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Johannesstift Diakonie
Vorhang auf für die Musicalschmiede 13587!

Vorhang auf für die Musicalschmiede 13587!

Es herrscht eine besondere Atmosphäre im „Dom der Begegnung" auf dem Gelände des Evangelischen Johannesstifts: Eine Mischung aus Spannung, Nervosität und freudiger Erwartung liegt in der Luft. Noch läuft nicht alles rund bei den Proben der „Musicalschmiede 13587“.

Projekt der Kampagne „Kinder beflügeln“ für 18 Jugendliche
Datum2023-09-01

Und es sind nur noch zwei Tage bis zur großen Aufführung. Doch mit jedem Durchlauf werden die jungen Darsteller*innen sicherer, die Texthänger seltener und die Gags beginnen zu zünden.
Bei der “Musicalschmiede 13587”, einem Projekt der Bildungskampagne „Kinder beflügeln“ des Evangelischen Johannesstifts und der Johannesstift Diakonie, können achtzehn Zwölf- bis Achtzehnjährige Bühnenluft schnuppern. Dafür zelten sie eine Woche lang gemeinsam im Johannesstift und stellen in dieser Zeit zusammen ein Musical auf die Beine. Texte und Musik, alles entsteht in Eigenregie – mit Unterstützung der pädagogischen Teammitglieder.
In nur wenigen Tagen werden Ideen gewälzt, Szenen entwickelt, Charaktere erschaffen und schließlich der Plot des Musicals ausgearbeitet. In diesem Jahr lautet das Thema des Musicals „Am Bahnhofskiosk“. In diesem Szenario kommen Menschen aus allen Lebensbereichen zusammen und ihre Geschichten verbinden sich zu einem bunten Mosaik

Bestellung mit Hindernissen
Der Kiosk wird dabei zum zentralen Treffpunkt für Bahnangestellte, Ordnungsbeamte, Reisende, Pendler, Träumer und Abenteurer aus aller Welt. Wenn die aufeinandertreffen, bleiben Sprachbarrieren nicht aus. Kioskverkäuferin Heidi und der koreanischen Reisenden Singsu hilft dabei auch modernste Technik nicht. Als Heidi ein schnoddriges „Was darf‘s sein?“ in den Raum ruft, antwortet Singsus mobile Übersetzungs-App: „Mein Hund hat weiße Flecken“ und „der Mond besteht nicht aus Käse.“ 
In der Proben-Pause verrät Heidi, die eigentlich Minu heißt und 11 Jahre alt ist, dass sie ein wenig aufgeregt ist. Am Samstag zur Aufführung erwartet sie ihre Oma, Eltern und Geschwister. Da will sie natürlich ihr Bestes geben. „Zum Glück habe ich nicht so viel Text und es sind ja noch zwei Tage“, sagt sie und lacht.
Im Zirkuszelt proben derweil die Musiker*innen die allesamt selbstkomponierten Songs. Viele der teilnehmenden Kids haben eine Leidenschaft für Musik und spielen ein Instrument. Wie der 13-jährige Linus, der schon seit über vier Jahren Schlagzeug spielt oder Keyboarderin Luise. Mit ihren 16 Jahren und zehn Jahren Erfahrung am Keyboard ist sie schon fast eine alte Häsin. Über den Beat rappen die Schüler Theo und Ringo gekonnt: „Gib mir dies, gib mir das – ich will alles, was du hast … ich esse immer gerne alle Snacks aus den Regalen. Ich esse alle Snacks, auch ohne zu bezahlen.“ Falls die Band einmal nicht weiter weiß, helfen die musikalischen Leiter Leon Seyboth und Aaron Piper. Gemeinsam mit den Jugendlichen feilen sie an den Texten und am Arrangement.

Zusammenhalt versetzt Berge
Am Ende des Tages wächst im Musicalschmieden-Ensemble die Zuversicht, dass die Aufführung am Samstag erfolgreich über die Bühne gehen wird. Anfangs waren nicht alle restlos überzeugt, dass es möglich ist, in so kurzer Zeit ein derart großes Projekt zu stemmen. Doch in den letzten Tagen haben die Kinder und Jugendlichen gemerkt, dass Zusammenhalt, Kreativität und der Glaube an sich selbst Berge versetzen können.
Auch Regisseur Heiko Fischer ist guter Dinge: „Wenn man sieht, wie hochkonzentriert und mit wie viel Feuereifer hier alle mitmachen – das kann nur gut werden.“ Silvia Kemper, die die “Musicalschmiede 13587” organisiert, stimmt zu: „Das ist großartig, wenn alle mit einem Erfolgserlebnis nach Hause gehen, aber für mich ist noch wichtiger, was die Jugendlichen in der Gemeinschaft erleben und lernen und wie sie hier ihre Sozialkompetenz schärfen können.“ 
 
Text und Fotos: Marco Dames, Agentur wirkhaus