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Mit dem Buch ins Grüne

Leseförderung mit allen fünf Sinnen

Eine Gruppe von Kindern schaut einem Mann zu, der eine runde Platte mit aufgedruckter Spirale in den Händen hält.
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Zwei Wochen lang konnte man in Berliner Grünanlagen, auf Spielplätzen und Schulhöfen lesebegeisterte Kinder beobachten, die sich Literatur ganz spielerisch näherten. Die Aktion dahinter nennt sich „Lesen im Park“ und ist ein Projekt von LesArt, Berliner Zentrum für Kinder- und Jugendliteratur, der Kampagne Kinder beflügeln der Johannesstift Diakonie und der Berliner Kinder- und Jugendbibliotheken.

26 Veranstaltungen, die rund 400 Kinder im Alter von fünf bis zehn Jahren zum Lesen animierten, standen auf dem Programm. Am vergangenen Dienstag hieß es „Diskutieren, Fabulieren, Phantasieren, Rätseln, Spielen, Zeichnen“ in der Spandauer Peter-Härtling-Grundschule.

Rund 15 Kinder versammelten sich dort auf einem schattigen Platz auf dem Schulhof, wo aus „Lesen im Park“ bald „Lesen im Wunderland“ wurde. Denn hier drehte sich alles um den Klassiker „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll. Es dauerte nur ein Kapitel und die Kinder wurden Teil der Geschichte, krabbelten wie weiße Kaninchen, nippten an einem Zaubertrank, stritten mit dem Hutmacher und spielten Krockett mit Flamingos. „Ein Ansatz unserer Methodik ist es, Kinder in Geschichten hineinzulocken, indem wir alle fünf Sinne ansprechen“, erläutert Sylvia Habermann, freie Projektmitarbeiterin von „LesArt“.

Im Wunderland ist alles möglich

Das funktioniert beispielsweise so: Als Alice in der Geschichte durch ein Schlüsselloch einen wunderschönen Garten erblickt, verteilten die LesArt-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter Papier und Buntstifte. Auf dem Papier: ein weißes Schlüsselloch, umrahmt von einem schwarzen Schlossblech. Darin zeichneten die Kinder dann, wie sie sich den Garten vorstellen. „LesArt-Mitarbeiter Götz Drope ermunterte die Schülerinnen und Schüler: „Es gibt kein Falsch im Wunderland!“ Der achtjährige Adrian malte gleich drauf los. „In meinem Wunderland sind die Bäume Lollipops in verschiedenen Geschmacksrichtungen“, rief er. „Und meine Sonne ist ein Toastbrot.“

So ging es weiter: Der Zaubertrank, der Alice schrumpfen lässt, wie auch der Kuchen, der sie in die Länge zieht wie eine Ziehharmonika, standen auf dem Speiseplan der Leserunde. Letzterer zeigte Wirkung – denn wenn man sich ordentlich streckt, wirkt man tatsächlich etwas größer, stellten alle fest. Auch das Lieblingsspiel der bösen Königin „Krocket“ wurde ausprobiert. Die als Schläger dienenden Flamingos waren natürlich nicht echt und statt mit Igeln, so wie die Königin es bevorzugt, spielten die Kinder mit kleinen Bällen.

Lesekompetenz in Deutschland

Der Hintergrund der launigen Veranstaltungsreihe ist ernst: Bildungschancen in Deutschland sind nach wie vor ungleich verteilt. Außerdem schneidet Deutschland bei der Leseleistung seiner Grundschülerinnen und Grundschüler im Vergleich signifikant schlechter ab als die meisten anderen EU-Staaten. Zu diesem Schluss kommt die Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU).

Umso wichtiger sind Förderungen der Lesekompetenz wie „Lesen im Park“. „Mit dieser Aktion möchten wir auch jene Kinder fürs Lesen begeistern, die sonst keine ausgewiesenen Bücherwürmer sind“, so Claudia Lukat, „Kinder beflügeln“-Projektleiterin. „Denn Lesen ist so wichtig. Es erweitert deinen Horizont. Wer in Geschichten eintaucht, der erlebt sie auch. Er lebt in anderen Städten, hat unendlich viele Begegnungen und lernt ständig neue Dinge kennen.“

Ein Mann liest Kindern aus einem Buch vor.
LesArt-Praktikantin Anja Voigt sowie die Mitarbeitenden Sylvia Habermann und Götz Drope (von links nach rechts) mit Schüler*innen der Peter-Härtling-Grundschule
Foto: Marco Dames
Eine Gruppe von Kindern schaut einem Mann zu, der eine runde Platte mit aufgedruckter Spirale in den Händen hält.
LesArt-Mitarbeiter Götz Drope und Grundschüler*innen der Peter-Härtling-Grundschule
Foto: Marco Dames

Über die Kampagne „Kinder beflügeln“

„Kinder beflügeln“ ist die Klammer für eine Vielzahl von Projekten, in denen Kinder aus Berlin und Brandenburg seit 2008 durch besondere Bildungserlebnisse gefördert werden. Die Kampagne erreicht Kinder im Grundschulalter an Berliner Brennpunktschulen, die aufgrund ihrer sozialen Situation Bildungschancen nicht nutzen können. „Kinder beflügeln“ ist die gemeinsame Bildungskampagne der Johannesstift Diakonie und der Stiftung Evangelisches Johannesstift.

Über die Johannesstift Diakonie

Die Johannesstift Diakonie gAG ist das größte konfessionelle Gesundheits- und Sozialunternehmen in der Region Berlin und Nordostdeutschland. Über 9.300 Mitarbeitende leisten moderne Medizin, zugewandte Betreuung und Beratung im Einklang mit den christlich-diakonischen Werten des Unternehmens. Der Träger betreibt Einrichtungen in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Niedersachsen mit einem vielfältigen Angebot in den Bereichen:

  • Krankenhäuser und ambulante Versorgungszentren
  • Pflege- und Wohneinrichtungen sowie Hospize
  • Behindertenhilfe
  • Kinder-, Jugend- und Familienhilfe
  • Arbeit, Beschäftigung und Soziales
  • Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie Ergotherapie
  • Dienstleistungen für Gesundheits- und Sozialeinrichtungen