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Omarthrose: Verschleiß des Schultergelenks

Das Schultergelenk ist das beweglichste Gelenk des Menschen. Wenn es bei einer Arthrose im Schultergelenk zu ständigen, starken Schmerzen kommt, sollte über den Einsatz eines künstlichen Gelenks nachgedacht werden.

Aufbau des Schultergelenks

Das Schultergelenk ist das beweglichste Gelenk des menschlichen Skeletts. Es stellt die Verbindung zwischen dem Arm und dem Rumpf dar.

Zu dem Gelenk gehört auf einer Seite das Schulterblatt (Scapula), dessen äußerer Winkel die Gelenkpfanne bildet, die durch eine so genannte Gelenklippe aus Knorpel vergrößert ist. Ihr gegenüber liegt der halbkugelförmige Gelenkkopf des Oberarmknochens (Humerus), der in der Gelenkpfanne liegt (siehe Abbildung 1).

Das Schultergelenk ist ein typisches Kugelgelenk, das in drei Ebenen beweglich ist. Der Arm kann nach vorne und hinten bewegt, seitlich nach oben bewegt und außerdem gegen und mit dem Uhrzeigersinn rotiert werden. Diese Beweglichkeit wird vor allem durch die sehr flache Gelenkpfanne des Schulterblatts und die sehr weite und schlaffe Gelenkkapsel erreicht, die den Bewegungen keinen großen Widerstand entgegensetzt. Stabilisiert wird das Schultergelenk nur durch ein Band, wodurch die hohe Beweglichkeit erhalten bleibt, aber gleichzeitig auch eine gewisse Instabilität vorhanden ist. Diese führt dazu, dass der Oberarm relativ leicht aus dem Gelenk ausgekugelt werden kann. Medizinisch wird dieser Vorgang als Luxation bezeichnet. Die eigentliche Festigkeit des Gelenks wird daher zum größten Teil nur durch die umgebende Muskulatur erreicht.

Vor allem bei Bewegungsabläufen, bei denen eine Kraftübertragung vom Arm auf den Rumpf oder umgekehrt notwendig ist – beispielsweise beim Heben von Gegenständen, Rudern oder Schwimmen – spielt das Schultergelenk eine große Rolle.

Wie kann eine Arthrose des Schultergelenks operativ behandelt werden?

Bei einer Arthrose des Schultergelenks kommen verschiedene operative Verfahren zum Einsatz. Je nach Schweregrad der Erkrankung kann das Gelenk dabei versteift (Arthrodese) oder durch ein künstliches Gelenk ersetzt werden. Bei einer noch nicht sehr weit fortgeschrittenen Arthrose kann statt einer offenen Operation auch ein minimalinvasiver Eingriff durchgeführt werden.

Behandlung

Bei einer Arthrose des Schultergelenks kann ein minimalinvasiver Eingriff in der Regel bei einer noch nicht zu weit fortgeschrittenen Arthrose zumindest vorübergehend die Beschwerden bessern. Bei diesem Eingriff werden durch kleine Einschnitte in der Haut dünne Instrumente in das Gelenk eingeführt (Arthroskopie), mit denen zerstörtes Knorpelgewebe entfernt und die Oberfläche des Knorpels geglättet werden kann. Gleichzeitig zur Arthroskopie wird das Gelenk gespült (Lavage) und von abgeriebenem Knorpelmaterial befreit, was vor allem bei Entzündungen eine Erleichterung bringen kann.

Weitere Verfahren, die minimalinvasiv durchgeführt werden, sind Knochenanbohrungen (Pridie-Bohrung), Abrasionsarthroplastiken oder Mikrofrakturierungen. Diese sollen die Regeneration des Knorpelgewebes unterstützen, was zu einer kurz- bis mittelfristigen Linderung der Beschwerden führen kann. Außerdem existieren zwei Methoden, mit denen die Gelenkfläche durch eine Transplantation von körpereigenem Knorpelgewebe wiederhergestellt werden soll. Dafür werden aus einem gesunden Gelenkbereich Knorpel-Knochen-Stücke entnommen und bei einer Methode direkt in die geschädigten Knorpelflächen wie ein Mosaik wieder eingesetzt. Bei der zweiten Methode werden aus der Probe zunächst Knorpelzellen isoliert, im Labor vermehrt und anschließend wieder in die defekten Bereiche des Knorpels eingesetzt.

Bei einer Arthrodese wird das Schultergelenk versteift, um die Beschwerden bei einer Schultergelenksarthrose zu lindern. Dieser Eingriff wird allerdings nur sehr selten – zum Beispiel nach Versagen eines Gelenkersatzes – durchgeführt.

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Gelenkersatz: Was ist eine künstliches Schultergelenk?

Bei einer schweren, weit fortgeschrittenen Arthrose ist der Austausch des zerstörten Gelenks durch ein künstliches Gelenk (Endoprothese) notwendig. Dieser Eingriff wird vor allem bei älteren Patienten durchgeführt und soll von Schmerzen befreien und die Funktion des Schultergelenks wieder verbessern.

Da die Haltbarkeit eines künstlichen Schultergelenks begrenzt ist, wird es bei jüngeren Patienten häufig nur eingesetzt, wenn diese unter sehr starken Schmerzen leiden. Stattdessen wird zunächst versucht, die Beschwerden mit konservativen Behandlungsverfahren zu bessern.

Bei einem künstlichen Schultergelenk können verschiedene Arten von Prothesen verwendet werden, die je nach Fortschritt der Arthrose und Anteil des zerstörten Knorpels eingesetzt werden. Bei einer so genannten Kappenprothese wird lediglich die Oberfläche des Gelenkkopfs des Oberarmknochens ersetzt, der Knochen des eigentlichen Gelenkkopfs bleibt darunter bestehen (siehe Abbildung 2). Ist nur der Gelenkkopf und nicht die Gelenkpfanne zerstört, kann dieser allein gegen eine Prothese austauscht werden. In diesem Fall wird eine Prothese eingesetzt, die einen Gelenkkopf und einen Schaft besitzt, der in den Oberarmknochen eingesetzt wird (siehe Abbildung 3).

Sind sowohl Gelenkkopf als auch Gelenkpfanne von der Arthrose betroffen, kann das gesamte Schultergelenk durch eine Prothese ersetzt werden. Diese besteht aus der Gelenkpfanne, die am Schulterblatt befestigt wird, und dem Gelenkkopf mit Schaft, der in den Oberarmknochen eingesetzt wird (siehe Abbildung 4).

Bei Verlust oder starker Schädigung der Muskulatur, die das Schultergelenk stabilisiert (Rotatorenmanschette), kann eine inverse Schulterprothese verwendet werden. Bei dieser gelenkstabilisierenden Prothese wird das Schultergelenk in sich umgekehrt, das heißt die Gelenkpfanne wird am Oberarmknochen und der Gelenkkopf am Schulterblatt befestigt.

Für die Befestigung des künstlichen Schultergelenks gibt es verschiedene Möglichkeiten: eine zementierte Implantation, eine zementfreie Implantation oder die so genannte Hybridimplantation, bei der ein Teil der Prothese zementiert wird und der andere nicht. Die Befestigung mit Knochenzement, bei der eine spezielle Kunstharzverbindung verwendet wird, die innerhalb von Minuten komplett aushärtet und die Endoprothese fest im Knochen verankert, wird vor allem bei älteren Patienten mit einer verminderten Festigkeit der Knochen eingesetzt. Bei der zementfreien Methode wird die Endoprothese in den Knochen eingepresst beziehungsweise eingeschraubt. In der Zeit nach der Operation wächst der Knochen langsam in die Prothese ein und verankert sie auf diese Weise fest. Vorteil der zementierten Prothese ist die sofortige Belastbarkeit des künstlichen Gelenks; der Vorteil der zementfreien Prothese liegt darin, dass diese leichter ausgetauscht und ersetzt werden kann.

Risiken bei einem künstlichen Schultergelenk

Beim Einsetzen eines künstlichen Schultergelenks bestehen allgemeine Risiken, wie Hämatome, Wundheilungsstörungen, Infektionen, Thrombosen, Verletzungen von Gefäßen oder Nerven oder ein hoher Blutverlust mit der Notwendigkeit von Blutersatz. Außerdem kann es nach der Operation zu Einschränkungen der Bewegung und Funktion des Gelenks, einem Bruch der Endoprothese oder seltenen anderen Komplikationen kommen.

Ein künstliches Gelenk kann zwar zwanzig Jahre oder länger funktionsfähig bleiben, hält aber nicht unendlich lange. Daher sollte vor allem bei jüngeren Patienten genau überlegt werden, ob mit der Operation noch gewartet werden soll oder nicht – mit dem Risiko, dass das Gelenk irgendwann erneut ausgetauscht werden muss. Ein Wechsel der Endoprothese kann nicht unbegrenzt oft durchgeführt werden und ist immer mit einer höheren Komplikationsrate und geringeren Erfolgsaussichten verbunden.

Abbildung 2: Kappenprothese
Abbildung 3: Kappenprothese
Abbildung 4: Gesamtprothese
Abbildung 5: Pfannenprothese

Was ist nach einer Schulter-OP zu beachten?

Nachdem ein künstliches Schultergelenk eingesetzt wurde, wird dieses zunächst mithilfe einer Bandage ruhiggestellt. Allerdings sollten täglich individuelle krankengymnastische Übungen durchgeführt werden, um das Gelenk wieder zu mobilisieren und die spätere Funktion zu verbessern.

Nach dem rund zweiwöchigen Krankenhausaufenthalt kann eine ambulante oder stationäre Rehabilitationsbehandlung durchgeführt werden, bei der ein physiotherapeutisches Trainingsprogramm durchgeführt wird, um die Muskeln wieder aufzubauen und den Umgang mit dem neuen Gelenk zu üben. Eine Reha kann nachweislich Schmerzen und den Zeitraum der postoperativen Medikamenteneinnahme vermindern und langfristig die Funktion des operierten Gelenks und die Lebensqualität verbessern.

Ein künstliches Schultergelenk kann grundsätzlich wieder normal belastet werden. Allerdings wird es nach der Operation relativ lange dauern – manchmal sogar bis zu einem Jahr – bis alle Bewegungen über der Horizontalen wieder möglich sind. Grundsätzlich sollten Sie allerdings auf Sportarten verzichten, die Ihr Schultergelenk übermäßig belasten, wie beispielsweise Tennis oder Squash. Andere, gelenkschonende Sportarten wie Wandern, Radfahren oder gesundheitsorientiertes Krafttraining sind aber jederzeit erlaubt. Schwere Lasten sollten Sie gleichmäßig auf beiden Armen verteilen.

Übungen für das Schultergelenk: So werden Sie schnell wieder mobil

Mit verschiedenen krankengymnastischen Übungen können Sie nach dem Einsetzen eines künstlichen Schultergelenks die Muskulatur des Schultergürtels wieder kräftigen und die Funktion und Lebensdauer des Schultergelenks verbessern.

Führen Sie diese Übungen nach Möglichkeit zweimal täglich durch. Gehen Sie im Bewegungsumfang der Übungen niemals über die Schmerzgrenze hinaus. Atmen Sie bei allen Übungen auch in der Anspannungsphase gleichmäßig weiter.

  • Stellen Sie sich aufrecht mit hängenden Armen hin. Lassen Sie dann beide Arme vor dem Körper locker nach rechts und links pendeln. Achten Sie darauf, die Schultern dabei nicht hochzuziehen. Wiederholen Sie diese Übung zehn Mal.
  • Stellen Sie sich aufrecht mit hängenden Armen hin. Kreisen Sie mit beiden Schultern gleichzeitig nach hinten. Achten Sie darauf, dass Sie die Arme dabei locker hängen lassen. Wiederholen Sie diese Übung zehn Mal.
  • Stellen Sie sich aufrecht mit hängenden Armen hin. Ziehen Sie dann beide Schultern in Richtung Ohren hoch und lassen Sie sie dann langsam wieder herunter. Achten Sie darauf, dass Sie die Arme dabei locker hängen lassen. Wiederholen Sie diese Übung zehn Mal.
  • Stellen Sie sich aufrecht hinter einen Stuhl und legen Sie Ihre Hände auf die Stuhllehne. Bauen Sie in den Armen eine Spannung auf, als ob Sie sie nach außen drücken würden. Lassen Sie wieder locker. Drücken Sie dann nach innen. Wiederholen Sie diese Übung zehn Mal zu beiden Seiten.
  • Stellen Sie sich aufrecht vor eine Wand und legen Sie die Hände mit gestreckten Armen in Schulterhöhe an die Wand. Beugen Sie dann die Arme an und bewegen Sie sich mit der Nase in Richtung Wand (Liegestützbewegung). Stellen Sie sich anfangs noch nicht zu weit von der Wand entfernt auf. Mit der Zeit können Sie den Abstand vergrößern. Wiederholen Sie diese Übung fünf Mal.
  • Stellen Sie sich aufrecht in einen Türrahmen und legen Sie die Hände in Schulterhöhe an den Rahmen. Versuchen Sie dann, mit den Händen den Rahmen auseinanderzudrücken. Achten Sie darauf, die Schultern nicht hochzuziehen. Halten Sie die Spannung für fünf Sekunden. Wiederholen Sie diese Übung fünf Mal.
  • Stellen Sie sich aufrecht hin und haken Sie Ihre Hände in Brusthöhe vor dem Körper ineinander. Versuchen Sie dann, die Hände auseinander zu ziehen. Achten Sie darauf, die Schultern nicht hochzuziehen und die Ellbogen nicht über die Schulter hinaus anzuheben. Halten Sie die Spannung für fünf Sekunden. Wiederholen Sie diese Übung fünf Mal.

Referenzen

Platzer, W: Taschenatlas Anatomie, Band 1: Bewegungsapparat. Thieme, Stuttgart 2013

Appell, H.-J., Stang-Voss, C.: Funktionelle Anatomie. Springer, Heidelberg 2008

Krukemeyer, M.G., Möllenhoff, G.: Endoprothetik. De Gruyter, Berlin 2013

Therapieempfehlungen der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Degenerative Gelenkerkrankungen (Stand: 2008)

Gesundheitsberichterstattung des Bundes: Arthrose. Robert Koch-Institut, Heft 54, Juni 2013

Online-Informationen des Berufsverbands der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie: www.bvou.net (Abruf: April 2014)

Stahl, C. at al: Aktive Schultergymnastik. Troponwerke, Köln 1991

Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention: Sport bei Endoprothesenträgern. Sektion Rehabilitation und Behindertensport der DGSP, 1998.

Wichtiger Hinweis

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