Schließen

Suchen & Finden

Erste Perle: Euterpe rappt!

Beat of Berlin 2014.

Euterpe – das ist die Muse der Dichtkunst, des Erzählens und des Flötenspiels. Mittlerweile über 2.600 Jahre alt. Können zehn- und elfjährige Berliner Grundschüler*innen mit solch einer alten griechischen Dame irgendetwas anfangen?

Nach zehn Treffen wusste ich es: Ja – die KulturPiloten waren inspiriert und Euterpe hatte uns zu einem zeitgemäßen Dichtwerk verholfen: einem Rap zu Berlin 2014. Wie sind wir dort hin gekommen?

Einsteigen, Anschnallen...

Begonnen hatte diese Staffel im geräumigen und sehr schönen Schulsozialraum der Charlie-Chaplin-Grundschule im Märkischen Viertel. Die Mitte des Raumes füllt ein großer roter, flauschiger Teppich aus, auf dem sich neben mir meine Co-KulturPilotin Silvia und die acht frischen KulturPiloten niederließen. Der Beginn einer Staffel ist besonders aufregend. Die Schüler*innen kennen weder uns noch die Kinder aus den anderen Klassen und so liegt viel Aufregung in der Luft.

Seit Jahren beginnen wir solche Eröffnungen mit einer Redestabrunde. Dafür erkläre ich kurz die Regeln der Redestabrunde und schon geht’s los mit dem Rumgeben des Redegegenstandes und dem Kennenlernen. Wer bist du? Und: Wie bist du gerade da? Schon beim ersten Treffen will ich anschließend mit den Kindern raus – an die frische Luft, raus aus der Schule und rein in das Berliner Getümmel. Nach der Redestabrunde und einem kleinen Spiel machen wir uns auf den Weg zur naheliegenden Fontane-Bibliothek. Hier lernen wir nun, was es mit der Muse Euterpe auf sich hat und was uns bevor steht. Die Kinder fallen mir auf, sie sind zuvorkommend, aufmerksam und neugierig. Ich freute mich auf die Staffel.

Erste Ausflüge in die Lyrik und nach Berlin...

Mit den Kindern überlegten wir gemeinsam, wohin wir reisen würden und ergänzten das bestehende Programm: zu dem Musiktheater, dem Klingenden Museum und dem Mitmachmuseum kamen Ausflüge zum Fernsehturm und dem Tonstudio.

In den vorbereitenden Treffen wagten wir uns langsam aber sicher an die Lyrik heran. Und dann, am Tag der Sonnenfinsternis, küsste uns Euterpe: Während eines Ausfluges fiel uns ein Plakat in die Augen: The Beat of Berlin. Der Titel für unsere eigene Dichtung war schlagartig klar.

Beat of Berlin

Nun erfanden wir Text, Rhythmus und Melodie und fanden in dem befreundeten Senior-KulturPiloten Helge einen begnadeten Arrangeur. Es war berührend, den Kindern beim Gestalten ihres eigenen Musikstückes zuzuschauen.

Jedes Kind hatte einen eigenen Passus vorbereitet und nahm ihn eigenständig im Tonstudio auf. Den fertigen Song haben sie nicht nur bei der KulturPiloten-Abschlussfeier stolz vorgestellt und vorgeführt, sondern auch bei verschiedenen Festen an ihrer Schule: vor der Klassenfamilie und beim Abschlussfest.

Aus den acht Schüler*innen unterschiedlicher Klassen sind Musiker*innen geworden, von Euterpe inspiriert und voller Erfahrungen und Eindrücke der Kultur und der gemeinschaftlichen Ausflüge.

Und nun: Vorhang auf für die erste Perle der KulturPiloten: The Beat of Berlin!

Euterpe rappt!

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von YouTube, der die Seite ergänzt. Sie können ihn mit einem Klick anzeigen lassen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Zweite Perle: Polyhymnia trifft auf C-Falter

Zauberhafte Waldbegegnung im Jahr 2015

Polyhymnia – die Muse der Hymnendichtung, des Tanzes und der Pantomime. Diese Tochter der Mnemosyne und des Zeus gilt dennoch als ernste Frau, nachdenklich und seriös. Was hat sie mit einem C-Falter zu tun? Wer oder was ist das überhaupt?

Im Schuljahr 2014/2015 starteten zehn Kinder der Evangelischen Schule Spandau ihre KulturPilotenStaffel mit den erwachsenen KulturPiloten Helge (Waldpädagoe) und Zoey (Sängerin). Neben dem Klingenden Museum und dem Tonstudio war der Spandauer Forst ein oft besuchter Erlebnisraum für die Kinder. Gleich hinter ihrer Schule und dem Johannesstift ereignete sich dort einer der Höhepunkte der Staffel.

Hier im Wald verbrachten die Kinder viel Zeit. An einem kühlen Tag, Anfang des Jahres 2015, suchten und fanden sie Geräusche im Wald – das Kratzen an Baumborke oder am Tannenzapfen, das Pochen des Spechtes und das Rascheln der wenigen Blätter im Wind. All dies nahmen sie mit dem Tonbandgerät auf.

Der natürlichen Musik des Waldes versuchten die Kinder anschließend unter Mithilfe ihrer erwachsenen KulturPilotin und Sängerin Zoey eigene Gesangsimprovisationen hinzuzufügen.

Musikalische Erkundungen und Selbsterforschungen, das künstlerische Fotografieren der Natur und gemeinschaftsbildene Spiele begeisterten die Kinder.

Alle Sinne wurden angesprochen und nach so einem vollen Ausflug begaben sich die Kinder auf den Rückweg in ihre Schule.

Da begegneten die Kinder plötzlich Rinta.

Rinta war ein C-Falter, der sich – als Meister der Tarnung – an einem Baumstamm für den Winter gesetzt und versteckt hatte. Die Kinder sahen ihn an und waren fasziniert. Sie maßen, fotografierten und benannten ihn.

Rinta war eine Wortneuschöpfung des KulturPiloten Ben: „Rin“ wie Rinde und „Ta“ wie Tarnung.

Was für ein seltsames Geschöpf, so unweit entfernt ihrer eigenen Schule. Nach genauer Erforschung setzten sie ihn schließlich vorsichtig wieder zurück.

Ein neues Maskottchen

Rinta ging den Kindern nicht mehr aus dem Kopf. Wie ein Ohrwurm kam er immer wieder. Sie recherchierten zu diesem besonderen Schmetterling und fanden heraus, dass er zu den wenigen Falter-Arten gehörte, die in Deutschland überwinterten. Ob sie ihn im Frühjahr wieder treffen würden? Ab diesem Moment drehte sich viel um Rinta. Und – wie von der Muse geküsst – entstand ein Lied. Zuerst ein paar Zeilen und Geräusche, dann Melodie und Choreografie. Mit viel Spaß und Mut entwickelte sich daraus im Tonstudio ein richtiger Song, vor der Kamera entstanden ganz eigene Performances der Kids.

So verband der Fund eines C-Falters in dieser Polyhymnia-Staffel die KulturPiloten zu einer Gruppe, die durch die Musik und die Fülle des Waldes über sich selbst hinauswuchs. Und als der Winter endete, das Frühjahr durch die Wolken blinzelte, fanden die KulturPiloten ihr Maskottchen Rinta am gewohnten Platz.

Und nun: Ton ab für: MC Falter!

MC Falter!

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von YouTube, der die Seite ergänzt. Sie können ihn mit einem Klick anzeigen lassen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Dritte Perle: Terpsichore in Charlottenburg

Gemeinschaftsbildung durch Tanz 2013.

Terpsichore - die Muse der Chorlyrik und des Tanzes. Sie gehört mit ihren acht Schwestern zu den olympischen Musen ­– alle gleichsam Töchter der Mnemosyne und des Göttervaters Zeus.

2.500 Jahre alte griechische Mythologie. Aber wie könnte es heute gelingen, jene Muse und ihre Künste zehn- und elfjährigen Kindern nahezubringen?

Neun Kinder der Charlie-Rivel-Grundschule verließen für ein halbes Jahr gewohnte Pfade und wurden Entdecker*innen Berliner Kultur. Ihre erwachsenen KulturPiloten ­– die Pädagogin Esther und der bildende Künstler Tuna ­– halfen ihnen dabei. Sie organisierten den gesamten Rahmen für die Forschungsreise. Wohin ging die Reise?

Zuerst besuchten sie die Komische Oper, dann das Klingende Museum und schließlich das Schloss Charlottenburg. Im neuen Flügel jenes Schlosses erwartete die KulturPiloten eine große Überraschung. Tuna und Esther hatten die erwachsene KulturPilotin und Historikerin Susanne von Osten-Sacken eingeladen, die üblicherweise die Staffel Klio (Geschichte) begleitet.

Sie hatte etwas Besonderes für die Terpsichore-Kinder vorbereitet.

Einladung zum Höfischen Tanz

Ein riesiger Raum mit hölzernem Boden, Kronleuchtern an der Decke und einer Menge Gold an den Wänden erstreckte sich vor den Kindern. In der Mitte auf rotem Samt: eine goldene Krone. Wow! Die Kinder staunten.

Aber: …Etwas verloren schienen sie auch zu sein in dieser Umgebung…

Doch Susanne begrüßte sie freundlich und führte sie in die Geschichte des Schlosses und des Höfischen Tanzes ein. An diesem historischen Ort sollten die Kinder noch einige weitere Schritte gehen dürfen.

Die Kinder bekamen edle höfische Gewänder zum Ankleiden und Susanne erklärte die typischen Gesten zu Hofe, weitere Tanzschritte und die Gruppenaufstellung. Das Orchester (in diesem Fall: eine Musikanlage) begann zu spielen und - gemäß dem Spruche „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.” –  begann der Tanz.

Durch die klaren Vorgaben des Tanzes konnten sich die Kinder sicher fühlen und sich in dem vom Zeremoniell frei gebliebenen Spielraum entfalten. Es schien, als ob es ihnen eine willkommene Abwechslung war und die Kinder gingen regelrecht auf in dem mal heiteren, mal ernsten Tanzspiel.

Einige Kinder, die es gewohnt waren, in Konkurrenz oder Angst zueinander zu stehen, fanden hier erstmals eine Annäherung. Andere genossen den spielerisch aufregenden Kontakt an solch einem besonderen Ort.

Aus den neun Kindern zweier unterschiedlicher Klassen ist eine Gruppe geworden. Tuna berichtete mir, dass dieses Erlebnis noch Wochen auf die Gruppe ausstrahlte. Dass sich einige der von KulturPiloten bei nachfolgenden Treffen sehr freundlich und achtsam begrüßten – es schien, als ob sie von dem Erlebnis weiter zehren würden.

In der Regel berichten die KulturPiloten aller Staffeln ihren Mitschüler*innen von ihren Ausflügen. Am Ende der Staffel findet dann in den Schulen eine Vorführung oder ein Reisebericht statt. Die KulturPiloten der Staffel Terpsichore haben es sich nicht nehmen lassen, ihren Tanz sowohl in der Schule als auch bei der KulturPiloten-Abschluss-Party allen anderen Kindern, Unterstützenden und Gästen stolz zu präsentieren.

Vierte Perle: Urania

Vom Olymp...

Urania – die Muse der Sternenkunde. Die Tochter des Zeus und der Mnemosyne wird oftmals mit Himmelsglobus und Zeigestab dargestellt. Ihren Namen hat sie von ihrem Großvater Uranos - nach griechischer Mythologie dem ersten Herren über Himmel und Welt. Jener Großvater zeugte einst mit Gaia das Göttergeschlecht der Titanen. Nach Hesiod vereinigte sich nun eine der zwölf Titanen, Mnemosyne, neun Tage mit Göttervater Zeus und gebar schließlich neun Töchter: die Musen.

Musen gelten in der griechischen Mythologie als Schutzgöttinnen für Künste und Wissenschaften.

Kann Urania, die Himmlische auch heute noch Menschen inspirieren?
Kann sie Kinder im Alter von zehn bis zwölf Jahren im Zentrum Berlins begeistern?
Jürgen F. Schmid, Schauspieler und Musiklehrer sowie Inga Kammerer, Schauspielerin und Theaterpädagogin, versuchten es.

...nach Berlin Kreuzberg

Der Staffelbeginn stand nicht unter dem besten Stern. Von den neun Kindern der Urania- Staffel kamen fünf aus der Galilei-Grundschule und vier aus der Liebmann Schule. Beide Kreuzberger Schulen liegen zwar im gleichen Schulkomplex und dennoch scheinen immer wieder Universen dazwischen zu liegen. In der ersten Kennenlernrunde fielen den Kindern vor allem Unterschiede und vermeintliche Schwächen auf: Der eine hatte Schwierigkeiten sich auszudrücken, eine andere war von Armut gezeichnet, ein nächster war übergewichtig und ein letzter ganz still, da ihm die Flucht aus Syrien in den Knochen steckte.

In Reaktion auf die Sprachbehinderung eines Schülers sagte ein Junge der Galilei-Grundschule „Warum redest du so komisch”. Das beschämte das Kind der Liebmann Grundschule und ebenso seine Klassenkameraden - ist die Liebmann-Schule ja gerade eine Schule mit Schwerpunkt auf Sprachförderung.

Wie weiter?

Eine Herausforderung im Projekt KulturPiloten besteht darin, wie mit den alten und alltäglichen Besonderheiten der Kinder, die sehr präsent und belastend sein können, umzugehen ist. In diesem Fall organisierten die Senior-KulturPiloten einen wechselseitigen Besuch der Schulräume und –Sekretariate.

So konnten die Kinder erst einmal räumlich einander kennenlernen. Dann versuchten die Senior- KulturPiloten einen neuen Horizont zu öffnen, in dem die Kinder eigene Qualitäten spüren und finden und sich neues Wissen aneignen können. So sammelten sie der Kinder Wissen ein: zu Sternen, zum Urknall, zu Monden und zur Sonnenfinsternis. Der Junge, der in der Kennenlernrunde beschämt wurde, überraschte jetzt die Teilnehmer*innen. Denn er wusste einiges über die Monde des Planeten Jupiter zu berichten. Sogar einen Namen erinnerte er: Io.

Das beeindruckte die Gruppe nachhaltig und gab dem sternenkundlichen Forschungswillen einen Schub.

In den nächsten Treffen erkundeten sie spielerisch das Weltall und lernten viel über dunkle Materie, Gesteinsformationen und ferne Galaxien. Sie besuchten das Technikmuseum und das Planetarium am Insulaner, dort auch das Musical „Sonne Sterne Mond und Co", wo sie plötzlich ihren Senior-KulturPiloten Jürgen in der Hauptrolle des „Mann im Mond“ erlebten, der den „Erdlingen“ seine Nachbarn, die Planeten, näherbringt. Wissenschaftlich, poetisch, mit großartigen Projektionen an der Kuppel und mit Live-Musik zum Mitsingen.

Als die Sonne verschwand

Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch der Wilhelm Foerster-Sternwarte am Insulaner am 20.3.2015 – dem Tag der partiellen Sonnenfinsternis. Mit Schutzbrillen ausgestattet machten sich die Kinder auf den Weg. Bevor es losging, aßen sie gemeinsam mit ihren Senior-KulturPiloten. Diesen Umstand nutzend, besprachen sie gleich, was die Astronauten auf der ISS aßen und was gutes und gesundes Essen auf der Erde und im Weltall ausmacht.

In der Sternwarte angekommen staunten die Kinder nicht schlecht. Das galaktische Schauspiel unter der Schirmherrschaft der Urania war beeindruckend.

Es begann um 09:38 Uhr, Minute um Minute schob sich der Mond weiter vor die Sonne – bis die partielle Sonnenfinsternis (75%!) ihren Höhepunkt um 10:47 Uhr erreichte. In diesem Moment konnten die Kinder ihre alltäglichen und biografischen Probleme vergessen und aufgehen in der Aufregung des Augenblicks.

In den folgenden Treffen arbeiteten die KulturPiloten gemeinsam ihre Erfahrungen und ihre erworbenen Kenntnisse zu einer Performance zum Urknall, zum Planetensystem und zur Sonnenfinsternis auf. Aus einzelnen Kindern mit je eigenen Problemen und Herausforderungen ist eine Gruppe gewachsen, die gemeinsam gelernt und Erfahrungen gesammelt hat. Jedes Kind konnte eine Auszeit vom Alltag bekommen, einen Ruhe- und Beziehungsraum, einen Moment des Zuhörens und Haltens und des Helfens und Tröstens. Die kleine Gruppengröße ermöglichte eine enge Begleitung, sodass jedes Kind in seinem Tempo wachsen konnte.

Sonniges Ende

Zum Abschluss der Staffel teilten die Urania-KulturPiloten ihr erworbenes Wissen um die Sternenkunde und berichteten von ihren Ausflügen. Sowohl vor ihren Schulklassen als auch bei der Abschluss-Party der KulturPiloten führten sie stolz ihren Sonnen-Rap vor.

Fünfte Perle: Thalia und Erwin Wurm

One Minute Skulpturen für KulturPiloten.

Thalia – die Muse der Dichtung und Unterhaltung sowie Beschützerin aller Theaterspielstätten. Als Tochter des Zeus und der Mnemosyne fördert sie mit ihren acht Schwestern das geistige Leben. Ihr Name bedeutet die „Blühende“, „die Fülle“ und der „frohe Mut“.

Mut braucht es, um Kultur aus der Geschichte wiederzubeleben. Mut braucht es, einen neuen Weg zu bahnen für zehn- und elfjährige Kinder aus den Brennpunkten Berlins und der Fülle der kulturellen Menschheitsgeschichte. 

Wo beginnt die Reise?

Der freie Künstler Stephane und die Musikerin Zoey begleiteten im Jahr 2015 die acht KulturPiloten der Staffel Thalia aus der Karl-Weise-Schule in Neukölln. Auf ein Neues gestalteten die erwachsenen KulturPiloten einen Weg zu alter und neuer Kunst.

Dafür organisierten sie Ausflüge zur Erwin Wurm Ausstellung in der Berlinischen Galerie, zum Technikmuseum, zur Komischen Oper und zum Klingenden Museum. Im Technikmuseum erwartete die KulturPiloten ein Buchdrucklehrgang, um eigene Umschläge für Tage- und Notizbücher zu gestalten und zu drucken.

In der Komischen Oper besuchten sie das Gespenst von Canterville und im Klingenden Museum probierten sie selbst Orchesterinstrumente aus. Der Höhepunkt der Staffel war aber zweifelsfrei der Ausflug der Ausstellung „Bei Mutti“ in der Berlinischen Galerie.

One-Minute-Sculpture

Jeder Ausflug der KulturPiloten wird intensiv vor- und nachbereitet. In dem Vorbereitungstreffen zum Museumsausflug und dem Künstler Erwin Wurm, bearbeiteten die Kinder Fragen zu seiner Person und seinem Werk. Der österreichische Künstler Wurm (*1954) will die Trennung zwischen betrachtender Person und Kunstwerk, zwischen Subjekt und Objekt infrage stellen, ja, sogar torpedieren.

Dafür schafft er einen Raum, in dem die Ausstellungsbesucher*innen selbst zum Kunstwerk werden können. Eine Wandlung von Subjekt zu Objekt. Was macht das mit dem Menschen? Wie reagieren die anderen Besucher? Für viele Kinder passte diese Art von moderner Kunst nicht zu ihrem gewohnten Verständnis von Kunst, sie erreichten eine Verständnisgrenze und wurden neugierig. Am Ende des Vorbereitungstreffens konnten die Kinder dann die ersten eigenen Versuche unternehmen – und selbst zur Skulptur werden.

60 Sekunden...

Am Tage des Ausflugs lag Spannung in der Luft. Was würden sie erleben? Angekommen im Museum erwartete sie ein großer, sehr hoher weißer Raum. Im Zentrum ein richtiges Haus - ein detailgetreuer und begehbarer Nachbau von Wurms Elternhaus – jedoch gestaucht auf die Breite von 1,10 Meter. Das soll Kunst sein? In jedem Fall ein Erlebnis für die KulturPiloten!

Die Kinder entdeckten und erforschten die Ausstellung. Sie fanden rund 80 Zeichnungen und Skulpturen aus der Frühphase Wurms bis zu Werken seiner jüngsten Schaffensperiode. Dann standen sie vor weißen und leeren Podesten. Was tun?

Glücklicherweise hatte der Künstler einen Rahmen vorgegeben. So fanden sich bei genauerer Betrachtung bei den Podesten aufgezeichnete, konkrete Handlungsanweisungen und dazu jeweils passende Alltagsgegenstände: Tennisbälle, ein riesiger Pullover, eine Tasche oder ein Dutzend Bücher.

Mit dieser Vorbereitung konnte es losgehen, die Verwandlung in ein eigenes Kunstwerk: eine 60 Sekunden Performance. Doch den Anweisungen zu folgen, fiel oftmals gar nicht so leicht. Den Kopf auf zwei aufeinanderliegenden Tennisbällen zu balancieren, ist nicht einfach! Sich selbst in ein Bücherregal zu verwandeln und zwölf Bücher zwischen Armen und Beinen zu halten – das war eine Herausforderung.

Auf das eigene Scheitern hätten die Kids ganz unterschiedlich reagieren können. Mit Resignation und Rückzug oder mit Wut. Die KulturPiloten nahmen es dieses Mal – Schutzgöttin Thalia sei Dank – mit Humor. Thalia ist eben auch Schutzgöttin der Komödie. Und so versuchten sie es weiter unter anhaltendem Lächeln und Lachen bis es letztlich allen gelang.

Der spielerische Ansatz und der vorbereitete Raum und Rahmen hatten sich bewährt. Das selbst in Aktion treten gewährte neue Aufmerksamkeit für die weiteren Ausstellungsstücke des Museums. Die Kinder waren stolz auf ihre eigenen Kunstwerke und nahmen nun Kunst drumherum mit neuen Augen wahr.

Der Besuch in der Berlinischen Galerie war für die Kinder eine beeindruckende, inspirierende Erfahrung. Sie hinterließ eine Spur der Freude und des Spaßes. Und so wollten die KulturPiloten der Staffel Thalia am Ende der Staffel – bei der Abschlussfeier auf der Bühne des großen Festsaals im Evangelischen Johannesstift – ihre eigenen One-Minute-Skulpturen zeigen. Vorhang auf!

Sechste Perle: Kalliope

...und Präsidentin Park Geun-hye

Kalliope – die älteste der klassischen neun Musen. Schutzgöttin der Wissenschaft, Philosophie und epischen Dichtung. Sie ist die erstgeborene Tochter des Zeus und der Mnemosyne. Kalliope - die Schönstimmige, gilt als die Weiseste unter den Musen und ihr Attribut ist die Schreibtafel. 

Der Schatz dieses sechsten Beitrages aus der Staffel der Kalliope fand sich auf der Straße. Nicht im Museum, im Theater, in der Oper oder im Klassenzimmer, sondern: auf der Straße.

Wie alles begann...

Der erste Fokus jener Staffel lag – gemäß der Muse Kalliope – auf Wissenschaft und Philosophie. Der zweite Fokus lag auf der Selbstermächtigung der Kinder im städtischen Raum. Aus der großen, manchmal unnahbaren, fremden Stadt sollte ihr Berlin werden.

Motto: Mit der Weisheit der Kalliope raus aus dem Moabiter Kiez und rein ins Getümmel! Aber nicht so voreilig, würde sie vermutlich anmahnen und so war es die Idee der erwachsenen KulturPiloten Stefan Leisner (Philosoph, Prozessbegleiter) und Ulrike Solbrig (Bildende Künstlerin), zuerst die eigene Lebenswelt neu zu begreifen um dann das Augenmerk auf neue Horizonte zu lenken.

Geplant, getan...

In einer der ersten Kennenlernrunden sollten die neun KulturPiloten ihre eigenen Haustüren zeichnen. Diese Idee stammt aus dem sehr schönen Berlinführer für Kinder und Jugendliche „Entdecke deine Stadt“ von Anke M. Leitzgen. Im Gesprächskreis ist die gezeichnete Tür dann Startpunkt für ein gemeinsames Kennenlernen.

Wer wohnt dahinter, habt ihr ein Haustier, kennt ihr eure Nachbarn? Im nächsten Schritt zeichnen die Kinder ihr Zuhause auf einer großen Berlinkarte ein. Bei den Kalliope-Kindern gab es einige Überraschungen, so lebten ein paar Kinder gerade um die Ecke, und andere ein ganzes Stadtviertel entfernt. Später sind wir bei einigen dieser Türen vorbei gekommen und haben Bild und Wirklichkeit verglichen.

Stadtaneignung mit Kindern der vierten Klasse – wie geht das? Erst einmal zuhören. Was mögen die Kinder in ihrem Kiez, was nicht? Welche Orte besuchen oder meiden sie? Haben sie Lieblingsorte, die sie uns zeigen wollen? Wir haben viele Runden gemacht, in denen wir jedem einzelnen Kulturpiloten lauschten. In diese Recherchearbeit flochten wir die ersten Ausflüge ein und erweiterten den Horizont der Kinder. Wir besuchten das Technikmuseum, die Bibliothek des Kiezes, den Fernsehturm und das Grips Theater.

Streetart in Moabit

Dann gingen wir einen Schritt weiter und wurden selbst aktiv. Wir hatten in der Gruppe bereits herausgefunden, welche Orte die KulturPiloten aufsuchen oder meiden. Nun ging es uns darum, diese privaten Meinungen öffentlich zu machen und selbst Hand anzulegen. Stadtaneignung - das heißt auch, sich einzusetzen für die eigenen Wünsche im eigenen Kiez. Wir besprachen miteinander, wie wir uns einmischen konnten, wie wir etwas verändern konnten. Wieder half uns das Buch “Entdecke deine Stadt”. Natürlich können und sollen sich die Kinder an erwachsene Entscheidungsträger*innen wenden. Aber was können sie jetzt sofort tun?

Wir bastelten Sprechblasen mit Fragen und kleinen Bildern. Dann gingen wir zu den Orten und klebten jene mit Tesafilm an die entsprechenden Stellen. Das machte Spaß! Für viele Kinder war es ganz neu, sich auf diese Art und Weise einzumischen. Ein Zettel in einem Untergang: „Hier finde ich es zu dunkel”, ein Schnipsel „Hier gefällt es mir gut” auf dem sauberen Spielplatz. Freilich kam auch die Frage, ob dies erlaubt sei und was der Unterschied zu Graffiti wäre. Was ist Kunst und was ist Verschmutzung? Wem gehört die Stadt und was ist erlaubt? Solche spannenden Fragen diskutierten wir in der Gruppe und kamen auf keine gleiche Meinung!

Besonderes Treffen..

Mitte März neigte sich die erste Halbzeit der KulturPilotenstaffel dem Ende zu.

Der nächste Ausflug ging in das Märkische Museum. Wie immer bereiteten wir den Ausflug an dem Treffen zuvor vor. Ebenfalls wie immer wurden zwei Kinder zu den KulturPiloten-Stadtführern erkoren, die vorher Weg und Zugverbindung planten. Während des Ausfluges übernehmen sie dann unsere Führung. Zwei weitere Kinder sind die Fotografen des Ausfluges und übernehmen die Dokumentation.

Am Tage des Ausfluges, dem 26.03.2014, gab es eine unerwartete Überraschung. Im Anschluss an den Museumsbesuch liefen wir zu zur U-Bahn Station Friedrichstraße als einem der KulturPiloten eine Motorradstaffel der Polizei auffiel. Und darüber ein Polizeihubschrauber. In ein paar Hundert Metern Entfernung war die Straße abgesperrt. Die Kinder staunten. Da wir noch etwas Zeit übrig hatten, entschlossen wir uns, dies zu erkunden. Was war da? Spannung lag in der Luft. Umso näher wir dem Brandenburger Tor kamen, um so mehr Polizei und Militär erwartete uns. Endlich angekommen, trennte uns nur noch eine Absperrung vom Wahrzeichen Berlins.

Ein mutiges Kind unserer KulturPiloten fragte die Polizei, was denn hier los wäre. Nun erfuhren wir es: Die südkoreanische Präsidentin Park Geun-hye besucht Berlin. Heute und hier, in zehn Minuten. Die aufgeregten KulturPiloten halten die Luft an. Einer sieht die Scharfschützen auf den Dächern, der andere die Bodyguards, eine dritte die Dolmetscher und ein vierter einen zweiten Helikopter. Wird auch Kanzlerin Merkel da sein oder der Bürgermeister Wowereit?

Dann kommen die langen Wagenkolonnen. Grelle Warnsignale, hektisches Absichern durch die Sicherheitskräfte. Die KulturPiloten sind gespannt und rücken zusammen. Einen kurzen Blick auf die Präsidentin und den Bürgermeister können wir erhaschen, dann ist der ganze Trubel auch schon wieder vorbei. Wir machen uns auf den Weg zurück zur Schule. Was für ein Tag!

Der Pathos jenes Ereignisses wirkte nach und wurde lebhafte Erinnerung. Die Klassenlehrerinnen erzählten mir später, dass von diesem Erlebnis jedes Mal zuerst berichtet wurde.

Siebente Perle: Die Reisen der Terpsichore

In der dritten Folge berichteten wir über die KulturPiloten der Staffel Terpsichore, die den höfischen Tanz im Schloss Charlottenburg entdeckten. In dieser letzten Folge der KulturPiloten-Schatzsuche wird es ein weiteres Mal um Kinder der Terpsichore-Staffel gehen. Doch wir gehen tiefer in die Vergangenheit – in das Jahr 2012. Und wieder stehen der Tanz und die Musik im Vordergrund – jene Künste, die schon seit über 2000 Jahren der wundervollen Muse Terpsichore zugeordnet sind.

Der Schatz dieser Staffel stammt aus Moabit. Neun Kinder der Ersten Gemeinschaftsschule Berlin Mitte wurden von ihren erwachsenen KulturPiloten Schirin Zareh (Gesangslehrerin, Geschichtenerzählerin) und Stefan Leisner (Philosoph, Prozessbegleiter) eingeladen, sich auf den Pfad der schönen Muse zu begeben. Drei Wegmarken standen bereits zu Beginn fest: Der Ausflug zum Exploratorium, zum Filmmuseum Potsdam und zum Staatsballett. Im Folgenden wird Stefan Leisner vom zweiten Schatz der Terpsichore berichten.

Eine Reise zur Musik

Beim ersten Ausflug landeten wir noch zum kühlen Beginn des Jahres im Exploratorium. Von der U-Bahn am Mehringdamm ausgeworfen, stiegen wir frohen Mutes zu den Räumen des Exploratoriums empor und wurden freundlich begrüßt vom Pädagogen und Musiker Micha Rabuske. Er hatte einen wundervollen lichten und weiten Raum vorbereitet. Darin angeordnet waren sehr viele Musikinstrumente, darunter Bambusflöten, Trommeln unterschiedlicher Art und Größe, Rasseln, ein Schlagzeug, eine Marimba und ein Klavier. Die Kinder staunten und wollten sogleich alles ausprobieren. Doch Micha gab der Doppelstunde eine Struktur und begann im Kreis die Musikinstrumente nach und nach vorzustellen und einzuführen. Die Kinder konnten sich hier mit unterschiedlichem Wissen und Erfahrungen einbringen.

Das Besondere an diesem Besuch war die Fähigkeit des Musikers, die Lust der Kinder am Musizieren zu wecken. Erst konnten sie ihre eigenen Erfahrungen machen, nach und nach eine Beziehung zu den Instrumenten aufbauen. Dann ging Micha in die Einzelbegleitung und die Töne, die die KulturPiloten ihren Instrumenten entlockten, wurden von Micha begleitet und eingebunden in ein kleines Musikstück. Die Zusammenarbeit mit einem Musiker, der sein Kunstwerk verstand und liebt, inspirierte die Kinder. Der Funken sprang über.

Eine Reise zum Film

Der nächste Ausflug führte die KulturPiloten zum Filmmuseum Potsdam. Hier erwartete sie eine Reise in die Vergangenheit, denn das Potsdamer Filmmuseum beherbergt eine funktionierende Orgel, um Stummfilme zu begleiten. Des weiteren stand der Ausstellungsbesuch des Filmmuseums auf dem Reiseplan. Zuerst besuchten die KulturPiloten die Ausstellung zu Film in der DDR. Einige kannten den Sandmann oder Märchen der DEFA, für andere war alles Neuland.

Nach dem Ausstellungsbesuch ging es in das Kino, wo uns Filmtechnik und Kinoorgel (gebaut 1929!) von Helmut Schulte gezeigt und erklärt wurden. Zur großen Überraschung lud er uns anschließend ein, einen Stummfilm von Dick und Doof auf der großen Leinwand anzuschauen und dazu – life – die sogenannte Welt-Kinoorgel zu erleben. (Hier gibt es auch eine Hörprobe im Internet). Das war imposant und witzig! Für die KulturPiloten folgte dann eine weitere Überraschung: Sie durften sich nacheinander zu dem engagierten und offenen Orgelspieler setzen und selbst die Orgel erforschen. Mit sehr viel Geduld und Aufmerksamkeit begleitete er die interessierten Kinder.

Die Kinder waren begeistert und aus diesem Ausflug entstand die Idee, selbst kleine Filme musikalisch zu begleiten. Wir arbeiteten in den folgenden Terminen kontinuierlich an diesem Kleinprojekt, suchten einen passenden Stummfilm aus und suchten Instrumente aus. Bei der Abschlusspräsentation sorgten die KulturPiloten für offene Münder im Publikum, indem sie einen Film von Dick und Doof mit selbst gebauten Rasseln und Trommeln lautstark begleiteten.

Eine Reise zum Tanz

Die letzte Reise führte zum Staatsballett Berlin. Auch dieser Besuch war zweigeteilt. Zuerst durften wir – unter der Bedingung mucksmäuschenstill zu sein – einer Probe der jungen Ballett-Tänzer*innen des Staatsballet Berlins zuschauen. Für Jungs und Mädchen war es spannend, diesen jungen Menschen zuzuschauen. Die körperliche Anstrengung und Disziplin war spürbar und dennoch erschien die Kunst immer wieder leicht und verzaubernd.

Die Zeit verging sehr schnell. Doch damit nicht genug. Die nächste Station begann in einem verspiegelten Tanzsaal. Hier begegneten wir der Tänzerin Maria, die die KulturPiloten selbst zum Tanzen einlud. Besonders die Jungs verzogen spontan das Gesicht. Doch sahen sie einige Minuten zuvor selbst Tänzer und so versuchen sie es auch. Die Tänzerin erzählte uns aus ihrem Leben, ihrer Ausbildung zur Tänzerin und ihrem Werdegang. Dann ordnete sie die Kinder im Raume an, zeigte ihnen die ersten Positionen und: Musik ab! Der Tanz ist eröffnet.

Im Landeanflug

Die Staffel ging zu Ende. Rückblickend würde ich sagen, dass die große Reise keinen einzelnen, herausstehenden Höhepunkt hatte. Sie glich viel eher einer wundervollen Kette von funkelnden Perlen. Perlen der Erinnerung, der Freude und der Inspiration, die die Kinder durch die Begegnungen mit Menschen bekamen.