Öffentlichkeit wissen, wie wichtig eine Hand-in-Hand-Versorgung sind; besonders am Anfang und am Ende des Lebens.“ Dabei geht es vor allem um die möglichst frühe Identifikation der Bedarfe, der Etablierung von Lotsen und perfekten Schnittstellen in alle Richtungen und der Auswahl passender Betreuungs- und Versorgungsangebote für Betroffene.

Pilotprojekt hilft schwer erkrankten Ukrainer*innen

Zwei Beispiele verdeutlichten die Arbeit: Zum einen die Geschichte von Olga, einer jungen Frau, geflüchtet aus der Ukraine. Den Verlust der Heimat und der Angst vor dem Krieg überschattete die Diagnose einer aggressiven Brustkrebserkrankung. Das Leben mit anderen Geflüchteten in der Notunterkunft in Tegel war nicht mehr möglich. Glücklicherweise bekam sie durch Vermittlung des Landesamtes für Flüchtlinge (LAF) ein eigenes Zimmer in der dafür eingerichteten Wohngemeinschaft für Geflüchtete aus der Ukraine mit palliativen Bedarfen im Amalie Sieveking Haus. Seit Sommer 2023 werden stark pflegebedürftige und ernsthaft erkrankte Geflüchtete aus der Ukraine in einer in Deutschland einzigartige Schwerpunkteinrichtung als Pilotprojekt auf dem Gelände des Evangelischen Johannesstifts betreut. Eine zweite Einrichtung wurde im Herbst 2024 im Pflege & Wohnen Sunpark in Neukölln eröffnet; finanziert vom Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF). Olga ist eine von inzwischen 34 Betroffenen, die hier vorübergehend ein Stück Zuhause gefunden haben.

Kindern eine Chance geben

Eine andere Geschichte, ein anderes Schicksal. Doch auch hier greifen die Versorgungsketten vulnerabler Gruppen innerhalb der JSD:  Diesmal die Frühen Hilfen  im Evangelischen Waldkrankenhaus. Eine junge Frau aus schwierigen Familienverhältnissen, häuslicher Gewalt ausgesetzt, wird ungewollt schwanger. Allein wäre sie mit der Versorgung des Babys überfordert. Die Frühen Hilfen mit ihren zahlreichen Angeboten leisten tatkräftige Unterstützung bei der Anbindung ans Jugendamt, helfen bei der Versorgung des Kindes, sorgen für eine enge Begleitung, damit die junge Frau lernt, Mutter zu sein und ihr Kind zu versorgen.

Wichtige Netzwerke und engmaschige Versorgungsketten

Zwei Beispiele, die zeigen, wie wichtig ein engmaschiges Netzwerk und stabile Versorgungsketten sind. Denn über allem steht immer eines: Die Finanzierung mit öffentlichen Mitteln. Dr. Karin Barnard: „Die Wohngruppen für ukrainische Geflüchtete werden aktuell vom Landesamt für Flüchtlinge finanziert. Allerdings laufen die Verträge nur noch bis Ende des Jahres. Für uns wäre es wunderbar, wenn wir eine Sicherheit hätten, wie es weitergeht. Deshalb müssen Stadt und Senat wissen, was wir hier machen.

Politikerin mit Blick auf die Basis

Für Staatssekretärin Ellen Haußdörfer sind die genannten Beispiele beeindruckend und zeigen, wie wichtig tatkräftige Unterstützung für Menschen in den unterschiedlichsten Lebenssituationen ist „Ich habe heute gesehen, dass der Weg vom Anfang bis zum Ende des Lebens mit den etablierten Versorgungsketten gut gestaltet werden kann. Und natürlich weiß ich, dass es immer auch um finanzielle Unterstützung geht. Wenn ein Euro nur einmal umgedreht werden kann, ist es wichtig zu wissen, wo und wie wir am effektivsten unterstützen können“, so die SPD-Politikerin.“ Für mich ist es besonders wichtig, einen Kontakt und Blick vor Ort zu haben, da ich nicht nur Entscheidungen am Schreibtisch und mit meinen Kolleg*innen treffe, sondern auch weiß, wie es vor Ort aussieht, welche Herausforderungen es gibt, aber auch welche großen Chancen es gibt, wenn man vernetzt ist und Sektoren übergreifend denkt.“

Interviews

Spandau als starker Partner

Gleichfalls Teil der Runde: Tanja Franzke, Bezirksstadträtin für Jugend und Gesundheit Berlin-Spandau. Der Bezirk ist eine feste Größe in der Zusammenarbeit mit den unterschiedlichsten Hilfsprojekten. „Ich freue mich sehr, dass Ellen Hausdörfer heute erstmals hier ist, um sich diese wichtigen Projekte anzuschauen. Ich persönlich bin immer wieder bewegt, auf welch hohem medizinischem Niveau hier gearbeitet wird. Aber auch wie wichtig der Blick auf die Patient*innen mit ihren individuellen Bedürfnissen für die Mitarbeitenden ist.“ Auch sie hebt die Bedeutung persönlicher Kontakte hervor. „Wir arbeiten im Bezirk seit vielen Jahren eng und vertrauensvoll mit der Johannesstift Diakonie zusammen. Das ist immer gut, gerade bei schwierigen Themen oder neuen Projekten.“

Probleme aufzeigen und Lösungen finden

Natürlich reicht ein knapp dreistündiger Besuch kaum aus, alles zu zeigen. Aber, so Prof. Dr. Lutz Fritsche, Vorstand Medizin: „Wir hängen natürlich stark ab davon, dass die Arbeit, die wir für Menschen leisten, auch bezahlt wird. Hier hat die Landespolitik eine große Rolle. Deshalb ist es wichtig, dass sich die Staatssekretärin für unsere Krankenhäuser und Angebote interessiert und gewillt ist, uns zu unterstützen. Wir haben ja viele Herausforderungen, die wir lösen müssen, Deshalb haben wir nur die wichtigsten ansprechen können. Aber wenn sie nur drei Impulse mitgenommen hat und uns bei zweien unterstützt, haben wir schon viel gewonnen.“ 

Johannesstift Diakonie als Beispiel für andere Träger

Übrigens hat Karin Barnard immer ein großes Ziel vor Augen. „Viele der Angebote sind eine Initialzündung aus unseren Einrichtungen. Wir wünschen uns, damit Vorbild zu sein für andere Träger; auch über die Grenzen Berlins hinaus.

Es gibt viel zu besprechen: Staatssekretärin Ellen Haußdörfer, Bezirksstadträtin Tanja Franzke, Andreas Mörsberger, Sprecher des Vorstandes, Dr. Karin Barnard und Prof. Dr. Lutz Fritsche, Vorstand Medizin (von links)

Über die Johannesstift Diakonie

Die Johannesstift Diakonie gAG ist das größte konfessionelle Gesundheits- und Sozialunternehmen in der Region Berlin und Nordostdeutschland. Über 11.400 Mitarbeitende leisten moderne Medizin, zugewandte Betreuung und Beratung im Einklang mit den christlich-diakonischen Werten des Unternehmens. Der Träger betreibt Einrichtungen in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Niedersachsen mit einem vielfältigen Angebot in den Bereichen:

  • Krankenhäuser und ambulante Versorgungszentren
  • Pflege- und Wohneinrichtungen sowie Hospize
  • Behindertenhilfe
  • Kinder-, Jugend- und Familienhilfe
  • Arbeit, Beschäftigung und Soziales
  • Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie Ergotherapie
  • Dienstleistungen für Gesundheits- und Sozialeinrichtungen