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Johannesstift Diakonie
Beschäftigung über das Teilhabechancengesetz in der WERTRAUM-Werkstatt der Die Wille

Beschäftigung über das Teilhabechancengesetz in der WERTRAUM-Werkstatt der Die Wille

Ein Jahr und zehn Mitarbeiterinnen. Ein Jahr neue Erfahrungen. Ein Jahr Zukunft.

Eine Frau mit Brille arbeitet an einer Nähmaschine.
Datum2021-01-29
EinrichtungDie Wille

„In unserer Werkstatt hat sich eine Gemeinschaft zusammen gefunden. Kolleginnen, die zusammen arbeiten, die eine gemeinsame Aufgabe haben – nicht mehr nur eine Anweisung vom Jobcenter. Sie sehen in die Zukunft und können wieder hoffen.“ Beschäftigungstrainer Ivica Kobetic ist begeistert von seinen Mitarbeiterinnen in der Nähwerkstatt. Sie sind fleißig, lernbereit und bringen ihr Wissen in die Arbeit ein. Sie arbeiten zusammen und miteinander, sind ein kollegiales Team geworden. Und sie sind sich einig. Bügeln kann keiner leiden. 

Nach einem Jahr habe ich mich einmal mit zehn Kolleginnen unterhalten, die mit dem Teilhabechancengesetz die Möglichkeit bekommen haben, einer festen Arbeit nachzugehen. Sie arbeiten alle in der Nähwerkstatt des WERTRAUMS. Als Team entwickeln sie gemeinsam nachhaltige Produkte und produzieren sie. Das Durchschnittsalter liegt bei 55 Jahren. Acht von ihnen haben nie eine Ausbildung gemacht und keine von ihnen ist in den letzten Jahren einer festen Arbeit nachgegangen. Dabei sind Ihre Ansprüche und Wünsche nicht groß: Gesundheit und Arbeit, Sicherheit, die etwas länger dauert als nur ein paar Monate, Unabhängigkeit vom Jobcenter.

Gisela Gabriel kann sich jetzt sogar vorstellen, in einer Schneiderei zu arbeiten. In der Werkstatt hat sie Nähen gelernt, aber auch, sich über einen längeren Zeitraum zu konzentrieren und im Team an Aufträgen und Projekten zu arbeiten. Vor der Arbeit im WERTRAUM war sie, wie die meisten anderen auch, in zeitlich begrenzten Maßnahmen tätig. Jetzt ist sie angestellt, hat einen Arbeitsvertrag und erhält ein Gehalt. Das motiviert und erlaubt ihr einen optimistischen Blick in die Zukunft. Den hat auch Nassrin Mahawech. Sie hat mit dem Nähen und besonders mit den Stricken neue Aufgaben gefunden, die ihr viel Spaß machen. In der Werkstatt lernt sie, wie man mit diesen Fertigkeiten Geld verdienen kann. Sie will sich jetzt aktiv zur Erzieherhelferin weiterbilden lassen. Sie ist mit ihren 43 Jahren die Jüngste hier und will sich eine berufliche Zukunft aufbauen. In ihrer Heimat, dem Libanon, hat sie als Krankenschwester gearbeitet, ihre Ausbildung wurde aber leider in Deutschland nicht anerkannt.

Claudia Zerna hat eines ihrer Ziele schon mit Antritt der Stelle im WERTRAUM erreicht. Sie ist nicht mehr abhängig vom Jobcenter. Ihren Lebensunterhalt bestreitet sie nun ganz allein und sie will, dass das auch so bleibt. Dafür arbeitet sie hart. 

Dass es nicht nur um hartes Arbeiten und Fleiß geht, zeigen die Antworten auf die Frage, wie es um die Beziehungen untereinander steht. Claudia Zerna geht jeden Tag gern zur Arbeit. „Ich habe eine sehr gute Freundin gefunden und die nettesten Kolleginnen und Kollegen, die ich mir wünschen kann.“ So geht es auch Ihren Kolleginnen. „Ja, natürlich!“ antwortet Feriha Ozkan ganz entrüstet auf die Frage, ob sie in der Werkstatt Freundschaften geschlossen hat. Sie ist 53 Jahre. So lange, wie sie denken kann, hat sie sich um ihre Familie gekümmert. Nun hat sie die Chance etwas für sich zu tun und auf eigenen Füßen zu stehen.
Arbeiten bedeutet auch immer, soziale Kontakte aufbauen und pflegen. In Maßnahmen, die oft nur ein halbes Jahr dauern, ist das kaum möglich. Neben der langfristigen beruflichen Perspektive, dem Erlernen neuer Fertigkeiten und dem begleitenden Coaching ist das ein enormer Zugewinn für die Mitarbeitenden. Yvonne Grohan ist gelernte Schuhfachverkäuferin. Jetzt mit 55 Jahren konnte sie ihre PC Kenntnisse vertiefen, hat gelernt Excel anzuwenden und übernimmt Koordinations- und Verwaltungsaufgaben für das Lager und die Materialbereitstellung, Akquise und Sekretariatsaufgaben. 

„Mit unseren Mitarbeitenden fertigen wir Upcycling-Produkte, die wir gemeinsam stetig weiterentwickeln und den Kundenbedürfnissen anpassen. Die langfristigen Arbeitsverträge führen auch dazu, dass das Team sich mehr engagiert, weil sie den gesamten Prozess der Produktentwicklung und Fertigung miterleben und mitgestalten können.“ Ivica Kobetic ist stolz auf das bisher Erreichte und hofft, dass ihm sein Team in den kommenden Jahren so erhalten bleibt und sie gemeinsam noch viel erreichen.

Mehr dazu:Sozialbetrieb WERTRAUM

Über die Johannesstift Diakonie

Die Johannesstift Diakonie gAG ist das größte konfessionelle Gesundheits- und Sozialunternehmen in der Region Berlin und Nordostdeutschland. Über 9.300 Mitarbeitende leisten moderne Medizin, zugewandte Betreuung und Beratung im Einklang mit den christlich-diakonischen Werten des Unternehmens. Der Träger betreibt Einrichtungen in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Niedersachsen mit einem vielfältigen Angebot in den Bereichen:

  • Krankenhäuser und ambulante Versorgungszentren
  • Pflege- und Wohneinrichtungen sowie Hospize
  • Behindertenhilfe
  • Kinder-, Jugend- und Familienhilfe
  • Arbeit, Beschäftigung und Soziales
  • Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie Ergotherapie
  • Dienstleistungen für Gesundheits- und Sozialeinrichtungen