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Johannesstift Diakonie
„Eine 1 in Kunst ist nicht weniger Wert als die in Mathe“

„Eine 1 in Kunst ist nicht weniger Wert als die in Mathe“

Schauspielerin Jessica Ginkel setzt sich für „Kinder beflügeln“ ein

Porträt der Schauspielerin Jessica Ginkel
Datum2021-12-20

Die in Berlin geborene Schauspielerin Jessica Ginkel hat schon seit Kindertagen eine intensive Verbindung zum Evangelischen Johannesstift in Spandau. „Kinder beflügeln“ liegt der zweifachen Mutter sehr am Herzen. Seit einigen Jahren unterstützt sie die Projekte der Bildungskampagne, wo sie nur kann.

Jessica Ginkel ist vielen bekannt aus der Serie „Der Lehrer“, in der sie bis 2019 eine Lehrerin spielte. Ein Metier, das ihr als Grundschulpädagogin sehr vertraut ist. Aktuell ist sie in der Rolle einer Krankenschwester in „Die Eifelpraxis“ im Ersten zu sehen. In einem Interview erklärt sie, warum sie sich neben ihrem Beruf als Schauspielerin für „Kinder beflügeln“ engagiert.

Jessica, was verbindet dich mit „Kinder beflügeln“ und mit dem Johannesstift?

Jessica Ginkel: Ich bin in Spandau geboren und aufgewachsen und in unserer Familie war das Johannesstift immer Thema. Wir waren mindestens einmal im Jahr dort, das Erntedankfest war Pflicht. Und irgendwann ist auch noch mein Bruder dort hingezogen. Er hat sehr lange in der Behindertenhilfe gearbeitet, aber mittlerweile hat er umgesattelt. Jetzt macht er als Sänger oder als Clown unglaublich viel fürs Stift, wie es in Spandau kurz heißt. Und er war auch derjenige, der mich zu „Kinder beflügeln“ gebracht hat. Er hat mich auf einem dieser Erntedankfeste Claudia Lukat, der Leiterin von “Kinder beflügeln”, vorgestellt.

Und wie kam es dann zur Zusammenarbeit?

Da ich ja Kunst auf Lehramt studiert und wahnsinnig gerne mit Kindern zu tun habe, fand ich die Projekte von „Kinder beflügeln“ unglaublich spannend und wollte sie gerne unterstützen. Claudia Lukat hat mich oft gefragt, ob ich mal bei Projekten dabei sein möchte. Bei der KinderSommerUni oder mal bei einem Vorlesetag. Leider haben wir das nie hinbekommen, weil ich zu den Terminen jedes Mal nicht in Berlin war. Und dann kam von ihr irgendwann mal die Anfrage für eine Moderation zum 10-jährigen Geburtstag. Und das passte dann zeitlich endlich mal.

Und nun hilfst du dem Evangelischen Johannesstift und der Johannesstift Diakonie bei ihrer Spendenkampagne für „Kinder beflügeln“ auf der Spendenplattform Betterplace.

Ja, und das von Herzen gerne. Ich finde es einfach toll und wichtig, etwas für Kinder auf die Beine zu stellen und die Projekte sind total unterstützenswert. Und irgendwann klappt es auch mal, an einem Projekt teilzunehmen.

Mit wie viel Kultur seid ihr als Kinder aufgewachsen?

Ich schätze, gemessen an meinem Umfeld mit recht viel Kultur. Unser Papa ist auch Lehrer, daher war der wöchentliche Museumsbesuch Pflicht. Okay, wahrscheinlich war es nicht wirklich wöchentlich, aber als Kind habe ich das so empfunden. Und wir haben viele Spaziergänge durch Berlin gemacht. Als dann die Mauer aufging, sind wir auch nach Ostberlin rüber und haben uns dort alles angeguckt. Ich war zum Beispiel mal im Berliner Dom und als ich davon in der Schule erzählt habe, waren alle völlig überrascht. Wo warst du? Da war ich noch nie! Das waren meistens die Reaktionen. Also ich denke, ich habe in Sachen Kultur so einiges mitbekommen.

Welche Bedeutung hat Kultur aus deiner Sicht für Kinder und Jugendliche?

Ich bin jemand, ich muss Dinge erleben, anfassen und irgendwie dabei sein, um etwas wirklich einsaugen und etwas darüber sagen zu können. Und ich denke, da bin ich nicht die Einzige. Deswegen finde ich es so wichtig, möglichst viele Aktivitäten und Erlebnisse für die Kinder zu schaffen, damit sie sich so bilden können, dass es auch im Kopf und vielleicht sogar im Herzen bleibt. Menschen lernen mehr vom Anfassen als vom Erzählen und Zuhören.

Warum hältst du das für wichtig?

Zum einen ist das Erleben von Kultur jeglicher Art eine Bereicherung für unser Zusammenleben, weil sich einfach andere Sichtweisen erschließen. Wir lernen über die Kultur andere Arten des Ausdrucks kennen und gerade Kinder finden vielleicht auch in sich neue Seiten und Fähigkeiten, die sie vorher noch nicht entdeckt haben. Ob es die Leidenschaft für eine Kunst ist oder ob jemand für sich feststellt: “Mensch, ich bin ein total toller Vorleser”, oder etwas ganz anderes. Es geht also auch um Persönlichkeitsbildung und um das Leben in einer Gemeinschaft. Daraus entsteht mehr Verständnis für unser Gegenüber, weil deutlich wird, warum sich jemand mit dieser Kunst, mit dieser Musik oder mit jener Forschung beschäftigt. Ich finde Reisen wahnsinnig wichtig. Und „Kinder beflügeln“ macht ja kleine Reisen mit den Kindern.

Wie viel Raum hätte denn Karin Noske, Lehrerin und Mutter in der Serie „Der Lehrer“ dem Thema Kultur gegeben?

Ganz viel Raum! Ja, für sie war es natürlich ganz wichtig, die jungen Leute da abzuholen, wo sie sind und ihnen möglichst viel von der Welt zu zeigen, von den Verschiedenheiten zu zeigen.

Und wie steht es um deine aktuelle Rolle als Mama in „Die Eifelpraxis“?

Auch die Vicky Röver, eine alleinerziehende Mama und Krankenschwester, hat den großen Wunsch, alles fürs Kind zu tun. Und es zeigt sich, dass es für manche Menschen und Berufsgruppen wahnsinnig schwierig ist. Alleine, den Schichtdienst zu bewältigen, ist ja für Alleinerziehende gar nicht möglich. Und ob dann da noch so viel Raum für Kultur bleibt? Und in solchen Fällen sind die Projekte von „Kinder beflügeln“ natürlich Gold wert, eben für Eltern, die vielleicht selbst nicht den Zugang oder einfach nicht die Zeit haben.

Deine eigenen Kinder sind sieben und drei Jahre alt. Wie ist deren Interesse an Kultur?

Unsere Kinder sind immer sehr offen für Neues. Unser Sohn baut wahnsinnig gerne und hilft gerne im Garten. Das ist schön. Hier bekommt er ein Verständnis für die Natur und lernt gleichzeitig den Umgang mit den ganzen Arbeitsmaterialien. Beide lieben Musik. Wir sind auch schon in die Kinderoper gegangen oder ins Theater. Und wir reisen gerne und viel. Auf Reisen kann man den Kindern gut zeigen, dass es nicht selbstverständlich ist, was man selber hat und dass es auch andere Lebensweisen gibt.

Aber die Tradition deines Vaters der Museumsbesuche hast du nicht aufleben lassen?

Naja, vor 30 Jahren waren die Museen ja ganz anders, weniger kindgerecht. Mittlerweile sind die Angebote ja so toll geworden, eben auch zum Anfassen. Das Technikmuseum zum Beispiel. Und es gibt das Musikinstrumenten-Museum, wo man viel ausprobieren und experimentieren kann. Diese Angebote haben wir, solange Corona uns das erlaubt, immer im Repertoire.

Welches Projekt von „Kinder beflügeln“ hat dich besonders berührt?

Ich finde die KulturPiloten schon sehr toll. Einfach weil sie einen lebendigen Zugang zu verschiedensten Richtungen ermöglichen. Und das mit intensiver und zugewandter Begleitung. Das ist sehr besonders im heutigen Schulalltag. Die Kinder lernen neugierig und interessiert zu bleiben. Kunst und Kultur bilden zu Toleranz und Offenheit, weil ich ja nicht bewerten muss, was ich da sehe. Ich kann ein Kunstwerk gut finden oder nicht, aber ich sehe den Weg dahin, wie es entstanden ist und lerne dabei.

Hast du eine Nachricht an die Welt?

Mir fällt der Song von Grönemeyer ein – „Kinder an die Macht”. Die Kinder sind noch so offen, so wissbegierig und so unverdorben. Ich würde Kindern wünschen, dass sie das lange aufrechterhalten können. Wir bereichern ja letztendlich unsere Gesellschaft, wenn wir die Fähigkeiten, die Kinder noch haben, nutzen und unterstützen. Oft, wenn ich meine Kinder beobachte, auch im Umgang mit anderen, sehe ich, wie unvoreingenommen sie sind. Ich halte mich zwar auch für sehr offen und doch ertappe ich mich auch manchmal dabei, in bestimmten Rastern zudenken. Meine Kinder haben das noch gar nicht. Für sie zählt nur das aktuelle Gegenüber.

Leider gibt es in der Schule schon sehr früh diese Raster und die Kinder werden eingeschränkt. Sie müssen sich anpassen und diese Schubladen sind nur bedingt geeignet, die Potentiale der Kinder zu fördern. Auch wenn es dazu gehört, dass wir uns gerade in den Hauptfächern ein Minimum an Fähigkeiten aneignen – Lesen und Schreiben sind einfach wichtig für unser Zusammenleben. Aber Fächer wie Kunst sollten auch nicht unterbewertet sein. Eine 1 in Kunst hatte immer weniger Wert als die in Mathe. Stattdessen wäre es gut, auch hier eine Wertschätzung reinzubringen, weil daraus eine Motivation auch für andere, weniger beliebte Bereiche entstehen kann.

Unser Schulsystem ist ja schon über 100 Jahre alt. Es ist wirklich die Frage, wie zeitgemäß es noch ist. Es müssten viel mehr finanzielle und personelle Mittel investiert werden, um Kinder mehr zu fördern und ihr Potenzial zu stärken.

Über die Kampagne „Kinder beflügeln“

„Kinder beflügeln“ ist die Klammer für eine Vielzahl von Projekten, in denen Kinder aus Berlin und Brandenburg seit 2008 durch besondere Bildungserlebnisse gefördert werden. Die Kampagne erreicht Kinder im Grundschulalter an Berliner Brennpunktschulen, die aufgrund ihrer sozialen Situation Bildungschancen nicht nutzen können. „Kinder beflügeln“ ist die gemeinsame Bildungskampagne der Johannesstift Diakonie und der Stiftung Evangelisches Johannesstift.

Über die Johannesstift Diakonie

Die Johannesstift Diakonie gAG ist das größte konfessionelle Gesundheits- und Sozialunternehmen in der Region Berlin und Nordostdeutschland. Über 9.800 Mitarbeitende leisten moderne Medizin, zugewandte Betreuung und Beratung im Einklang mit den christlich-diakonischen Werten des Unternehmens. Der Träger betreibt Einrichtungen in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Niedersachsen mit einem vielfältigen Angebot in den Bereichen:

  • Krankenhäuser und ambulante Versorgungszentren
  • Pflege- und Wohneinrichtungen sowie Hospize
  • Behindertenhilfe
  • Kinder-, Jugend- und Familienhilfe
  • Arbeit, Beschäftigung und Soziales
  • Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie Ergotherapie
  • Dienstleistungen für Gesundheits- und Sozialeinrichtungen